Chefbüro statt Jugendraum: Rathaus soll nach Sanierung ins Dobler Kurhaus ziehen
Dobel. Weil es im Dobler Rathaus zu eng ist, soll die Verwaltung künftig im Kurhaus untergebracht werden. Bis das so weit ist, gibt es einiges zu tun.
Es ist ein Großprojekt für die Gemeinde Dobel: Wie der Gemeinderat bereits im April 2024 beschlossen hat, zieht die Gemeindeverwaltung ins Kurhaus um. Grund dafür sind vor allem Platzprobleme und Sanierungsbedarf, was auch eine Bedarfsanalyse ans Licht gebracht hatte. Nun hat der Gemeinderat am Dienstagabend die Steuerung dieses Großprojektes an die Firma Thost Projektmanagement vergeben.
Dobels Bürgermeister Christoph Schaack und Ortsbaumeister Michael Müller öffneten am Tag nach der Gemeinderatssitzung die Türen im Kurhaus und zeigten der „Pforzheimer Zeitung“, in welchen Räumen künftig die Gemeindeverwaltung untergebracht sein soll.
Dabei wird schnell klar: Es ist einiges zu tun – und eine bloße Renovierung der Räume reicht nicht aus. Denn Probleme gibt es quasi an allen Ecken und Enden.
Im Kursaal, der aus dem Jahr 1980 stammt, müssen bei starkem Regen an manchen Stellen Eimer aufgestellt werden, weil es rein tropft. Bühnentechnik, Beleuchtung, Rollläden, Küche – alles ist in die Jahre gekommen. Der Boden muss saniert werden, die Fenster im ganzen Kurhaus sollen ausgetauscht werden. Die öffentlichen Toiletten stammen aus dem Jahr 1970 und müssen dringend erneuert werden. An mehreren Stellen des Kurhauses drückt das Wasser durch die Wand, es bilden sich Pfützen auf dem Boden.
Müller geht davon aus, dass im dritten Quartal von 2027 mit der Kernsanierung begonnen werden kann – anschließend folgen seiner Einschätzung nach zwölf bis 18 Monate Bauzeit. „Im Frühjahr 2029 könnten wir dann hier einziehen“, so der Ortsbaumeister.
Der Hauptsitz der Verwaltung soll im ersten Obergeschoss untergebracht werden, vermutlich dort, wo sich gerade der Jugendraum befindet. Eventuell werde hier auch das Bürgermeister-Zimmer eingerichtet.
„Aber das ist alles noch offen, und ich bin da nicht so anspruchsvoll“, sagt Schaack.
Die neue Tourist-Info soll einen direkten Eingang bekommen, hell, offen und freundlich werden. Auch soll aus Gründen der Barrierefreiheit ein Aufzug eingebaut werden – bis zum zweiten Stock, wo ein Besprechungsraum, ein Sozialraum und eine Teeküche entstehen sollen.
Und was kostet das Ganze? Schaack nannte hierzu in der Gemeinderatssitzung Kosten, die sich einer ersten Schätzung nach auf rund 5,2 Millionen Euro belaufen. „Wir rechnen aber mit Fördergeldern aus dem Sanierungsgebiet Ortsmitte 2 und aus dem Ausgleichsstock, so dass wir derzeit mit einem Eigenanteil von 1,2 Millionen Euro planen“, so Schaack.
Der Rathauschef wies in der Sitzung noch einmal darauf hin, dass es einige größere Aufgaben gebe, die in Dobel anstünden, zum Beispiel die Suche nach einem neuen Standort für den Bauhof und die Erweiterung der Feuerwehr. „Wir müssen aber priorisieren und haben uns jetzt zunächst hierfür entschieden, da es im Rathaus immer enger wird, seit wir auch ausbilden.“ Zudem gebe es massive EDV-Probleme und immer mehr Teilzeitkräfte, die wiederum Arbeitsplätze benötigen.
Yannik Bechtold-Herzog von Thost Projektmanagement erklärte das zweistufige Vergabeverfahren mit einem Teilnahmewettbewerb und visierte an, im April den Architekten beauftragen zu wollen.
Und was passiert dann mit dem Rathaus?
„Dafür gibt es viele Ideen, entschieden ist aber noch nichts“, sagt Schaack.
Sicher sei, dass auch hier noch einmal eine halbe Million Euro für die Sanierung anfallen. Im Gespräch seien die Nutzung als Haus der Vereine oder als Begegnungscafé, aber auch ein Verkauf der Immobilie sei angesichts der schlechten Finanzlage nicht ausgeschlossen.
