Dobel -  16.08.2020
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Nach Jahren der Diskussion: Dobel und Bad Herrenalb nehmen neuen Anlauf für gemeinsames Gewerbegebiet

Dobel/Bad Herrenalb. Ein gemeinsames Gewerbegebiet von Dobel und Bad Herrenalb wird schon seit Jahren in den beiden Kommunen diskutiert – um die Pläne dann schließlich doch wieder beiseitezulegen. Nun liegen sie gerade wieder auf dem Tisch, und die PZ hat sich mit den Rathauschefs, Christoph Schaack aus Dobel und Klaus Hoffmann aus Bad Herrenalb, darüber unterhalten, ob dieses Mal Nägel mit Köpfen gemacht werden.

Das Gewerbegebiet in Dobel ist komplett belegt. Die Gemeinde sieht innerhalb ihrer eigenen Grenzen keine Möglichkeit mehr für weitere Ansiedlungen. Foto: PZ-Archiv/Moritz
Das Gewerbegebiet in Dobel ist komplett belegt. Die Gemeinde sieht innerhalb ihrer eigenen Grenzen keine Möglichkeit mehr für weitere Ansiedlungen. Foto: PZ-Archiv/Moritz

Das sind die Pläne für ein gemeinsames Gewerbegebiete von Dobel und Bad Herrenalb:

Auf einer Fläche von knapp sechs Hektar könnte beim Herrenalber Stadtteil Neusatz ein gemeinsames Gewerbegebiet von Dobel und der Siebentälerstadt entstehen. Pläne dafür gibt es schon lange: „Das Gewerbegebiet ist schon seit 14 Jahren immer mal wieder im Gespräch“, sagt Dobels Bürgermeister Christoph Schaack. Als es zuletzt im Jahr 2018 intensiver diskutiert wurde, standen Erschließungskosten in Höhe von 2,5 Millionen Euro im Raum. Von der Landesregierung könnte es Fördermittel geben.

Darum liegt das Thema schon so lange in den Schubladen der Rathäuser:

„Ich habe immer mal wieder bei meinem damaligen Kollegen Norbert Mai in Bad Herrenalb nachgefragt“, sagt Schaack. Sein Eindruck war allerdings, dass die Stadt zu dieser Zeit andere Prioritäten hatte. Der Ausschuss der Verwaltungsgemeinschaft von Dobel und Bad Herrenalb hat sich laut Schaack vor drei Jahren zuletzt intensiv mit dem Thema befasst. „Damals war der Auftrag, eine Studie zu erstellen, aber es ist nichts Greifbares dabei heraus gekommen“, sagt der Dobler Rathauschef.

"Es ist ein sehr wichtiges Thema."

Bad Herrenalbs Bürgermeister Klaus Hoffmann

Im April dieses Jahres sei der Ausschuss dann erstmals mit der neuen Besetzung und dem neuen Herrenalber Bürgermeister Klaus Hoffmann zusammen gekommen und man habe erkannt, dass die Interessen der beiden Gemeinden auf einer Linie liegen. „Es ist ein sehr wichtiges Thema“, findet Hoffmann. Doch warum ging es dann so lange nicht vorwärts? „Wir kommen auch im Gemeinderat immer wieder zu der Frage, ob wir das überhaupt brauchen“, sagt Hoffman. Und dann drehe man sich im Kreis. Man müsse jetzt einfach mal Grundlagen schaffen und dann darüber entscheiden.

So wichtig wäre ein Gewerbegebiet für die beiden Gemeinden:

„Dobel hat ein eigenes Gewerbegebiet in der Ortsmitte“, erklärt Schaack. Über viele Jahre habe man dort Interessenten Flächen anbieten können, seit etwa zwei Jahren seien aber alle Flächen weg. „Wenn wir Zuzüge auch von auswärtigen Unternehmen wollen, müssen wir das Thema jetzt angehen“, so Schaack.

Ein eigenes Gewerbegebiet kann Dobel nach Angaben des Bürgermeisters aber nicht auf die Beine stellen. „Wir sind umzingelt von FFH-Flächen, die eine Gewerbeansiedlung an diesen Stellen unmöglich machen“, sagt er. Und dass es einen Bedarf gibt, steht für ihn außer Frage: „Es kommen immer wieder Anfragen von Interessenten. Man muss nur aktiv werden, dann kommen die Firmen auch.“

Auch für Bad Herrenalb hätte das Gewerbegebiet eine große Bedeutung: „Zum einen bietet es Entwicklungsmöglichkeiten für die eigenen Unternehmen, zum anderen könnten sich hier auch neue Gewerbetreibende ansiedeln“, erklärt Hoffmann.

Wie geht es jetzt weiter?

Ende August soll es ein Treffen der beiden Kommunen geben, bei dem die weiteren Schritte festgelegt werden sollen. „Wir wollen nach der Urlaubszeit den Stand der Dinge eruieren“, so Hoffmann. „Wenn es hier einen Konsens gibt, dass wir das wollen, nehmen wir das Thema mit in die Gemeinderäte“, erklärt Schaack. „Von meiner Seite aus können wir da gerne drauf aufbauen.“

Ähnlich sieht es auch Hoffmann. „Es gibt ja bereits umfangreiche Pläne, es ist schon einiges an Vorarbeit geleistet worden. Jetzt müssen wir aber auch schauen, was sich im Laufe der Jahre verändert hat, und alles auf den aktuellen Stand bringen.“

Der Gemeinderat von Bad Herrenalb hatte das Thema in seiner letzten Sitzung auf der Tagesordnung. Es wurde zwar kein Beschluss gefasst. Der Stadtverwaltung wurde aber mit auf den Weg gegeben, dass sie am Thema dranbleiben soll. „Jetzt haben wir den Einstieg, das ist ein wichtiges Signal“, so Hoffmann, der nach der Sitzung bereits vom Landratsamt in Calw Hilfe bei der weiteren Umsetzung angeboten bekommen hat.

Allerdings: Ein Genehmigungsverfahren für ein solches Gewerbegebiet könne Jahre dauern. „Ich würde es begrüßen, wenn wir in den nächsten zwölf Monaten zumindest die Grundsatzbeschlüsse fassen würden“, meint Schaack.

Alle Grundstücke weg im Schwarzenberger Gewerbegebiet

Im Schwarzenberger Gewerbegebiet sind die letzten drei verfügbaren Grundstücke verkauft worden. Das teilt die Gemeinde Schömberg mit. Daher stehe nun eine Erweiterung im Raum. „Auf der aktuellen Freifläche werden vier weitere, gewerbliche Vorhaben realisiert“, stellte Bürgermeister Matthias Leyn aufgrund der individuellen Planungen in Aussicht. Nicht nur er weiß um die Nachfrage ortsansässiger Unternehmen, die gerne umziehen oder expandieren möchten. „Die Erweiterung wäre deshalb ein Herzenswunsch von mir“, stellte Ortsvorsteher Andreas Ehnis beim Ortstermin fest. Er sieht in der ortsnahen Ansiedlung eine Zukunftsperspektive für wachsende Betriebe.

Gleichzeitig unterstreichen Leyn und Ehnis, dass eine Erweiterung des Gewerbegebiets außerdem mit der Einrichtung eines Öko-Kontos für die Gemeinde vereinbar sei. Mit Spannung werden in Schwarzenberg nun die Spatenstiche auf den noch unbebauten Grundstücken erwartet. Der erste Bauabschnitt des Gewerbegebiets wurde Anfang der 2000er-Jahre erschlossen.

Ein Kommentar von PZ-Redakteur Dennis Krivec

„Veränderungen stoßen bei der Bevölkerung heute mehr denn je auf Ablehnung – erst recht, wenn neue Gewerbeflächen geplant sind. Häufig wird dabei der Natur- und Artenschutz ins Feld geführt. Das ist legitim und auch wichtig. Schließlich muss immer abgewogen werden, ob der Nutzen eines Eingriffs in die Umwelt die teils schwerwiegenden Kosten übersteigt. Dieses Jahr zeigt aber, dass sich die öffentliche Meinung zu neuen Gewerbeansiedlungen ändern muss. Die Corona-Pandemie hat die Unternehmen schwer getroffen, so viele Arbeitnehmer wie nie mussten in Kurzarbeit.

"Vorbei ist die Zeit, in der der Wohlstand als selbstverständlich galt und scheinbar nur noch verwaltet werden musste."

Und so fehlen auch den Gemeinden Steuereinnahmen. Geld mit dem auch Projekte für die Öffentlichkeit finanziert werden, die nun teils auf Eis gelegt werden müssen. Vorbei ist die Zeit, in der der Wohlstand als selbstverständlich galt und scheinbar nur noch verwaltet werden musste. Momentan ist er in Gefahr. Daher sollte es potenziellen neuen Arbeitgebern und Gewerbesteuerzahlern einfacher gemacht werden, sich anzusiedeln.“

Mit Material von pm

Autor: caw