Enzklösterle
Enzklösterle -  18.07.2020
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„Blaues Gold“ lockt wieder in die Wälder: Wer wird zur „Hoabeer-Sau“?

Oberes Enztal. „Blaues Gold“ wurden sie früher genannt, die Heidelbeeren, die jetzt wieder reif sind. Früher waren es die Frauen und die Kinder, die täglich in „d‘ Hoabeer“ gingen, um zum meist kargen Lohn ihrer Männer mit dem Verkauf der Beeren beizutragen. In besonders guten Jahren mit vielen Heidelbeeren gab es im Dorf sogar Heidelbeerferien, damit die Kinder ebenfalls beim Sammeln mitmachen konnten. Jede Familie hatte damals ihren bestimmten Platz, den man möglichst nicht anderen mitteilte. Wer im Dorf am meisten Heidelbeeren in einer Saison sammelte, erhielt den Ehrentitel „Hoabeer-Sau“.

Für die rund sechs Kilogramm Heidelbeeren auf dem Bild mussten die Sammler rund fünf Stunden ran. 25 bis 30 Kilogramm Beeren brachten gute Pflückerinnen früher mit nach Hause.  bechtle
Für die rund sechs Kilogramm Heidelbeeren auf dem Bild mussten die Sammler rund fünf Stunden ran. 25 bis 30 Kilogramm Beeren brachten gute Pflückerinnen früher mit nach Hause. bechtle

Richard Reichle, früherer Oberlehrer und Schulleiter in Enzklösterle, berichtet im „Heimatbuch Enzklösterle“ (erschienen 2003), dass die Heidelbeerernte im Dorf jährlich etwa 1200 bis 2000 Zentner betrug, was bei einem Verkaufspreis von damals 20 Pfennig je Pfund immerhin zwischen 24 000 und 40 000 Mark zusätzliches Einkommen für die Dorfbewohner bedeutete. Gute Pflückerinnen brachten es auf 50 bis 60 Pfund am Tag.

Bereits 1967 beabsichtigte die „Planungsgemeinschaft Nordschwarzwald“ als Gegenstück zur Schwarzwald-Hochstraße und der Badischen Weinstraße eine Heidelbeerstraße auf den Höhen zwischen Enz und Nagold auszuweisen, wozu es allerdings nicht kam. Dafür gibt es in Enzklösterle seit einigen Jahren einen Heidelbeer-Premium-Wanderweg und das Heidelbeerhaus. Sogar einen „Heidelbär“ gibt es, eine rund zwei Meter große handgearbeitete Bärenfigur.

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Autor: Götz Bechtle |