Enzklösterle
Enzklösterle -  22.09.2020
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Mutiger Neuanfang in Enzklösterle: Menschen von überall finden in ehemaligem Hotel zusammen

„Ich war schon immer abenteuerlustig“, sagt Else Huber. Aus ihren Augen blitzt die pure Lebensfreude. Die 86-jährige gebürtige Esslingerin sitzt im weitläufigen Garten des „Hauses am Lappach“ in Enzklösterle, umringt von ihren jüngeren Mitbewohnern, genießt die Nachmittagssonne und erzählt. Davon, wie sie ihr Haus in Esslingen verkauft hat, wie sie auf das Wohnprojekt „Haus am Lappach“ aufmerksam wurde und wie sie schließlich im hohen Alter ihre Sachen gepackt hat, um neu anzufangen.

Eine bunte Gruppe aus ganz Deutschland hat sich im „Haus am Lappach“ in Enzklösterle gefunden. Auch zwei Hunde und Katzen zählen zu den Bewohnern des ausgezeichneten Wohnprojekts in einem ehemaligen Gästehaus. Da die Mieter und Eigentümer unter einem Dach leben, dürfen sie auch in Corona-Zeiten zusammenrücken. Foto: Biesinger
Eine bunte Gruppe aus ganz Deutschland hat sich im „Haus am Lappach“ in Enzklösterle gefunden. Auch zwei Hunde und Katzen zählen zu den Bewohnern des ausgezeichneten Wohnprojekts in einem ehemaligen Gästehaus. Da die Mieter und Eigentümer unter einem Dach leben, dürfen sie auch in Corona-Zeiten zusammenrücken. Foto: Biesinger

Es gehört tatsächlich eine große Portion Abenteuerlust dazu, mit knapp 80 Jahren das Leben komplett umzukrempeln, um fernab der Heimat nicht etwa in ein Seniorenheim, sondern in eine bunte Wohngemeinschaft zu ziehen. Im „Haus am Lappach“ sind Menschen aus ganz Deutschland zusammengekommen, um gemeinsam zu leben. Seit nunmehr acht Jahren gibt es das Wohnprojekt, das sich deutschlandweit einen Namen gemacht und diverse Preise gewonnen hat. Derzeit leben 24 Menschen im Alter von 54 bis 90 Jahren in den 16 Wohnungen.

Zu Else Hubers Mitbewohnern zählt auch der bekannte deutsche Sportfotograf Dieter Baumann. Bei einer Fahrradtour im Nordschwarzwald wurde er auf das ehemalige Hotel aufmerksam. Schon lange hatten er und seine Frau Petra Ossig-Baumann nach einem Objekt gesucht, in dem sie ihren Traum vom Wohnen verwirklichen können. Leben in einer Gemeinschaft, in der Synergien genutzt und Freundschaften gepflegt werden können, in der aber auch die Privatsphäre geachtet wird.

„In Enzklösterle stimmt die In-frastruktur. Es ist kein verlassenes kleines Schwarzwalddorf“, sagt Baumann. „Im Großraum Stuttgart wurde es uns zu eng. Zu viele Menschen auf zu engem Raum“, ergänzt Ossig-Baumann. Also verkauften auch die Baumanns ihr Haus und zogen in den Nordschwarzwald. „Wir haben viel Ballast abgeworfen“, erinnert sich Ossig-Baumann an ihren Umzug vom eigenen Haus in die Zwei-Zimmer-Wohnung.

Die Bewohner des „Hauses am Lappach“ geben ihrer neuen Heimat auch etwas zurück. Journalistin Claudia Ollenhauer, die 2013 mit ihrem Partner von Bühl ins „Haus am Lappach“ gezogen ist, baute zusammen mit ihren Mitbewohnern für das Heidelbeerdorf Enzklösterle das Heidelbeerhaus auf, in dem es Produkte rund um die süße Frucht zu kaufen gibt. Seit zehn Jahren sorgt das Heidelbeerhaus mit einer Kombination aus Laden, Lounge und Onlineshop dafür, dass sich der Ort als Heidelbeerdorf etablieren kann. Nun wird ein Nachfolger für das Projekt gesucht. Ollenhauer möchte mehr Zeit für die Familie haben.

Dass aus dem ehemaligen Sägewerk und späteren Gästehaus ein Wohnprojekt wurde, ist Regine Erhard zu verdanken. Mit ihrer Mutter hatte sie einst die Pension geführt. Als die Gästezahlen zurückgingen, machte sie sich daran, dort eine Wohngemeinschaft zu gründen. Zehn Jahre dauerte es schließlich von der Idee bis zum Einzug der ersten Bewohner.

Seither läuft es wie am Schnürchen. Die Wohnungen sind alle belegt. Es gibt Anfragen aus ganz Deutschland und sogar aus dem EU-Ausland. Die moderne Form des Wohnens scheint die Menschen zu erreichen.Mehr über das Thema lesen Sie am Mittwoch, 23. September, in der „Pforzheimer Zeitung Nordschwarzwald“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

Autor: nic