Höfen -  06.12.2021
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Haushaltsberatung: Höfen will sparen, ohne dass es wehtut

Höfen. Kein einfaches Haushaltsjahr steht Höfen im kommenden Jahr 2022 ins Haus. Denn: Um überhaupt einen genehmigungsfähigen Haushalt zu haben, muss die Gemeinde mindestens 300.000 Euro an laufenden Kosten und zusätzlichen Investitionen einsparen. So viel steht bereits fest (PZ hat berichtet). Und auch, an welchen Stellschrauben gedreht werden soll, wurde im Rahmen der eineinhalbtägigen Haushalts-Klausurtagung von Gemeinderat und Verwaltung festgelegt. Ganz oben auf der Liste stehen der Kindergarten, der Bauhof und das Freibad. Wohin die Reise im Detail gehen könnte, das hat Bürgermeister Heiko Stieringer im Gespräch mit der „Pforzheimer Zeitung“ erläutert.

Kindergarten: Hier versteckt sich mit 100.000 Euro jährlich laut Stieringer der Löwenanteil an Einsparpotenzial. Gleichzeitig betont der Bürgermeister, dass es keinen Qualitätsverlust in Sachen Betreuung geben soll. Aber: „Unser Personalschlüssel liegt über den vorgeschriebenen Standards“, so der Bürgermeister und Vorsitzende des Trägervereins, der den Kindergarten betreibt. Bislang habe es eine Art Mischkalkulation gegeben: Die Betriebserlaubnis komme vom Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS), der Personalschlüssel orientiere sich hingegen von früher her noch an den Vorgaben des evangelischen Landesverbandes. „Hier gibt es doch Unterschiede“, so Stieringer. Mit dem Ergebnis, dass aktuell mindestens 1,5 Stellen zuviel besetzt seien. „Nun suchen wir nach Möglichkeiten für Einsparungen“, so Stieringer. Entlassungen seien für ihn erstmal keine Option. Auch sei es schwierig, einzelne Erzieherinnen vorübergehend an andere Kindergärten zu entleihen. Der Plan: Während der sogenannten Randzeiten, wenn nur wenige Kinder betreut werden, weniger Erzieherinnen einsetzen. „Für eine befristete Zeit müssten dann alle Erzieherinnen etwas reduzieren“, sagt er. Auf diese Weise könnten aber alle bleiben und der Kindergarten sei gewappnet, wenn wieder mehr Kinder angemeldet würden.

Bauhof: Höfen wird auch künftig einen eigenen Bauhof haben. Allerdings wird sich in den kommenden Wochen ein Arbeitskreis, bestehend aus Stieringer, Kämmerin Lena Rehklau und vier Gemeinderäten, zusammenfinden. Dem Bauhof mangelt es nicht an Aufgaben, sondern bisweilen eher an zusätzlichen Kräften. Nur: Die können angesichts der Haushaltslage nicht eingestellt werden. „Wir werden also regelmäßig wiederkehrende Aufgaben des Bauhofs genau definieren und festlegen“, so Stieringer. Unregelmäßig anfallende und spezielle Aufgaben sollen künftig extern vergeben werden. „Eine der regelmäßigen Aufgaben, die viel Zeit und Energie binden, sind Mäh- und Landschaftspflegearbeiten“, so Stieringer. Hier plant die Gemeinde, künftig mehr Blumenwiesen anzulegen, die nur noch in bestimmten Bereichen gemäht werden – etwa rund um Sitzbänke oder an Wegesrändern – und ansonsten nur zweimal im Jahr. „Das wiederum könnten wir an die Lebenshilfe oder ähnliche Einrichtungen vergeben“, schlägt Stieringer vor. Bei Gestaltung der pflegeleichten und ökologisch sinnvollen Blumenwiesen werde die Gemeinde von einem jungen Mann aus dem Ort unterstützt.

Freibad: Hier soll an den Stellschrauben „Bademeister und Öffnungszeiten“ gedreht werden. „Unser Fachangestellter für Bäderbetriebe hat zuletzt Aufgaben übernommen, die nicht seiner Qualifikation entsprechen“, sagt Stieringer. Er habe gereinigt, Hecken geschnitten und Rasen gemäht. Mit zahlreichen Mehrstunden. Diese Aufgaben sollen künftig extern vergeben oder vom Förderverein geschultert werden. Die Arbeitszeit des Bademeisters müsse sich an den reinen Öffnungszeiten orientieren. Statt einer zweiten Honorarkraft werde es vermutlich verkürzte Badezeiten geben, so Stieringer. „Wohl nicht in den Schulferien“, so die Überlegung. Werktags außerhalb der Ferien lohne es sich jedoch nicht, das Bad für zwei oder drei Gäste zu öffnen: „Insgesamt müssen wir hier flexibler werden und das Bad auch mal geschlossen lassen, wenn das Wetter nicht mitmacht.“

Autor: Yvonne Dast-Kunadt