Höfen -  12.01.2022
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Historischer Rundgang: Der Höfener Ortsgeschichte auf der Spur

Höfen. Wandern und Spazierengehen sind gerade in Zeiten der Corona-Pandemie sehr beliebt. Hier lockt auch der historische Themenweg in Höfen. An 23 Stellen informieren dort Tafeln über Besonderheiten. Wer den kleinen, im Rathaus erhältlichen Prospekt „Historischer Rundgang – Höfen an der Enz idyllisch und erfrischend“, nicht parat hat, braucht nur mit offenen Augen durch die Enztalgemeinde zu gehen, und er findet auch so viel Interessantes.

Vor 1905, als man nur auf die Rückseite genannte Bildseite der Postkarten schreiben durfte, weil die Vorderseite Anschrift und Postvermerken vorbehalten war, präsentierten sich so der Ochsen und Höfen.Foto: Digitalarchiv Schabert
Vor 1905, als man nur auf die Rückseite genannte Bildseite der Postkarten schreiben durfte, weil die Vorderseite Anschrift und Postvermerken vorbehalten war, präsentierten sich so der Ochsen und Höfen.Foto: Digitalarchiv Schabert

Gestartet wird am besten am Rathaus, das 1830 Jonathan Knapp erbauen ließ. 1849 kam das Anwesen in den Besitz des Schultheißen Eduard Leo, der es 1880 an die Gemeinde verkaufte. Seither dient es der Gemeindeverwaltung. Von 1898 bis 1974 war im hinteren Teil das „Kinderschüle“ untergebracht. Ein Blick sollte auf der anderen Enzseite dem Bahnhof gelten, der heute privat genutzt wird. Er wurde mit einem Zuschuss der Gemeinde, die Wert auf gefällige Gestaltung legte, 1868 erbaut.

Nach einem Blick auf die „Villa Lerch“, das Domizil einer Fabrikantenwitwe, und auf das Wohnhaus des Ahnherrn Abraham Krauth von der gleichnamigen Flößer- und Holzhändlerdynastie geht es vorbei am 1751 von Johannes Bodamer errichteten Ochsen. Der Bauherr, der für das heutige Hotel und Restaurant den Grundstein legte, war ebenfalls Holzhändler und Anwalt des Weilers Höfen. Höfen wurde erst 1799 selbstständige Gemeinde. Vorher war der 1376 erstmals genannte Ort nämlich noch Teil Calmbachs, wo auch der Schultheiß saß. Außen wie innen ein Juwel des Jugendstils ist die Villa Comerell, die in den Jahren 1904 bis 1906 unter Regie des renommierten Stuttgarter Architekten Johann Weirether entstand. Auf der rechten Seite der Enz dient das Wehr der 1970 abgebrannten Teilhabersägemühle aus dem Jahr 1808 heute einem kleinen Wasserkraftwerk.

Auf dem Rückweg sind die neue Gemeindehalle und deren Vorgängerin aus dem Jahr 1932 nicht zu übersehen. Oberhalb der Bundesstraße steht ein weiteres Bauwerk von architektonischem Rang: die durch den damaligen Ulmer Münsterbaumeister August von Beyer zwischen 1892 und 1894 errichtete evangelische Kirche. Im evangelischen Pfarrhaus daneben mag der berühmte Hermann Hesse gelegentlich vorbeigeschaut haben: Die von 1919 bis 1930 hier lebende Pfarrfrau Adele Gundert war nämlich seine Schwester. Die schöne Hofanlage Haus Lustnauer gegenüber baute 1781 der Teilhaber der Holländer Holzhandelscompagnie Christoph Friedrich Bodamer, der später der erste Schultheiß der selbstständigen Kommune Höfen wurde. Unweit vom Alten Rathaus, das bis 1907 auch Schulhaus war, entstand 1952 aus dem Schuppen einer Schreinerei die katholische Kirche. Abgelöst wurde das Alte vom für seine Zeit modernen Neuen Schulhaus. Von dort oder der benachbarten Friedenslinde, die seit Ende des Kriegs 1870/71 zum Frieden mahnt, gleitet der Blick weit über das Dorf und entschädigt für den kurzen, aber steilen Aufstieg.