Karlsbad -  02.11.2021
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Gemeindebücherei Karlsbad: Alte Gedichte in aktuellem Kontext

Karlsbad. Zum ersten Mal nach der Pandemie fand eine öffentliche Veranstaltung in der Gemeindebücherei statt. Unter der Leitung von Norbert Frensch wurde eine szenische Lesung zu Friedrich Hölderlin veranstaltet. Die Werke und Sprache Hölderlins können auf den ersten Blick überfordernd und entmutigend auf den Leser wirken. Durch die Auswahl von Texten und deren Darbietung gaben Norbert Frensch und Sigrun Maurer Zutritt zu Hölderlins Welt.

Norbert Frensch und Sigrun Maurer verschafften den Zuhörerinnen und Zuhörern Zutritt zu Hölderlins Welt.  Foto: Ingeborg Trautwein/Gemeinde Karlsbad
Norbert Frensch und Sigrun Maurer verschafften den Zuhörerinnen und Zuhörern Zutritt zu Hölderlins Welt. Foto: Ingeborg Trautwein/Gemeinde Karlsbad

Hölderlins Wunsch nach einer vollkommenen Verbindung mit der Natur zog sich leitmotivisch durch die Lesung. Sie blieb für den Dichter später die einzige Hoffnung in seinem Leben, das er als gescheitert ansah. Er konnte seinen Lebensunterhalt als Dichter nicht bestreiten, seine Arbeit als Hauslehrer empfand er aber als unerträgliches Joch. Auch seine Liebe zu Susette Gontard konnte nicht verwirklicht werden.

Ausschnitte aus Hölderlins Hyperion und seinen Briefen verdeutlichten seine Naturbegeisterung und die daraus resultierende Lebensfreude, zeigten aber auch die Kämpfe, die er mit sich und seinem Dasein austrug.

Durch prägnante Textstellen und Beiträge anderer Dichter und Philosophen, die Sigrun Maurer und Norbert Frensch abwechselnd eindrücklich vortrugen, wurde Friedrich Hölderlin in einen Kontext mit seinen Zeitgenossen, aber auch mit heutigen Denkern und aktuellen Themen gestellt und seine Relevanz, gerade in heutiger Zeit, bekräftigt. Große Dichter prägen die Sprache und wie wir die Welt sehen. Hölderlins Einfluss manifestiert sich beispielsweise in den Gedichten Johannes Bobrowskis und Heinz Czechowskis über den Dichter. Sigrun Maurer schloss die Lesung mit Hölderlins persönlichstem und eindringlichstem Gedicht „Hälfte des Lebens“ ab. In dessen verdichteter Sprache Hölderlins verschmelzen weltliche und seelische Erfahrungen in Naturmetaphern. Ausgewählte Musikstücke, die die Lesung ergänzte Werke von und über Hölderlin sind in der Gemeindebücherei ausleihbar.

Autor: pm