Karlsbad -  30.07.2020
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Karlsbad verliert Kampf um A8-Lärmschutz: Mutschelbach kann nicht mehr auf Nachbesserungen hoffen

Karlsbad. Nach fünfjährigem intensivem Kampf der Gemeinde Karlsbad, zusammen mit der Bürgerinitiative für einen gerechten Autobahnneubau Mutschelbach (BiAM), muss man jetzt eine herbe Niederlage hinnehmen. Laut den jüngsten Gesprächen mit dem Regierungspräsidium und den vorliegenden Stellungnahmen, sieht man keine Chance mehr, dass der Bund als Straßenbaulastträger für die Autobahnen die geforderte Nachrüstung einer Lärmschutzwand auf der Ostseite der rund 180 Meter langen Bocksbachtalbrücke realisiert, wie Bürgermeister Jens Timm in der jüngsten Gemeinderatssitzung berichtete.

Der Verkehr nimmt zu auf der A 8 bei Karlsbad. Problembereich in Sachen Lärmschutz ist die rund 180 Meter lange Bocksbachtalbrücke in der Senke von Mutschelbach – hier auf einem Foto vom Montag. Die geforderte Schallschutzwand auf der Ostseite ist nach den Lärmmessungen allerdings nicht zu erwarten. Foto: Weber
Der Verkehr nimmt zu auf der A 8 bei Karlsbad. Problembereich in Sachen Lärmschutz ist die rund 180 Meter lange Bocksbachtalbrücke in der Senke von Mutschelbach – hier auf einem Foto vom Montag. Die geforderte Schallschutzwand auf der Ostseite ist nach den Lärmmessungen allerdings nicht zu erwarten. Foto: Weber

Die Kosten wurden bisher mit rund 700.000 Euro beziffert. Abgelehnt wird auch eine Verlängerung der Erdwälle zur Brücke hin, bedauert Timm. Nach einem einstimmigen Ratsbeschluss, setzt man jetzt auf eine Minimallösung mit dem Antrag an das Regierungspräsidium auf eine Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 80 in diesem Bereich und den vorgezogenen Einbau von Flüsterasphalt. Üblicherweise werden die Fahrbahndecken auf den Autobahnen erst nach zehn bis fünfzehn Jahren erneuert.

Schon vor der offiziellen Übergabe der sechsspurigen A8 im Juni 2015, wurde in Teilen von Mutschelbach über eine deutliche Verschlechterung der Lärmsituation geklagt. Seit dieser Zeit dreht sich im Zusammenhang mit den von Gemeinde und BiAM geforderten Nachrüstungen bei Schutzmaßnahmen das Behördenkarussell auf Landes- wie auch auf Bundesebene. Alle Eingaben brachten ebenso wenig Erfolg wie die zahlreichen Besuche von Abgeordneten aller Parteien vor Ort. Als letzten Schritt beauftragte die Gemeinde mit finanzieller Unterstützung der Bürgerinitiative vor zwei Jahren ein Fachinstitut mit Lärmmessungen mittels „Monotoring-Verfahren“ an mehreren Stellen im Ort. Fakt ist allerdings laut dem Regierungspräsidium, dass nach den Ergebnissen dieser Lärmpegelmessungen die Forderung einer Lärmschutzwand auf der Bocksbachtalbrücke gemäß den gelten Rahmenrichtlinien nicht gestützt wird, wie Bauamtsleiter Ronald Knackfuß berichtete. Der beauftragte Rechtsbeistand der Gemeinde bestätige dies leider. Und das, obwohl der tägliche Verkehr auf der Trasse mit bis zu 123.000 Fahrzeugen (die Prognose lag bei 93.000) deutlich zugenommen hat. Dabei liegt der Anteil des Schwerlastverkehrs übrigens bei über 50 Prozent.

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Mutschelbachs Ortsvorsteher Michael Wenz sprach von einer unsäglichen Situation. Die jetzt beantragten Minimalmaßnahmen müssten wenigsten durch Bepflanzungen entlang der Trasse ergänzt werden, fordert Wenz ebenso wie Uwe Rohrer von den Grünen. Aktuell sieht die CDU laut Roland Rädle das Thema ausgereizt. Jetzt verbleibe nur die Chance der rein politischen Nadelstiche bei jeder Gelegenheit. „Die Abgeordneten von Land und Bund dürfen nicht nur Verständnis zeigen, sondern müssen konkret den Hebel ansetzen“, so FWV-Chef Jürgen Herrmann wie auch Reinhard Haas, SPD. „Es geht um Dauerlärm bei steigendem Verkehrsaufkommen. Die Politik muss in die Pflicht genommen werden“; Björn Kornmüller (FDP).

Autor: Gustl Weber