Karlsbad -  12.11.2021
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Seit 60 Jahren kräftig in Schwung: Herrmann Ultraschall feiert Firmenjubiläum

Woran erkennt man die „Herrmannianer“ im beschaulichen Ittersbach? An der roten Farbe – Sneaker, Maske und Krawatte sind passend abgestimmt. Corporate Identity eben. Das stiftet nicht nur Zusammenhalt, wie am Donnerstagabend auf dem Herrmann Ultraschallcampus erkennbar ist. Es zeigt den Firmenanspruch, immer auf der Höhe der Zeit zu sein – und das seit mittlerweile 60 Jahren.

Die Familie hält zusammen (von links): Astrid Herrmann, Thomas Herrmann, Ingeborg Herrmann, Walter Herrmann, Sabine Herrmann-Brauss und Martin Speck. Foto: Moritz
Die Familie hält zusammen (von links): Astrid Herrmann, Thomas Herrmann, Ingeborg Herrmann, Walter Herrmann, Sabine Herrmann-Brauss und Martin Speck. Foto: Moritz

Zum Firmenjubiläum sind nicht nur Familie, Freunde, Mitarbeiter, sondern auch das Who’s Who der hiesigen Unternehmerschaft geladen. Denn etwas vom Erfolgsrezept zu erfahren, lockt an – und Firmengründer Walter Herrmann hat einige Geschichten parat. Der Pionier der industriell umgesetzten Ultraschall-Technik hatte den Zuschauern fest versprochen, keine Jagdgeschichten zu erzählen. Einen Vergleich zu ziehen, lässt er sich dennoch nicht nehmen: Das Unternehmen sei eher ein Igel als ein Fuchs, denn Letzterer sei zwar ein schlaues Tier, er schnuppere in vieles Hinnein, aber er mache nichts zu Hundert Prozent richtig. Der Igel wisse dagegen eine große Sache zu schätzen und die mache er von ganzem Herzen richtig.

Auch Walter Herrmann hat in den 50er-Jahren in Pforzheim den richtigen Riecher bewiesen – und sich festgebissen. Die damalige aufstrebende Schmuck- und Uhrenmetropole bevorzugte Ultraschall-Reinigungsanlagen, die allerdings einige Macken hatten. Als Tüftler hatte Herrmann schon früh das Potenzial erkannt – und notgedrungen sich selbstständig gemacht, um die störungsanfälligen Röhrengeräte zu ersetzen. 1962 brachte der heute 87-Jährige den leistungsstärksten Ultraschal-Maschinen-Generator auf den Markt. Ab da wuchs der Ein-Mann-Betrieb zu einem soliden Mittelständler heran. 1973 folgte der Umzug nach Karlsbad, um dort den nächsten Meilenstein zu setzen: die Präsentation des ersten Hochleistungstransistor-Generators für Ultraschall-Schweißsysteme. Denn im Zeitalter des Kunststoffs wird diese Technologie immer wichtiger – „Die Konkurrenz hat erst gelächelt, aber das Lachen ist ihnen schnell vergangenen“, sagt Walter Herrmann an diesem Abend. Seine Arbeit als Unternehmer mit Pionier- und Erfindergeist wurde 2018 mit dem Gründerpreis des Sparkassenverbands Baden-Württemberg in der Kategorie „Lebenswerk“ geehrt.

Viele Anwendungsgebiete

Denn ob Windeln, Verpackungen, Bauteile für die Elektronikindustrie, Haushaltsgeräte oder Spielzeug – kaum ein Kunstoffprodukt, das nicht mit Ultraschall bearbeitet oder zusammengefügt werden kann. Auch bei der Maskenherstellung und im Automobilbereich kommt das Ultraschallschweißen zum Einsatz – etwa bei Lithium-Ionen-Batterien für die E-Mobilität. Der Vorteil liege laut Sohn Thomas Herrmann ganz klar auf der Hand: „Der Fügeprozess ist enorm nachhaltig, weil wir überhaupt keine Verbrauchsmittel brauchen. Und es genügt ganz wenig Energie.“

Wie das Schicksal es wollte, erhielt Thomas Herrmann pünktlich zum Firmenjubiläum die Auszeichnung „Entrepreneur of The Year 2021“ im Bereich Innovation von der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Der Maschinenbauer, der 1990 in die USA ging, um dort mit der Tochtergesellschaft Herrmann Ultrasonics den nordamerikanischen Markt zu erobern, folgte in die Fußstapfen seines Vaters – mit dem Weitblick für die Globalisierung, wie Walter Herrmann lobend über seinen Sohn berichtet. Mit ihm habe sich die globale Mitarbeiterzahl und der Umsatz vervierfacht – 26 Standorte in 20 Ländern zählt der Technologieführer.

All das wusste die Jury zu schätzen, vor allem aber das Leitmotiv des Unternehmens: „Bonding – more than materials“. Dabei geht es nicht nur um die Verbindungen von Materialien, sondern auch um die Verbindungen zwischen Mitarbeitern und Kunden, hieß es in der Laudation, die als Video an diesem Abend eingespielt wird. Gerührt bedankt sich Thomas Herrmann. Der Preis, den er aus Berlin nach Karlsbad mitgebracht hat, gehöre den weltweit 600 Kolleginnen und Kollegen. „Es ist in keiner Weise meine Auszeichnung. Es geht an das gesamte Unternehmen. Es ist unser Award.“ Der Pioniergeist, er lebt noch weiter – auch jenseits der Firmenzentrale.

Autor: kal