Oberderdingen
Oberderdingen -  03.05.2021
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Ein Haus mit Geschichte: Anwesen in Oberderdingen gilt als Symbol des Neubeginns nach dem Krieg

Das Weiß’sche Haus in Oberderdingen, in dem 1945 Lokalgeschichte geschrieben wurde und das als Symbol für den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Neubeginn nach dem Untergang der Nazi-Diktatur gelten könnte, steht zum Verkauf. Der „Umsturz“, wie die Leute seinerzeit die Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus nannten, hatte auch in Oberderdingen (damals noch Derdingen) für viele Menschen existenziell-katastrophale, für andere vergleichsweise moderate Folgen.

Das Weiß’sche Haus 1934, noch bevor der Garten angelegt wurde. Im Vordergrund der kleine Wolfgang Weiß. Foto: Privat/Familie Weiß
Das Weiß’sche Haus 1934, noch bevor der Garten angelegt wurde. Im Vordergrund der kleine Wolfgang Weiß. Foto: Privat/Familie Weiß

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, am 5. April 1945, „eroberten“ französische Truppen – von Flehingen kommend – das 2000-Einwohner-Dorf. Eine versprengte Wehrmachtseinheit hatte auf der Sternenfelser Straße bei der Gastwirtschaft „Zur Rose“ einen französischen Panzer abgeschossen. Vielleicht dadurch aufgebracht, plünderten und vergewaltigten einige der mit weißen Leintüchern empfangenen französischen Soldaten, wurden aber mehrfach von einem aus deutscher Gefangenschaft befreiten Franzosen zurückgehalten, der zuvor einer landwirtschaftlich tätigen Derdinger Familie als Arbeiter zugeteilt worden war. Die nach kurzem Aufenthalt weiter in Richtung Sternenfels vorrückenden französischen Truppen stammten mehrheitlich aus den afrikanischen Besitzungen Frankreichs, hatten turbanartige Kopfbedeckungen und wurden wegen ihrer Hautfarbe von deutschen Kindern „Maggi-Soldaten“ genannt. Lediglich die Offiziere waren Europäer.

Einer dieser Offiziere, der für wenige Wochen als Vertreter der Besatzungsmacht in Derdingen das Kommando innehatte, nahm samt eigenem Koch Quartier im Praxis-Wohnhaus des im Ort hochangesehenen Zahnarztes August Weiß (1900–1973), der noch kurz vor Kriegsende zur Wehrmacht eingezogen worden war und erst Ende 1947 aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, um in Derdingen wieder seinen Beruf auszuüben.

Mehr über das Weiß‘sche Haus in Oberderdingen lesen Sie am Dienstag, 4. Mai, in der „Pforzheimer Zeitung - Ausgabe Mühlacker“ oder im E-Paper auf PZ-news.

Autor: Eckehard Uhlig