Oberderdingen
Oberderdingen -  15.10.2021
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Vom bandscheibengerechten Bürostuhl bis hin zur Topfpflanzen-Bewässerung: Blanc-Stiftung zeigt viel kreatives Potenzial

Oberderdingen. Sie gehört zu den Perlen in der mittelständischen Wirtschaft unseres Landes, ein „global player“ aus dem ländlichen Raum. Gerade hat die Blanco, Hersteller edler Küchenspülen in Oberderdingen, für 2020 wieder eine höchst erfolgreiche Bilanz vorgelegt. Anlass genug für den Vorstand der Heinrich-Blanc-Stiftung, um vor „erlesenen Gästen, einem tollen Plenum“ mit gesundem Selbstbewusstsein die 14. Preisverleihung vorzunehmen. Frank Straub – mit seinem Vetter Manuel Blanc der Stiftungsvorstand – erinnerte mit dankbaren Worten an den Gründer Heinrich Blanc: „Ein Vollblut-Unternehmer, dessen DNA heute noch wirkt.“

Im Kreis der jungen Erfinder freuen sich die Stiftungs-Vorstände Manuel Blanc (rechts) und Frank Straub (5. von rechts) mit Blanc&Fischer-CEO Johannes Haupt (2. von rechts). Fünfter von links der Pforzheimer Alex Wirner, dessen „Wellchair“-Philosophie die Jury begeisterte. Foto: Volker Henkel/Fotomoment
Im Kreis der jungen Erfinder freuen sich die Stiftungs-Vorstände Manuel Blanc (rechts) und Frank Straub (5. von rechts) mit Blanc&Fischer-CEO Johannes Haupt (2. von rechts). Fünfter von links der Pforzheimer Alex Wirner, dessen „Wellchair“-Philosophie die Jury begeisterte. Foto: Volker Henkel/Fotomoment

Traditionell zu Beginn des Wintersemesters kürt die Heinrich-Blanc-Stiftung die Gewinner des Förderpreises für herausragende Abschlussarbeiten. Sie sollen sich in Würdigung des Namensgebers durch innovative Herangehensweise und ökonomische Relevanz auszeichnen. Wie bei Alex Wirner. Der Student der Hochschule Pforzheim – Fachrichtung Maschinenbau und Produktentwicklung – hatte die Jury mit seinem „Wellchair“ überzeugt und mit seinem ebenso verblüffenden wie fundierten Referat auch das Stiftungs-Publikum begeistert. Wirners These: „Langes Sitzen ist nicht für Menschen unserer Generation gedacht; die Bandscheibe wird nicht mehr gesund ernährt!“ Mit seinem „Wellchair“ – hergestellt im 3D-Druck! – präsentierte der Pforzheimer Student ein für einen Bürostuhl konzipiertes System zur Körperhaltungsanalyse. Diesen nachhaltigen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge in unserer Gesellschaft honorierten auch die Gäste mit großem Beifall. Wirner aber darf sich über ein Preisgeld von 5000 Euro freuen.

Inflation? Ball flach halten

„Die neue Angst vor der Inflation: Schreckgespenst oder statistischer Sondereffekt?“ Dieser Frage ging vor dem interessierten Blanco-Publikum Professor Dirk Wentzel nach. Ein komplexes Thema, wie der Professor für VWL und Europäische Wirtschaftsbeziehungen an der Hochschule Pforzheim als Key-note-Sprecher deutlich machte. Mit einer Rate von aktuell 4,1 Prozent – „der höchsten seit 28 Jahren“ – sei das Gespenst der Inflation zurück und in Verbindung mit der Nullzinsphase „ein böser Cocktail“. Ohnehin sieht Wentzel für die nächsten vier bis fünf Jahre keine Zinsumkehr. Eine für Kleinsparer sorgenvolle Situation! Sie müssen erkennen, wie die Rohstoffpreise, aber auch die tiefgehende Störung in den Lieferketten zu teils massiven Teuerungen führen. Und im Einzelhandel erwarte man Lieferengpässe im Weihnachtsgeschäft.

Wentzels Fazit: „Der Zusammenhang zwischen Geldmengen und Preisen ist gestört.“ In den letzten 800 Jahren seien alle Zusammenbrüche des Geldes durch zerrüttete Staatsfinanzen entstanden; nun gelte es, die Staatsverschuldung in Grenzen zu halten. Dennoch zeigt sich Professor Wentzel in seiner brillanten Analyse eines komplexen Themas zuversichtlich: „Eine unmittelbare Inflationsgefahr sehe ich nicht.“

Studentische Tüftler sind vielseitig unterwegs

Da die Heinrich-Blanc-Stiftung im Vorjahr keine Preisträger auszeichnen konnte, gab es in diesem Jahr doppelten Grund, denn mit den Gewinnern des Wettbewerbs 2021 hatten auch die Preisträger des Vorjahres ihren großen Auftritt. Insgesamt erlebten die Gäste dieser Förderpreisverleihung im Hause Blanco die Begegnung mit kreativen jungen Menschen, die als Mut- und Muntermacher der besonderen Art das Publikum begeisterten.

Der mit 2500 Euro dotierte zweite Preis im Wettbewerb des Vorjahres ging an Marcel Kehler, Absolvent der Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Karlsruhe. Das von ihm erarbeitete Finanzierungsmodell ist ein innovatives und hochflexibles Instrument, mit dem Finanzdienstleister kleine und mittelständische Unternehmen in der Umsetzung der Industrie 4.0 optimale begleiten können.

Mit einem richtungsweisenden Beitrag zum Erhalt bedrohter Vogelarten überzeugten die Hauptpreisträger des Wettbewerbs 2021. Raphael Huss und Thomas Bartmann – beide Absolventen der Fakultät Maschinenbau und Mechatronik an der Hochschule Karlsruhe – entwickelten ein integriertes Sensorsystem für künstliche Vogeleier, mit dem wertvolle Daten für eine erfolgreiche Brut in menschlicher Obhut gewonnen werden. Einen Geldpreis von jeweils 2500 Euro erhielten auch die Vize-Preisträger. Jakob Immanuel Müller, Absolvent der Hochschule Karlsruhe Technik und Wirtschaft, erhielt die Auszeichnung für seine Arbeit zum Thema „Entdecken und Validieren von Geschäftsmodellen in kooperativen Projekten zwischen Start-ups und dem deutschen Mittelstand“. Dominik Lange und Benjamin Schäufele von der DHBW Karlsruhe punkteten mit der ersten interdisziplinären Studienarbeit und entwickelten gemeinsam ein vollautomatisches Bewässerungssystem für Topfpflanzen.

Autor: amk