"Charlottenhöhe 2.0"? Zwei Denkmale in Schömberg suchen einen Käufer
Schömberg. Seit Jahren findet sich trotz Preisnachlass kein Käufer für eine Villa in Schömberg. Nun wird das alte Pfarrhaus in Langenbrand verkauft. Wiederholt sich dort die Geschichte?
Mit ihren Loggien, der gelben Schindelfassade, dem spitz zulaufenden Dach und dem grünen Garten drumherum ist sie ein echtes Schmuckstück. Doch die Villa in der Liebenzeller Straße am Ortsausgang Schömberg Richtung Schwarzenberg und Oberlengenhardt steht trotzdem seit mehr als einem Jahrzehnt leer – obwohl sie seit 2022 auf dem Markt ist. Selbst acht Prozent Rabatt auf den Kaufpreis konnten potenzielle Käufer in den vergangenen Monaten offenbar nicht aus der Reserve locken. Noch immer wird die Immobilie auf einschlägigen Portalen angeboten. Im Internet wird es bald eine weitere Annonce mit einem denkmalgeschützten Anwesen in Schömberg geben. Droht dem alten Pfarrhaus in Langenbrand derselbe Dornröschenschlaf wie der Villa bei der Celenus Klinik?
Tino Bayer sieht das nicht so und setzt offenbar große Hoffnung in den Verkauf. Das Land wolle die Immobilie mitsamt Grundstück noch in diesem Quartal anbieten und verzichte dabei auf das Erbbaurecht, verkündete der MUZ-Gemeinderat in der vergangenen Sitzung des Schömberger Gremiums.
Das sei angesichts mangelnden Wohnraums und der aktuellen Finanzlage der öffentlichen Hand eine gute Nachricht. Im vergangenen Sommer hatte er den Verfall des Gebäudes aus dem Jahr 1914 immer wieder kritisiert. Seit dem Auszug der letzten Flüchtlinge im Jahr zuvor werde das alte Pfarrhaus dem Verfall überlassen. Bayer sprach gar von einem Schandfleck und warnte vor einer „Charlottenhöhe 2.0“. Ein paar Tage später waren die Hecken geschnitten, das Gras gemäht und das Unkraut weg. Das Land – in Gestalt des Amts für Vermögen und Bau in Pforzheim – teilte mit, die Immobilie zu verkaufen.
Ganz so euphorisch wie Bayer sind jedoch längst nicht alle – um es vorsichtig auszudrücken. Langenbrands Ortsvorsteher Reiner Keppler zum Beispiel: „Wir wissen nicht, wer der Käufer ist und was er damit vor hat. Das Einzige, was feststeht, ist, dass viel saniert werden muss. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.“ Es sei fahrlässig davon auszugehen, dass in der ehemaligen Flüchtlingsunterkunft nach dem Verkauf Wohnraum entstehe. Bayer sprach daraufhin von einem Wunschgedanken. Bürgermeister Matthias Leyn beendete die Diskussion mit dem Satz: „Wir sollten aufhören, die Situation madig zu reden.“
Jetzt muss das fast 500 Quadratmeter große Gebäude mit Erkern und Schindelfassade auf fast 1200 Quadratmeter großen Grund erst einmal verkauft werden. „Eine öffentliche Ausschreibung befindet sich aktuell in Bearbeitung und soll voraussichtlich noch im ersten Quartal dieses Jahres erfolgen“, antwortet Christian Lindinger, Leiter des Amts für Vermögen und Bau in Pforzheim, dass das alte Pfarrhaus für Stuttgart verwaltet. Bis Ende März soll also eine Annonce „auf den einschlägigen Immobilienportalen“ veröffentlicht werden.
Der Preis müsse erst noch ermittelt werden, so Lindinger. Auch weitere Details würden dann mit der Anzeige veröffentlicht. Das Haus stuft das Amt für Vermögen und Bau jedenfalls als sanierungsbedürftig ein. Der Zustand im Inneren sei dem Alter entsprechend, aber in Ordnung, sagte Gemeinderat Tino Bayer vergangenen Sommer. Er selbst ist Immobilienverwalter und ging als Flüchtlingshelfer oft ein und aus, als dort noch Hilfesuchende untergebracht waren.
Und was ist mit der Villa des Verwaltungsdirektors der ehemaligen sogenannten Nervenheilanstalt Fritz Keser in Schömberg? Die steht seit 2022 zum Verkauf. Im vergangenen Jahr ist die Künne Immobilien Gruppe aus Leipzig, die die Villa 2019 für rund 200.000 Euro in Köln ersteigert hat, mit dem Preis von 365.000 auf 335.000 Euro runtergegangen. „Damit sich schneller ein Käufer findet, der das Gebäude rettet“, sagte eine Projektentwicklerin von Künne vor knapp einem Jahr. Angebissen hat offenbar noch niemand. Zumindest sind die Anzeigen auf „Immoscout“ und „Immowelt“ noch zu finden – mit demselben Preis. In Leipzig ist niemand zu erreichen. Wer bereit ist zu zahlen, müsste sicher noch weiter tief in die Tasche greifen. Das zeigen auch die Fotos der Anzeige. „Die Villa sieht außen besser aus als innen“, so die Projektentwicklerin weiter. „Innen ist es nostalgisch“, beschreibt sie den Zustand.
Wie viel Geld ein potenzieller Käufer noch einmal in das ortsprägende Gebäude in der Liebenzeller Straße stecken muss, kann sie nicht sagen. Sie spricht aber von einer Komplettsanierung, die quasi jedes Gewerk betrifft. „Das Dach ist aber intakt.“
Hinzu kommt: Wohnen ist dort laut Bebauungsplan gar nicht erlaubt – nur ein Sanatorium und Angestellte dürfen dort momentan untergebracht werden. Das wollte Künne schon länger ändern, hat es offenbar aber bisher nicht getan. Ob und wann die beiden denkmalgeschützten Häuser aus dem Dornröschenschlaf geholt werden, bleibt also erst einmal weiter offen.
