Schömberg
Schömberg -  30.01.2021
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Flying Fox und Flyline in Schömberg: So viele Bäume müssten für Attraktionen gefällt werden

Schömberg. Für den Bau der Stahlseilrutsche Flying Fox und der schienengeführten Seilbahn Flyline müssten zwischen dem neuen Aussichtsturm und dem Kurpark in Schömberg einige Bäume weichen. Sollte der Investor eine Baugenehmigung bekommen, würden Fichten und Tannen an mehreren Stellen für immer weichen. Dafür hat der Gemeinderat schon vor knapp einem Jahr grünes Licht gegeben und hat nun weiteren Fällungen zugestimmt. Die davon betroffenen Bäume dürften nach dem Aufbau oder dem späteren Abbau der Anlagen aber wieder nachwachsen. Das letzte Wort hat nun das Regierungspräsidium Freiburg.

Im Gebiet zwischen dem neuen Aussichtsturm „Himmelsglück“ (links oben) und dem Kurpark in Schömberg (rechts unten) sollen der Flying Fox und die Flyline entstehen. Archivfoto: Meyer
Im Gebiet zwischen dem neuen Aussichtsturm „Himmelsglück“ (links oben) und dem Kurpark in Schömberg (rechts unten) sollen der Flying Fox und die Flyline entstehen. Archivfoto: Meyer

Wie viele Bäume müssten für den Flying Fox und die Flyline gefällt werden?

Eine konkrete Zahl kann man pauschal nicht nennen – eine ungefähre Quadratmeterzahl aber schon. Für die Stahlseilrutsche und die schienengeführte Seilbahn sollen direkt am Aussichtsturm sowie gegenüber der Feuerwehr in Schömberg Lager- und Servicegebäude entstehen. Die Pläne der Investoren sehen auch einen 37 Meter hohen Stahlturm, eine weitere 18 Meter hohe Konstruktion mit Abspannungen und ein Zielgebäude für die Flyline vor. Oberhalb des Kurparks soll weiter ein 18 Meter hoher Zielturm für den Flying Fox entstehen. Diese Bauten haben insgesamt eine Fläche von mindestens rund 750 Quadratmetern. Bäume, die darauf stehen, werden gefällt und dort kann folglich auch nichts mehr nachwachsen.

Müssten für die Realisierung der beiden Attraktionen alle Bäume dauerhaft weichen?

Nein. Für den Bau des Stahlturms und der 18 Meter hohen Konstruktion sehen die Pläne der Investoren zwar zusätzlich Rodungen auf direkt angrenzenden Flächen vor. Etwa um Platz für einen Kran und Container zu schaffen, wie Schömbergs Ortsbaumeister Martin Dittler erklärt. „Nach dem Aufbau darf der Wald dort aber wieder wachsen.“ Es handelt sich um eine sogenannte temporär befristete Waldumwandlung, die der Gemeinderat nun ebenfalls genehmigt hat.

Der Flying Fox und die Flyline führen vom Aussichtsturm mitten durch den Wald in Richtung Kurpark. Sollen auch Bäume entlang der beiden Trassen weichen?

Das wird bestimmt der Fall sein. Zumal der Investor entlang der Trasse der Flyline eine befristete Waldumwandlung beantragt hat, die der Gemeinderat ebenfalls abgesegnet hat. Das bedeutet laut Dittler, dass dort theoretisch solange keine Bäume stehen und nachwachsen dürfen, bis die Flyline wieder stillgelegt wird. „Danach kann der Wald wieder wachsen“, so der Ortsbaumeister. „Dort muss aber nicht zwingend gerodet werden.“ Im Gegenteil: Das Führungsrohr der Flyline solle laut den Bauplänen der Investoren an umliegenden Bäumen festgemacht werden. Forstrechtlich sei aber eben trotzdem eine befristete Umwandlung nötig.

"Um es wirtschaftlich umzusetzen, geht es anders nicht."

Schömbergs Bürgermeiter Matthias Leyn

Sind die Rodungen nun schon beschlossene Sache?

Nein. Der Gemeinderat hat nun jeglicher Form der Waldumwandlung zwar zugestimmt. Die letzte Entscheidung obliegt aber der Höheren Forstbehörde des Regierungspräsidiums Freiburg, so Dittler.

Wie steht der Gemeinderat dazu?

In der jüngsten Sitzung kam ein einstimmiges Votum für die temporär befristete Waldumwandlung zustande. Nur Andreas Karcher von der MUZ-Fraktion enthielt sich. „Das ist ein deutlicher Eingriff. Muss das wirklich sein?“, fragte er in die Runde. Wenn es soweit komme, hätten spätere Besucher relativ viel Konstruktion und wenig Wald im Blick. Der Gemeinderat, der auch Förster ist, setzte sich dafür ein, die bestehende Optik für die ebenfalls geplante Augenblickrunde zu erhalten. „Um es wirtschaftlich umzusetzen, geht es anders nicht“, sagte Bürgermeiter Matthias Leyn. Der Investor habe ein ureigenes Interesse daran, dass die Optik stimmt, sagte Udo Bertsch (CDU). Gleichwohl könne man mit dem Investor sprechen, ob er den ein oder anderen Baum vielleicht doch stehenlassen kann. Das sprach ebenso Gerold Kraft (UWV) an. Die beiden Investoren, Michael und Jürgen Wernecke, schrieben der PZ vergangene Woche bezüglich der geplanten Rodungen: „Wir werden diese an einer anderen Stelle wieder nach Ökokonto- Verordnung ausgleichen.“