Schömberg
Schömberg -  20.02.2021
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Flyline und Flying Fox: Wie steht es um die neuen Attraktionen in Schömberg?

Schömberg. Die geplanten Attraktionen Flyline und Flying Fox lösen in Schömberg nicht nur Begeisterung aus. Bis gestern durften künftige Anwohner den Bauantrag des Investors unter die Lupe nehmen und Einwände äußern. Die PZ hat noch einmal mit Anrainern sowie einer Umwelt- und Naturschutzorganisation gesprochen und zeigt, wie es weiter gehen soll und könnte.

Auch im Waldstück zwischen Fußballplatz und Kurhaus soll für Flyline und Flying Fox gebaut werden. Foto: Meyer
Auch im Waldstück zwischen Fußballplatz und Kurhaus soll für Flyline und Flying Fox gebaut werden. Foto: Meyer

Bernd Kugele - Vorsitzender TSV Schömberg

Auswirkungen in vielerlei Hinsicht hätte der Bau der Attraktionen auch für den TSV Schömberg. Ein paar Meter vom Sportheim entfernt will der Investor ein großes Servicegebäude mit Kiosk bauen. Sollte es soweit kommen, wäre dem Fußballverein jede Möglichkeit auf Erweiterung genommen, sagt der Vorsitzende Bernd Kugele. In den vergangenen Jahren seien viele Mitglieder hinzugekommen. Um den Trainings- und Spielbetrieb aufrecht erhalten zu können, habe man daher langfristig vorgesehen, das Sportheim und den zweiten Sportplatz zu erweitern. Dort, wo das Servicegebäude mit Kiosk entstehen könnte, habe der Verein für die Zukunft eigentlich auch eigene Stellplätze angedacht, so Kugele. „Wir waren nicht über die Pläne des Investors informiert.“ Mit dem von der Gemeinde angedachten Parkplatz-Konzept für die Besucher des Aussichtsturms und Nutzer der Attraktionen sehen die Mitglieder Probleme auf sich zukommen. An Wochenenden sei der große Stellplatz bei der Feuerwache von Fußballern und deren Begleitern zugeparkt, so der TSV-Vorsitzende. Künftig wolle die Gemeinde dort Gebühren erheben. „Das stört uns gewaltig“, sagt Kugele, der sonst aber nichts gegen die geplanten Attraktionen einzuwenden hat.

Auch der TSV Schömberg durfte als Anrainer Einblick in den Bauantrag für Flyline und Flying Fox nehmen und hat das auch getan. Einen offiziellen Einwand habe man laut Kugele aber nicht abgegeben. „Wir befinden uns im Austausch mit dem Investor und versuchen, mit Gesprächen zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen.“

Christoph Eck – Vorsitzender THG und Inhaber Hotel Haus am Kurpark

Christoph Eck ist von den Plänen gleich doppelt betroffen: Sein Hotel mit dazugehörigem Café grenzt direkt an den Kurpark – und privater Anwohner ist er auch. Eck ist großer Befürworter der Attraktionen und ist als Vorsitzender des örtlichen Vereins Tourismus, Handel, Gewerbe (THG) maßgeblich an deren Umsetzung beteiligt. Eine der Befürchtungen der Gegner, dass am Zielturm des Flying Fox im Kurpark viel Lärm herrschen wird, teilt er nicht. „Ich denke nicht, dass es lauter wird, als es schon ist“, sagt er. Die Nutzer des Flying Fox würden bei ihrer Ankunft am Zielturm nicht groß schreien, weil sie sich eher auf die Landung konzentrieren müssten, meint Eck. „Zudem sollen dort nur alle fünf Minuten zwei Personen ankommen.“ Wenn auf dem nahegelegenen Spielplatz viel los ist, sei das auf jeden Fall lauter. Und auch das stört Eck nicht: „Es ist doch schön, wenn Kinder spielen und schreien.“

Konkurrenz durch das ebenfalls geplante Servicegebäude mit Kiosk und rund 100 Sitzplätzen befürchtet der Hotelier und Gastronom im Gegensatz zu manchem Projekt-Gegner ebenfalls nicht. „Das belebt das Geschäft. Jede Neuansiedlung ist wichtig“, sagt Eck. Das würden auch seine Kollegen in der Gemeinde so sehen.

In seinem Café K begrüße er immer mehr Gäste, wenn das Restaurant im Kurhaus geöffnet ist. „Und am Minigolf-Platz wird auch Eis verkauft. Das ist besser für uns.“ Ohnehin sei der Kiosk nicht als riesiger gastronomischer Betrieb, sondern eher als Wartebereich konzipiert, wo sich die Besucher auf den Flug mit der Flyline und den Flying Fox vorbereiten. Mit seiner Meinung ist Eck in seiner Nachbarschaft übrigens nicht allein, wie er sagt. „Je jünger die Leute sind, desto mehr freuen sie sich auf die Attraktionen.“

Patrick Maier – Geschäftsführer BUND Nordschwarzwald

Anwohner des Kurparks haben sich auch an die Umwelt- und Naturschutzorganisation BUND gewandt. „Das kommt häufiger vor“, sagt Regionalgeschäftsführer Patrick Maier. Der Sachverhalt werde dann immer genau überprüft. Den Schömberger Fall bezeichnet Maier als interessant: „Dort ist ein Eingriff in den Wald geplant, der nicht unbedingt sein muss.“ Der BUND sehe eine Umwandlung des Naturraums Wald hin in Richtung Freizeitpark sehr kritisch.

Lärm und Bewegungen hätten Störwirkungen auf Vögel und Fledermäuse in dem Gebiet, so Maier. Durch Rodungen könnte auch der verbleibende Wald Schaden nehmen. „Und was passiert, wenn das Konzept wirtschaftlich nicht funktioniert? Es gibt viele offene Fragen, die nicht geklärt sind und die uns große Sorgen machen“, sagt der Geschäftsführer.

„Möglicherweise ist auch alles gut.“ Überprüfen lasse sich das für den BUND jedoch nicht, da man keine Einsicht in den Bauantrag bekomme. Das steht nur den direkten Angrenzern zu. Die Investoren habe er dazu vor rund einer Woche angeschrieben, aber bisher keine Antwort erhalten. Maier fordert mehr Transparenz. Er möchte das Projekt nun weiter kritisch begleiten und mithilfe politischer Akteure vor Ort einen Dialog und Öffentlichkeit herstellen.

Landratsamt ist nun am Zug

Die Einwendungen der Angrenzer richten sich hauptsächlich gegen entstehenden Lärm, den Standort des Zielturms für den Flying Fox sowie die geplante Parkplatzsituation, teilt Schömbergs Bauamtsleiter Martin Dittler mit. Auch die Wertminderung der eigenen Immobilie oder die Gefährdung des Schömberger Prädikates Heilklimatischer Kurort seien vorgetragen worden. Die Einwendungen werden laut Dittler spätestens kommende Woche dem Landratsamt Calw übergeben. Die Behörde bearbeite und beantworte die Ausführungen der Angrenzer dann. Warum haben nur diese das Recht gehabt, sich zu den Plänen des Investors zu äußern? Bei solchen Baugenehmigungsverfahren muss die Gemeinde zwingend direkte Angrenzer beteiligen, heißt es aus dem Landratsamt. Eine Beteiligung der Öffentlichkeit sei nur bei sogenannten Störfallbetrieben gesetzlich vorgeschrieben.

Autor: kri