Schömberg
Schömberg -  27.09.2018
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Kur-Chefin Stefanie Dickgiesser kehrt Schömberg den Rücken

Schömberg/Bad Wildbad. Die Nachricht hat in Schömberg eingeschlagen wie eine Bombe: Kurgeschäftsführerin Stefanie Dickgiesser verlässt Schömberg nach nur eineinhalb Jahren – und wechselt in gleicher Funktion nach Bad Wildbad. Voraussichtlich schon im November wird die 34-Jährige ihre neue Stelle beim Nachbar-Bürgermeister Klaus Mack antreten.

Nach nur eineinhalb Jahren verlässt Kur-Chefin Stefanie Dickgiesser Schömberg. Foto: Ketterl/Archiv
Nach nur eineinhalb Jahren verlässt Kur-Chefin Stefanie Dickgiesser Schömberg. Foto: Ketterl/Archiv

„Das ist für mich eine riesige Chance, mich weiter zu entwickeln – und diese Chance habe ich genutzt“, so Dickgiesser zu ihrem Wechsel, der einen Schritt auf der Karriereleiter bedeutet. Sie betont, dass sie sich in Schömberg sehr wohl gefühlt habe. „Und ich hoffe, dass die gute Zusammenarbeit auch weiterhin bestehen bleibt.“

Dazu muss man in Schömberg wohl aber erst einmal den Schock verdauen, für den diese Personalie gesorgt hat. Und der zeigt sich vor allem in Schweigen – einem äußerst beredten Schweigen. Bürgermeister Matthias Leyn möchte das Thema „zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren“, wie er wissen lässt. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Joachim Zillinger äußert sich zur „Causa Mack – Dickgiesser“ ebenfalls mit keiner Silbe. Auf diese Linie habe er sich mit seinen beiden Kollegen von der UWV und der SPD geeinigt, lässt er wissen. Auch Christoph Eck, der Vorsitzende des Vereins „Tourismus, Handel, Gewerbe“ (THG) winkt ab: Kein Kommentar.

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Diese Haltung zeigt, dass wohl niemand mit einer möglichen Kündigung der Touristik-Chefin gerechnet hat und nun vor allem Sprachlosigkeit herrscht. Schließlich stehen in Schömberg mit dem geplanten Holzturm samt Fly Line in Oberlengenhardt und der Stahlseilrutsche übers Schömberger Eulenbachtal zwei große Projekte an, die den Tourismus nach vorne bringen sollen. Und die man jetzt zunächst ohne Tourismus-Chef anpacken muss. Außerdem dürfte für Verstimmung sorgen, dass es Dickgiesser ausgerechnet nach Bad Wildbad zieht. Schließlich sieht man die Gemeinde als Konkurrenten im Kampf um Touristen – und Dickgiesser bringt das ganze Insider-Wissen aus Schömberg mit nach Wildbad. So ist es kein Zufall, dass sie im PZ-Gespräch betont, sie sei nicht abgeworben worden, sondern habe sich aus freien Stücken beworben. „Ich habe die Chance jetzt genutzt, weil sie jetzt da war“, betont sie. Sie wolle gerne im Nordschwarzwald bleiben, wo sie sich zahlreiche Kontakte aufgebaut habe – und da gebe es nun mal nicht so viele Möglichkeiten. Außerdem weist sie darauf hin, dass man sich immer auf ihre 1000-prozentige Loyalität verlassen könne.

In Bad Wildbad geht der Geschäftsführer der Touristik GmbH, Stephan Köhl, nach Österreich. Dickgiesser bewarb sich um seine Nachfolge und setzte sich gegen 22 weitere Kandidaten durch. Eine Vorentscheidung fiel bereits am 13. September, als der Aufsichtsrat der Touristik GmbH tagte und sich für die 34-Jährige aussprach, die in Bad Liebenzell wohnt. In seiner Sitzung am Dienstagabend folgte der Wildbader Gemeinderat dann dieser Empfehlung und wählte in nichtöffentlicher Sitzung Dickgiesser zur neuen Touristik-Chefin.

Bürgermeister Klaus Mack freut sich darüber, wie er gestern in einer Pressemitteilung betonte. Man habe eine touristische Fachfrau gewonnen, die sich in der Region bereits einen Namen gemacht habe. „Dass Schömberg nicht begeistert ist, kann ich verstehen“, so Mack im Gespräch mit der PZ. Es sei jedoch verständlich, dass sich junge Leute weiterentwickeln wollten. Außerdem sei es doch positiv, dass Dickgiesser der Region erhalten bleibe.

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Autor: Sabine Mayer-Reichard und Nicole Biesinger