Schömberg
Schömberg -  02.10.2021
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Schömberg nimmt Hochwasserrisiko unter die Lupe: Doppelte Pläne durch Regionalverband?

Schömberg. Man mag es kaum glauben, aber auch im Höhenort Schömberg haben Hagel- und sintflutartige Regenfälle schon schwere Schäden angerichtet. Am 19. Juli 1999 bahnten sich die Wassermassen ihren Weg von der Ludwig-Uhland-Schule über die Hugo-Römpler-Straße und die Mühle hinab bis nach Unterreichenbach. Auf mindestens 50 Millionen Mark veranschlagte der damalige Bürgermeister Gerhard Vogel die Schäden.

Nach einem Starkregen an Fronleichnam hatte die Feuerwehr in Oberlengenhardt alle Hände voll zu tun. Auch Keller und Garagen liefen voll. Archivfoto: Freiwillige Feuerwehr Schömberg
Nach einem Starkregen an Fronleichnam hatte die Feuerwehr in Oberlengenhardt alle Hände voll zu tun. Auch Keller und Garagen liefen voll. Archivfoto: Freiwillige Feuerwehr Schömberg

Da sich solche Ereignisse durch den Klimawandel weltweit häufen würden, hat die CDU-Fraktion im Schömberger Rat einen Antrag gestellt: Die Verwaltung soll untersuchen lassen, wo es in der Gemeinde bei Starkregenereignissen gefährlich werden und was man dagegen tun kann. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen – trotz langer Diskussion. Das Rathaus wird nun Pläne erarbeiten lassen und bald vorlegen.

„Wir halten das wegen der topographischen Lage für überzogen“, sagte Susanne Ring (MUZ) zum CDU-Antrag. Örtliche Feuerwehr und Bauhof sollten vorher einen Überblick zu gefährdeten Stellen geben. Ob ein externes Gutachten nötig ist, müsse geprüft werden.

Das führte auch die Unabhängige Wählervereinigung (UWV) an. „Die Feuerwehr und der Bauhof wissen über die Risikolage vor Ort bescheid“, sagte Jürgen Krauth-Kopp. Eine externe Untersuchung koste sehr viel Geld. Das solle lieber in ein Warnsystem investiert werden, das in dem CDU-Antrag auch angesprochen wurde.

Mit der Feuerwehr könne man gerne sprechen, antwortete Joachim Zillinger (CDU). „Die kann aber keine Infos zum Kanalsystem geben. Und darum geht’s uns.“ Ingenieurbüros könnten den Lauf von Wassermassen in der Gemeinde simulieren – für 5000 bis 10 000 Euro, so Zillinger weiter. Wenn das für alle Ortsteile geschehen soll, müsse man eher von 60 000 bis 70 000 Euro ausgehen, sagte Bauamtsleiter Martin Dittler. Ring und Krauth-Kopp wollten daher, dass vorher die Kosten für eine externe Untersuchung auf den Tisch kommen.

„Wir müssen das zügig im Oktober, November auf den Weg bringen."

Joachim Zillinger (CDU).

Die Verwaltung wird nun auch einen Budgetplan vorlegen. Kämmerer Ralf Busse schlug vor, schon 80 000 Euro im Haushalt 2022 einzustellen – mit Aussicht auf einen Zuschuss von 70 Prozent. „Dann werden wir mit zwei bis drei Angeboten auf den Gemeinderat zukommen“, so Busse.

CDU will keine Zeit verlieren

Zillinger möchte keine Zeit verlieren und die nun beantragten Pläne und Analysen bis zum nächsten Frühjahr vorliegen haben. „Wir müssen das zügig im Oktober, November auf den Weg bringen“, sagt der CDU-Gemeinderat an diesem Freitag. Experten hätten die Lage der neuen Kita Eulenbächle in puncto Starkregenrisiko schon angemahnt. Das geplante Baugebiet Hausäcker werde weiter Fläche versiegeln. Der Ortskern wäre daher noch stärker von Hochwasser bedroht. In der Mitte des Hauptorts will die CDU vor allem untersuchen lassen: Für Oberlengenhardt, wo es im Sommer schon zu Überflutungen kam, gebe es Ideen, so Zillinger. „In Langenbrand ist die Hochwasserproblematik geringer. In Schwarzenberg gibt es einen Bachlauf, aber der ist nicht bebaut.“ Und Bieselsberg? Dort kann sich der Schömberger keine zerstörerischen Überschwemmungen vorstellen.

Werden Schömberger Pläne torpediert?

Auch der Regionalverband (RV) hat sich diese Woche mit Starkregenkarten beschäftigt. Diese könnten für alle 70 Kommunen auf das Haus genau erstellt werden. Direktor Matthias Proske wird mit interessierten Gemeinden Vereinbarungen treffen. Was bedeutet das für den CDU-Antrag? „Wir sind offen für eine Zusammenarbeit, wenn die Verwaltung das empfiehlt“, so Joachim Zillinger. „Wir können aber nicht lange warten, der Klimawandel hat längst begonnen.“ Er befürchtet, dass die RV-Karten auf sich warten lassen und die Gemeinden in den Tälern zuerst berücksichtig werden.