Selfies, Slogans, Storys: So kämpfen die Schömberger Bürgermeisterkandidaten auf Social Media
Schömberg. Ohne Social Media geht heute nichts mehr – auch kein Bürgermeisterwahlkampf. Das wissen auch die drei Schömberger Kandidaten, die auf Instagram, Facebook und teils mit eigenen Homepages versuchen, die Bürgerinnen und Bürger von sich zu überzeugen. Die PZ hat sich die Profile angeschaut. Wie präsent sind die Kandidaten online, welche Inhalte posten sie – und wie reagieren die Nutzer darauf?
Michael Hopf: Auf Instagram hat er 287 Follower und liegt damit auf Platz zwei. Dafür hat er mit 468 Profilen am meisten abonniert. Hopf betreibt seit Anfang Januar auf Instagram und Facebook (316 Freunde) Wahlkampf, hat also einen gewissen Vorsprung vor den anderen beiden Bewerbern. Kein Wunder also, dass er mit 18 Beiträgen auf Instagram an der Spitze liegt. Dort postet der 44-Jährige Fotos von sich leger beim Einwurf seiner Bewerbung, im Anzug beim professionellen Fotoshooting auf dem Aussichtsturm. Oder er ist mit Bürgerinnen und Bürgern im Wanderoutfit und mit Wanderrucksack bei einem seiner Ortsspaziergänge zu sehen. Diese hat er in allen fünf Ortsteilen angeboten und die Termine dafür auch prominent bei Social Media beworben. „Es hat mal wieder gezeigt, wie wertvoll persönliche Gespräche sind“, schreibt er unter dem Beitrag zum Rundgang in Langenbrand. Auch die Termine für seine fünf Gesprächsabende platziert er auf Instagram und Facebook. Zwischendrin allgemeine Wahlkampfslogans wie „Gemeinsam für Schömberg“ und Politik beginnt beim Zuhören“. Und ein Video, in dem er sich kurz nüchtern vorstellt. Ein anderes, auf dem er seine Ziele offenbar von einem Blatt hinter der Kamera abliest, ist inzwischen wieder gelöscht worden. Likes erhält er für seine Beiträge zwischen einer Handvoll und maximal 30. Hopf nutzt die lokalen Schömberger Facebook-Gruppen am stärksten, um seine Reichweite zu erhöhen. Sich, seine Ziele und Termine stellt er auch auf seiner Homepage vor (michael-hopf.de), die bei der Google-Suche jedoch schwer zu finden ist. Dazu verteilt der Schömberger Hochglanzflyer und hat Plakate aufgehängt.
Steffen Hoffmann: Der 33-Jährige führt bei den Instagram-Followern (317), folgt selbst 437 anderen Usern auf der Plattform. Acht eigene Beiträge hat er bis jetzt veröffentlicht. Meist sind es private Fotos: Eines zeigt ihn mit seiner Frau bei der Hochzeit, ein nächstes das Paar mit dem einjährigen Sohn am Strand. „Meine Frau und unser kleiner Stöpsel sind mein Rückhalt – jeden Tag“, schreibt er dazu. Weitere Posts zeigen ihn beim Ski- und Motorradfahren („Mein Ausgleich“). Auf einem Bild ist er als Model neben einer der Bertsch-Töchter zu sehen: „Das Modehaus Bertsch ist ein Stück Schömberg. Mir ist wichtig, dass unser Einzelhandel vor Ort stark bleibt.“ Auch Hoffmann hat die Selfiekamera aktiviert und stellt sich in einem Video kurz vor. „Ich freue mich auf regen Austausch hier online oder auch vor Ort“, sagt er in die Kamera. Momentan arbeitet er in Mexiko. Ende Februar und Anfang März möchte er Infostände am Edeka-Markt in Schömberg anbieten. Die beiden Termine bewirbt er in einem Post. Für alle erhält er deutlich mehr Likes als beispielsweise Hopf: teils bis zu 60 Followern gefällt, was der Familienvater auf Instagram veröffentlicht. Auch Hoffmann hat zumindest seine Kandidatur aktiv in einer Schömberger Facebook-Gruppe beworben.
Matthias Stepan: Der 43-Jährige hat bislang am wenigsten Follower und Freunde auf Instagram (163) und auf Facebook (42) gesammelt. Er hat ja aber auch erst Ende Januar als letzter Kandidat seinen Hut in den Ring geworfen. Zehn Beiträge finden sich auf seinem Instagram-Profil. Doch nicht alle haben direkt mit Schömberg zu tun. Er teilt auch zwei Erlebnisse in seiner Funktion als Ortsvorsteher von Maisenbach-Zainen oder von einem Treffen der Wissenschaftscommunity aus dem Großraum Stuttgart. Stepan wirbt als Bewerber für seine Homepage oder sein Format „Raum für Ideen“. Dabei sollen Bürgerinnen und Bürger bei sechs Veranstaltungen – in allen Teilorten und zweimal in Schömberg – diskutieren und mit dem Bad Liebenzeller ins Gespräch kommen. An diesem Donnerstagabend war der Auftakt im „La Fortuna“ im Kurhaus. 35 Teilnehmer seien dabei gewesen, postet der zweifache Familienvater kurz danach in seiner Insta-Story – ohne seine Gäste, dafür mit Flipcharts. Er habe inspirierende Gespräche geführt und viele Ideen und Anregungen mitgenommen. Beim Rathaussturm am selben Tag war der Kandidat offenbar ebenfalls. Auch das ist in seiner Story zu sehen. In Schömberg und den Teilorten war er auch schon auf Tour, wie seine Highlights auf Instagram zeigen – allerdings offenbar allein und nicht wie Hopf mit Bürgerinnen und Bürgern. Zwischen zehn und 20 User liken seine Posts meistens. Auch Stepan hat für seinen Wahlkampf eine eigene Homepage erstellt, um die Schömbergerinnen und Schömberger von sich zu überzeugen (stepan-schoemberg.de). Leider ist auch die über Suchmaschinen nur schwer auffindbar.
Ein Kommentar von PZ-Redakteur Dennis Krivec
Die drei Kandidaten ringen auch im digitalen Raum um Aufmerksamkeit. Sehr gut! Heute wollen die Bürgerinnen und Bürger auch dort erreicht werden, wo sie viel Zeit verbringen – am Smartphone. Doch Hopf, Hoffmann und Stepan werben nur auf Instagram und Facebook für sich. Auf TikTok sehen die User nichts von ihren Ideen und Vorstellungen von Schömberg. Nichts davon, wie sie ticken. Doch genau dort tingeln sich vor allem junge mögliche Wählerinnen und Wähler. Warum diese in Wahlkämpfen immer wieder links liegen gelassen werden, ist unverständlich. Erstens gibt es auch in der Gruppe der Jungwähler großes Stimmenpotenzial. Zweitens – und viel wichtiger – sollten sie so früh wie möglich in den politischen Prozess miteingebunden werden. Auch so wird unsere Demokratie auf Dauer wehrhaft bleiben.
