17 Millionen Euro Verlust: Wurde in den Enzkreis-Kliniken zu viel Personal eingestellt?
Neuenbürg. Die Hiobsbotschaft macht Anfang Dezember die Runde: Die RKH Krankenhäuser im Enzkreis sind plötzlich extrem tief in der Verlustzone gerutscht, eine politische Diskussion um ihre Zukunft folgt. Die Trägergesellschaft RKH Gesundheit erwartet für das 80-Betten-Krankenhaus in Neuenbürg 2026 rund elf Millionen Euro Verlust.
17 Millionen Euro sind es für die Enzkreis-Kliniken insgesamt, zu denen auch das Krankenhaus Mühlacker zählt. Dort würden allerdings stetige Patientenzuwächse verzeichnet, hieß es damals, also im Gegensatz zum Haus in Neuenbürg. Die Zahlen seien auch auf immer schlechter ausgelastete Betten zurückzuführen, so der damalige Wissensstand.
Bei der Ursachenforschung sind nun aber neue Erkenntnisse zutage gefördert worden: Antworten der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Erik Schweickert nach Soll- und Ist-Zahlen der beiden Krankenhäuser im Enzkreis zeichnen ein etwas anderes Bild.
So sei die Zahl der stationären Fälle in beiden Krankenhäusern von 2015 bis 2025 annähernd stabil geblieben und habe sich auch im finanziell verlustreichen vergangenen Jahr im Rahmen der Planzahlen bewegt, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung des FDP-Landtagsabgeordneten Erik Schweickert, des Neuenbürger Bürgermeisters Fabian Bader und Günter Bächle, CDU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag. Die Zahl der durchschnittlich belegten Betten liege ebenfalls im langjährigen Durchschnitt. Bemerkenswert sei vor diesem Hintergrund allerdings der Personalzuwachs, denn trotz gleichbleibender stationärer und sinkender ambulanter Fallzahlen „stieg die Mitarbeiterzahl in Neuenbürg von 2015 bis 2025 um 31 Prozent von 163 auf 214 Personen“, Zwischenzeitlich seien 2023 sogar 232 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt gewesen.
Auch in Mühlacker sei der Personalbestand gewachsen, dort allerdings nur um 16 Prozent auf 532 Personen. Dass in Neuenbürg in jüngster Vergangenheit also weniger Fälle mit dafür stark gestiegenem Personaleinsatz abgearbeitet werden, sehen die Kreisräte von FDP, Freien Wählern und CDU als eine Ursache für die stark steigenden Defizite. Von „erstaunlichen Zahlen“ ist in der Mitteilung daher die Rede. Das sei zwar keine alleinige Erklärung, aber „da kommen schnell sechs- bis siebenstellige Beträge zusammen, wenn der Anstieg der Mitarbeiterzahl wieder etwas zurückgefahren wird“, so deren einhellige Meinung.
„Gegenüber dem Kreistag des Enzkreises wurden noch Anfang Dezember auch anhaltende Terminabsagen als ein Grund für das drastisch steigende Defizit des Neuenbürger Krankenhauses genannt“, heißt es in der Mitteilung der drei Kreisräte ebenfalls.
Terminabsagen beziehungsweise OP-Verschiebungen würden in einem Krankenhausbetrieb vereinzelt auftreten, erklären die RKH-Kliniken nun gegenüber dem Gesundheitsministerium auf die Kleine Anfrage Schweickerts hin. Freie Kapazitäten würden durch „Umplanung beziehungsweise Ersatzbelegung bestmöglich genutzt, um Kapazitätsverluste zu minimieren“.
Geringere Auslastung könne es bei saisonalen Schwankungen oder kurzfristigen Nachfrageänderungen geben. Konkrete Ausführungen zu ökonomischen Folgen fehlten jedoch, stellen Schweickert, Bader und Bächle fest.
„Hat man das in der Anfrage bewusst nicht erwähnt, oder wurde das uns Kreisräten im Dezember nur als Ausrede präsentiert, um das horrende Defizit eher zu schlucken?“, fragen sich die Politiker nun.
Fakt sei zumindest, dass die Zahl der ambulant behandelten Fälle am Neuenbürger Krankenhaus, anders als in Mühlacker, in den letzten zehn Jahren deutlich zurückgegangen sei und sich von 2015 bis 2024 von über 16.000 auf unter 8.000 mehr als halbiert habe, während in Mühlacker eine Steigerung um rund 4.500 auf 18.548 Fälle erfolgt sei. Als Grund dafür hätten die RKH-Kliniken jedoch unter anderem die Einführung der Medizinischen Versorgungszentren genannt.
Deutlich mache das Land, dass man dem Enzkreis als Träger keine Vorgaben zur Krankenhausstruktur machen werde. Ziel des Landes sei, „mit den Beteiligten vor Ort Lösungsansätze zu finden“. Regionale Versorgungsstrukturen müssten „weiterentwickelt und sinnvoll optimiert werden.“
Auf diesem Pfad sehen sich auch Schweickert, Bader und Bächle.
„Wir sehen uns darin bestärkt, die Struktur des Krankenhauses in den Blick zu nehmen und zu optimieren.“
