22-Jähriger in Hohenklingen festgenommen: Er soll einen „Krieg des Terrors“ geplant haben
Ein Zugriff der Generalbundesanwaltschaft rückt den Knittlinger Ortsteil Hohenklingen in den Fokus bundesweiter Ermittlungen. Ein 22 Jahre alter Rumäne soll von Deutschland aus versucht haben, eine rechtsextremistische Terrorgruppe für einen „Krieg des Terrors“ in Rumänien aufzubauen.
Als die meisten Menschen in Hohenklingen noch schlafen, schlagen Ermittler der Generalbundesanwaltschaft am frühen Dienstagmorgen in dem Knittlinger Ortsteil zu. Wenig später ist ein 22 Jahre alter rumänischer Staatsangehöriger festgenommen. Deutschlands oberste Strafverfolgungsbehörde wirft ihm vor, von Deutschland aus versucht zu haben, eine rechtsextremistische terroristische Vereinigung aufzubauen, die in Rumänien einen „Krieg des Terrors“ entfachen und zum Untergang des rumänischen Staates sowie zur Errichtung eines neuen Staatsgebildes nach nationalsozialistischem Vorbild beitragen sollte.
Offiziell nennt die Generalbundesanwaltschaft lediglich den Enzkreis als Festnahmeort. Nach Recherchen der PZ erfolgte der Zugriff in Hohenklingen. Knittlingens Bürgermeister Alexander Kozel bestätigte auf Anfrage, dass sich der Polizeieinsatz in dem gemeinsam mit Freudenstein rund 1800 Einwohner zählenden Ortsteil ereignete. In welcher Straße der Zugriff stattfand, sei der Stadt jedoch nicht bekannt.
„Dass es dort einen Einsatz gegeben hat, machte schnell im Dorf die Runde“, sagte Kozel. Mehr wisse er aber derzeit auch nicht. „Das ist schon extrem“, sagte der Bürgermeister zu dem Vorfall. Die Fauststadt gilt ansonsten als eine der sichersten Kommunen im Enzkreis. Das zeigte zuletzt auch die aktuelle Kriminalstatistik. Mit der Festnahme reiht sich der Fall jedoch in eine Serie aufsehenerregender Straftaten und Polizeieinsätze der vergangenen Jahre ein. Dazu zählen die Geldautomatensprengung im vergangenen Jahr und der bewaffnete Tankstellenüberfall 2024. „Darauf wurde ich auch schon angesprochen“, sagte der Rathauschef.
Anleitungen für Gift und Sprengstoffe
Als die PZ am Dienstagnachmittag in Hohenklingen recherchierte, war von dem Großeinsatz kaum noch etwas zu erkennen. Die Straßen wirkten nahezu menschenleer, Spaziergänger oder Anwohner waren kaum anzutreffen. Mehrere Bewohner gaben an, von der Festnahme nichts mitbekommen zu haben. Nach Angaben eines Bürgers stand gegen 7.30 Uhr noch ein größerer Polizeimannschaftswagen in der Panoramastraße. Schon am Morgen hatte sich der Polizeieinsatz im Ort schnell herumgesprochen.
Nach Angaben der Generalbundesanwaltschaft handelt es sich bei dem Festgenommenen um den rumänischen Staatsangehörigen Nichita P. Der 22-Jährige soll sich seit Anfang 2023 um die Gründung einer rechtsextremistischen Gruppierung bemüht haben. Ziel der Vereinigung sei gewesen, in Rumänien einen „Krieg des Terrors“ zu entfachen und zum Untergang des rumänischen Staates sowie zur Errichtung eines neuen Staatsgebildes nach nationalsozialistischem Vorbild beizutragen.
Um Mitglieder zu gewinnen, soll der Beschuldigte von Deutschland aus über einen Messenger-Dienst zwei Kanäle betrieben haben, die sich insbesondere an junge Rumänen richteten. Dort habe er Abonnenten und Mitglieder unter anderem dazu aufgefordert, Graffitis mit rechtsextremistischen Symbolen anzubringen, junge Mädchen zur Selbstverletzung zu verleiten, Brandanschläge auf von Migranten oder Angehörigen der LGBTQ-Community genutzte Gebäude zu verüben sowie „Untermenschen“ zu töten. Außerdem soll er Anleitungen zur Herstellung von Gift und Sprengstoffen sowie zum Bau von Molotow-Cocktails und Autobomben veröffentlicht haben.
Im Zusammenhang mit der Festnahme fanden nach Angaben der Generalbundesanwaltschaft auch Durchsuchungen statt. Zu möglichen Sicherstellungen wollte sich die Behörde mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern. An dem Einsatz waren Polizeikräfte aus Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg beteiligt. Das Polizeipräsidium Pforzheim bestätigte der PZ, dass auch eine Streifenbesatzung die Maßnahmen unterstützte.
Die Generalbundesanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, als Rädelsführer versucht zu haben, eine ausländische terroristische Vereinigung zu gründen. Zudem soll er eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet haben. Im mutmaßlichen Tatzeitraum soll der heute 22-Jährige teilweise noch Heranwachsender gewesen sein – also zwischen 18 und 20 Jahre alt.
Der Mann wurde nach Angaben der Generalbundesanwaltschaft allein festgenommen. Die Ermittlungen dauern an. Der 22-Jährige sollte noch am Dienstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, der über den Vollzug der Untersuchungshaft entscheidet.
