40 Kilometer schnurgerade durch den Enzkreis
Der Pforzheimer Krimiautor Philipp Wiessner will an einem einzigen Tag vom Eyachtal bei Neuenbürg bis nach Sternenfels laufen – und das auf möglichst direktem Weg. Seine „Direct Line Challenge" führt ihn quer durch den Kreis, mehrfach mitten durch die Enz und bei Temperaturen jenseits der 30 Grad.
Wenn am Mittwoch die Sonne über dem Eyachtal aufgeht, ist Philipp Wiessner schon unterwegs. Am südwestlichen Rand des Enzkreises, bei Neuenbürg, setzt der Pforzheimer den ersten Schritt einer Strecke, die er sich selbst auferlegt hat: einmal quer durch den Landkreis bis nach Sternenfels, ans andere Ende. Luftlinie sind das ziemlich genau 40 Kilometer – und genau darum geht es. Nicht der bequemste, sondern der geradeste Weg zählt.
Vielen dürfte sein Name ohnehin bekannt vorkommen – allerdings aus dem Bücherregal. Wiessner hat sich als Autor der „Goldstadtkrimi"-Reihe einen Namen gemacht und schickt darin seine Figuren durch ebenjene Region, die er nun zu Fuß in einer geraden Linie durchmisst. Was er sonst auf dem Papier tut, macht er an diesem Mittwoch also mit den eigenen Beinen: den Schauplatz vermessen.
„Direct Line Challenge" nennt Wiessner sein Vorhaben, und der Name ist Programm. Die Idee: eine gedachte Linie zwischen Start und Ziel ziehen und ihr so treu wie möglich folgen, komme, was wolle. Ausnahmen macht er nur dort, wo es nicht anders geht – bei Privatgrundstücken, Bahnstrecken und Autobahnen. Alles andere nimmt er, wie es kommt. Auch die Enz. Mindestens dreimal wird er den Fluss durchqueren müssen, nicht über eine Brücke, sondern mittendurch.
Bewältigen möchte er die Distanz an einem einzigen Tag – ob das gelingt, hängt allerdings nicht nur von seinen Beinen ab. Tagsüber klettert das Thermometer auf über 30 Grad, und über dem Schwarzwaldrand können jederzeit spontane Regenfälle oder ein Gewitter niedergehen. Beides kann eine geradlinige Route durch Wald, Feld und Flussbett schnell in eine Geduldsprobe verwandeln.
Entsprechend hat sich Wiessner ausgerüstet. Powerbanks für die lange Handynutzung, Mückenschutz für die feuchten Passagen entlang der Enz und einen Rucksack, den er selbst nur halb im Scherz als „überschwer" bezeichnet – dazu all das, was man auf 40 Kilometern durch unwegsames Gelände sonst noch so braucht. Wer geradeaus geht statt auf dem Wanderweg, muss für einiges gewappnet sein.
Mitnehmen lassen kann man ihn trotzdem: Immer wieder zwischendrin will Wiessner sein Vorhaben auf Instagram livestreamen und die Zuschauerinnen und Zuschauer mit hinein ins Eyachtal, durch die Enz und Richtung Sternenfels nehmen. So wird aus einem privaten Kraftakt ein kleines Live-Ereignis – mit offenem Ausgang. Denn ob am Ende des Tages tatsächlich Sternenfels erreicht ist oder das Wetter das letzte Wort behält, weiß am Mittwochmorgen im Eyachtal noch niemand. Auch Philipp Wiessner nicht.
