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Politik -  11.10.2019
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70.000 Kurden auf der Flucht: Hunderte protestieren in Pforzheim gegen Einmarsch der türkischen Armee in Nordsyrien

Pforzheim. Rund 400 Kurden und Sympathisanten, so schätzt es die Polizei, haben am frühen Freitagabend in der Pforzheimer Innenstadt gegen den Einmarsch der türkischen Armee auf Anordnung von Staatspräsident Erdogan demonstriert. Dieser will in Nordsyrien und Nord-Irak eine Pufferzone errichten. Seit Beginn der türkischen Offensive in Nordostsyrien sind nach Angaben humanitärer UN-Organisationen innerhalb von 48 Stunden mehr als 70.000 Menschen vertrieben worden.

Hunderte Kurden und Sympathisanten haben in der Pforzheimer Innenstadt gegen den Einmarsch der türkischen Armee auf Anordnung von Staatspräsident Erdogan demonstriert. Dieser will in Nordsyrien und Nord-Irak eine Pufferzone errichten - und das zwingt aktuell mehr als 70.000 Menschen zur Flucht.
Hunderte Kurden und Sympathisanten haben in der Pforzheimer Innenstadt gegen den Einmarsch der türkischen Armee auf Anordnung von Staatspräsident Erdogan demonstriert. Dieser will in Nordsyrien und Nord-Irak eine Pufferzone errichten - und das zwingt aktuell mehr als 70.000 Menschen zur Flucht. Foto: Wessinger

Die Kurden fühlen sich insbesondere von den USA verraten, denen sie mit einem hohen Blutzoll halfen, die Terror-Miliz IS zu besiegen. US-Präsident Donald Trump hatte den Rückzug von US-Truppen aus dem syrischen Grenzgebiet zur Türkei angeordnet und damit den türkischen Einmarsch ermöglicht. In einer Twitter-Botschaft hatte er eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der amerikanischen Verbündeten angedeutet: „Sie haben uns nicht im Zweiten Weltkrieg geholfen, sie haben uns nicht mit der Normandie geholfen.“  

Das UN-Menschenrechtsbüro berichtet über «verstörende Berichte» von Bodenangriffen türkischer Truppen oder von Gruppen, die dem türkischen Militär nahestünden. Es seien unter anderem die Wasserversorgung, Dämme, Kraftwerke und Ölfelder getroffen worden, sagte ein Sprecher. Aus Regionen in Nordostsyrien, die schon länger von türkischen Kräften oder mit ihnen verbündeten Gruppen kontrolliert werden, kämen Berichte über hohe Kriminalität und Gewalt. Menschen, denen Unterstützung für kurdische Gruppen vorgeworfen werde, würden misshandelt und entführt, Häuser würden geplündert. Das Schicksal vieler Zivilisten sei unbekannt. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz sprach von Tausenden Gefangenen im Nordosten Syriens.

Autor: bsch, dpa, tok