115 Einsätze im Enzkreis: Unwetter fordert Polizei und Feuerwehr in der Nacht
Schwere Gewitter ziehen übers Land, mit fünf Zentimeter großen Hagelkörnern und Starkregen. Bäume stürzen um, Dachziegel lösen sich. Das ruft die Einsatzkräfte auf den Plan.
Orkanböen, heftiger Starkregen und große Hagelkörner: Heftige Gewitter sind über Baden-Württemberg gezogen und haben Schäden verursacht. Auch in der PZ-Region ist das Unwetter spürbar und beschäftigt am Donnerstagabend zahlreiche Einsatzkräfte.
Unwetter in der PZ-Region
Ein Anruf bei der Integrierten Leitstelle Pforzheim (ILS) verrät: Die Einsatzkräfte der Feuerwehr haben alle Hände voll zu tun. Was genau, kann auf Nachfrage gegen 20.30 Uhr nicht beantwortet werden – der Notruf werde derzeit unablässig gewählt, heißt es vonseiten der ILS.
Auch die Polizei berichtet von "vielen Einsätzen in kurzer Zeit". Größere Einsätze könne man nicht verzeichnen, es gebe jedoch mehrere Bäume auf Fahrbahnen und vollgelaufene Keller. Glücklicherweise jedoch keine Personenschäden, so die Polizei gegen 20.30 Uhr. Viele Streifen seien aktuell noch vor Ort im Einsatz, genauere Details zu den Ereignissen könne man deshalb noch keine nennen.
Update: Die Feuerwehr berichtet von insgesamt 93 Einsätzen, die bis 21.30 Uhr eingegangen seien. Der Großteil davon betreffe den Bereich Mühlacker. Allein in Illingen habe es 35 Einsätze gegeben, in Lienzingen 32. Konkret gehe es bei den Einsätzen um abgedeckte Dächer, vollgelaufene Keller und umgestürzte Bäume. Ein Baum sei bei Ötisheim sogar auf die Gleise gekippt und in Brand geraten. Ein entgegenkommender Zug habe noch rechtzeitig abbremsen können, die Fahrgäste seien nicht zu Schaden gekommen.
Am Freitagmorgen spricht die Feuerwehr von insgesamt 115 Einsätzen im Enzkreis. 19 davon in Pforzheim. Am Morgen seien noch einige umgestürzte Bäume und vollgelaufene Keller hinzugekommen. Für die Einsätze seien mehrere Kräfte der Feuerwehr hinzugezogen worden, die zu diesem Zeitpunkt keinen Dienst hatten. Auch die Besetzung in der Leitstelle sei hochgefahren worden. "Aber es hat sich noch im Rahmen gehalten", fasst ein Mitarbeiter der ILS die Nacht zusammen. Nach 0.30 Uhr seien die meisten Einsätze erledigt gewesen.
Bereits am Donnerstagabend posten PZ-Leser in den Sozialen Medien Bilder und Videos des Unwetters. Deutlich ist der Himmel von riesigen Blitzen durchzogen.
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Happiness Festival
Auch das Happiness Festival in Straubenhardt-Schwann ist von dem Unwetter überschattet worden: Der Campingplatz musste geräumt werden. Besucher suchten Schutz in Autos und einer Notunterkunft, während die Veranstalter die Unwetterlage weiter beobachten.
Superzelle
Der Deutsche Wetterdienst spricht von einer sogenannten Superzelle, die sich am Nachmittag von Echterdingen bei Stuttgart bis nach Ulm geschoben habe. Die Superzelle hatte starke Windböen und bis zu fünf Zentimeter große Hagelsteine im Gepäck, wie ein Sprecher berichtete. Nutzer hätten von abgebrochenen Ästen und Schäden an Häusern berichtet. Auch an der Ostalb habe es gewittert, allerdings nicht so kräftig, so der DWD-Experte. Auch am Freitag müssten die Menschen im Land mit Unwetter rechnen.
Der DWD warnte am Abend in einer Mitteilung vor allem für den Regierungsbezirk Freiburg vor großer Gefahr durch Blitzschlag, umstürzende Bäume, Hochspannungsleitungen und Gerüste, vor raschen Überflutungen von Straßen, Unterführungen und Kellern sowie vor möglichen Erdrutschen.
Unwetter in Baden Württemberg
Die Feuerwehr in Ulm etwa berichtete von herabfallenden Ästen und Dachziegeln. Im Norden der Stadt sei ein Baum auf ein fahrendes Auto gekracht, die Insassen konnten sich demnach nicht mehr aus dem Fahrzeug befreien und setzten einen Notruf ab. Ein weiterer Baum sei auf eine Stromleitung gestürzt. Bäume und Äste seien abgebrochen, ebenso seien Dachziegel heruntergefallen. In der Gemeinde Neckartailfingen im Kreis Esslingen ist ein Carport im Unwetter zusammengebrochen und auf vier Fahrzeuge gestürzt.
