Abenteuer Extremwanderung: Zwei 16-Jährige laufen über 201 Kilometer in 83,5 Stunden
Wimsheim. Was bringt zwei 16 Jahre alte Gymnasiasten aus Wimsheim dazu, sich als Extremwanderer zu versuchen? Tim Müller und Bill Grundtner lächeln: Der Extremsportler Daniel „Dannyrun“ Hernes und seine Instagram-Beiträge haben sie inspiriert, wie sie erzählen.
Der 38-jährige Ultraläufer aus Offenburg veröffentlicht auf Instagram und hat inzwischen über 438.000 Follower. Seine Reels, also Filmchen und Redebeiträge, aufgenommen etwa bei der Umrundung der Zugspitze – feiern den Extremsport und die Überwindung, die es kostet, Höchstleistungen unter widrigen Bedingungen zu bringen. In diesem Fall waren es 107 Kilometer in 19 Stunden und 52 Minuten.
„Unsere größte Challenge“
Dieses Vorbild war zusammen „mit der Liebe zum Schwarzwald vor unserer Haustüre“ der Antrieb für die beiden besten Freunde: „Das war bisher unsere größte sportliche Challenge“, stellt Tim Müller zufrieden fest, und fährt fort: „Wir waren sehr fokussiert auf unser Ziel.“ An sportlichem Ehrgeiz mangelt es nicht: Tim hat bis vor zwei Jahren Basketball im Verein gespielt. Bill ist mit 1,93 Meter Größe Volleyballspieler in der U18 der „Baden Volleys“, wie sich der SSC Karlsruhe nennt. Gelegentlich komme er auch schon bei den Oberliga-Herren zum Einsatz, erzählt er. Ursprüngliches Ziel seien 300 Kilometer auf dem Westweg in sechs Tagen gewesen. Doch schraubten sie die Ansprüche etwas herunter, denn übertreiben wollten sie es nicht.
200 Kilometer unter 85 Stunden sollten es schließlich werden, auf die sich die beiden zu ihrer Wanderpremiere verständigten. Am Ende schafften sie etwas über 201 Kilometer in 83,5 Stunden – „also noch mit einem Puffer“, erzählt Tim Müller stolz. Zwischen 42 und 58 Kilometer waren die Etappen pro Tag, mit Übernachtungen dazwischen.
An Schwarzwaldsperre trainiert
Zusammen sind sie in die Grundschule gegangen, kennen sich aber schon aus Kindergartentagen. „Seit 13 Jahren schon“, erzählen sie. Dann trennten sich ihre Wege: Tim besucht nun aktuell das Rutesheimer Gymnasium, Bill das Pforzheimer Hebelgymnasium. Und doch sind sie beim Sport zuletzt ziemlich oft wieder zusammen unterwegs. Trainiert hätten sie unter anderem an der Schwarzwaldsperre. Als es ernst wurde – sieben und zehn Kilo wog jeweils ihr Gepäck – entpuppten sich die Wanderdaten 2. bis 5. Juni vom Mummelsee bis nach Basel auch als ein großes Abenteuer, fielen sie doch mit ziemlich wechselhaftem Wetter zusammen.
Tim sagt: „Einmal standen wir mitten auf dem Feldberg, hatten keinen Unterschlupf und waren ungeschützt, als der Blitz einschlug, nicht sehr weit von uns entfernt.“
Sie hätten daraufhin die Sekunden nach dem Donner gezählt und versucht, dem Gewitter so schnell wie möglich zu entkommen. „Wir hatten keine Angst, aber Respekt vor dem Unwetter“, erzählt Bill Grundtner. „Wir sind in knapp zwei Stunden runtergerannt, ergänzt Tim. Bill, und fügt hinzu: „Wir mussten einfach schnell runter vom Berg.“ Es sei immer schwerer geworden durch den Regen, den Weg zu erkennen, „weiter unten wurde es auch schlammig“.
Bill: „Es war, als würden wir durch einen Sumpf laufen. Hätte es danach noch einmal so stark geblitzt, hätten wir vielleicht schon an Abbruch gedacht.“
Aber auch so forderten ihnen die Wetterkapriolen so ziemlich alles ab: „Wir waren klatschnass, sind aber nicht ausgekühlt, weil wir immer in Bewegung geblieben sind“, beschreibt Tim die Folgen. Doch das war längst nicht alles: Am anderen Tag fing es „bei acht Grad am Titisee“ an zu regnen. Gefühlt waren es aber null bis drei Grad „und ich war sogar in kurzer Hose unterwegs.“ Raue Bedingungen schrecken sie also nicht: Tim will später gerne zur Bundeswehr, Bill könnte sich eine Laufbahn bei der Polizei vorstellen – beides verbunden möglichst mit einer Sportkarriere, „also beruflich abgesichert“.
Ob Ultralauf-Influencer oder Spitzenvolleyballer: Ganz festlegen wollen sich beide noch nicht, doch das Lebensgefühl, das ihnen die Welt ebenso wie der Schwarzwald vor der Haustüre offensteht, wird die jungen Männer hoffentlich noch eine Weile begleiten.
