Alte Krone in Schömberg: Was ist aus den Abrissplänen 2019 geworden?
Schömberg. Den Staub auf der Eingangstür des ehemaligen Hotels Krone in Schömberg hat schon lange niemand mehr weggeputzt. Die Schicht ist so dick, dass darin Liebesbotschaften klar und deutlich zu sehen sind, die irgendwer hinterlassen hat. So ist das auch auf den Rollläden der angrenzenden Fenster. Die sind alle heruntergelassen.
Nicht wegen der aktuellen Hitze. Wegen Vandalismus? Ein halb zerstörtes Fenster ist provisorisch mit Holzplatten verschlossen. Entlang der Fassade wächst Unkraut, Müll liegt herum. „Das sieht zu aus“, sagt eine Frau im Vorbeigehen. Gemeinderat Tino Bayer spricht vor Ort sogar von einem Schandfleck – wie auch in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats ein paar Tage zuvor. Dabei hätte das ortsprägende Gebäude eigentlich schon 2019 einer neuen modernen Immobilie weichen sollen. Damals wurde das groß und medienwirksam angekündigt. Was ist passiert? Und kommt nun tatsächlich Bewegung in die Sache?
Was Bürgermeister Matthias Stepan zum ehemaligen Hotel Krone erzählt, lässt zumindest hoffen. Er habe Kontakt mit dem Eigentümer aufgenommen, sagt er in der jüngsten Gemeinderatssitzung. „Meinem Empfinden nach war es ein gutes Gespräch.“ Ein weiteres solle im Juli, August stattfinden. „Dann gibt es hoffentlich weitere Schritte.“ Mehr wolle er nicht verraten. Das Thema treibe die Bürger um.
Die Verwaltung bleibt jedenfalls hartnäckig. Die PZ wollte unter anderem wissen, wem die Immobilie mittlerweile gehört, ob es neue Pläne für die Nutzung des Gebäudes oder Areals gibt und was sich die Gemeinde dort wünschen würde. „Zum aktuellen Zeitpunkt können wir die angefragten Inhalte nicht teilen“, teilt Rathaussprecherin Stefanie Stocker mit. Sobald die Abstimmung mit den beteiligten Akteuren weiter vorangeschritten sei, gebe es weitere Infos.
„Hotel Krone soll endgültig Geschichte sein“ und „Hotel Krone vor dem Abriss“ titelte die PZ im Oktober 2018. Damals hatten Ex-Bürgermeister Matthias Leyn und der Investor mitsamt Projektleiter und Architekt vor Ort eingeladen, um die Pläne vorzustellen. Das Gebäude von 1899 sollte für ein Mehrfamilienhaus mit 30 barrierefreien Wohnungen und Ladenzeile weichen. Der Investor wollte keine Zeit verlieren, der Spatenstich war für Herbst 2019 angepeilt.
Doch genau zu diesem Zeitpunkt hatte er sich aus dem Projekt zurückgezogen. Einzelne Gemeinderäte hätten mehrfach von ihrem Mitspracherecht Gebrauch gemacht und in die Pläne eingegriffen, berichtete er damals. „Die Wohnfläche hat sich so immer mehr reduziert, so dass das Projekt wirtschaftlich uninteressant geworden ist“, sagte der ehemalige Geldgeber noch. Wer für ihn als Investor nachgerückt ist, wollte er nicht verraten.
Auch heute winkt er entnervt ab, als die PZ ihn anschreibt und mit ihm über die Krone in Schömberg sprechen will. Der damalige Architekt antwortet nicht einmal auf eine Anfrage der Redaktion. Und vom früheren Projektleiter ist keine Kontaktadresse zu finden.
„Ich weiß auch nicht, wer der Besitzer ist“, sagt Tino Bayer diese Woche vor dem ehemaligen Hotel in der Liebenzeller Straße. Rund eine Woche vorher hatte er diesen in öffentlicher Gemeinderatssitzung noch in die Pflicht genommen. „Das Haus sieht fürchterlich aus. Es liegt Müll herum.“ Bayer sprach von einem Schandfleck.
„Das ist es ja auch“, wiederholt er vor Ort noch einmal. Er bezeichnet das Gebäude als „heruntergekommene Immobilie, die verfällt. Eine Sanierung schließe ich aus, das muss abgerissen werden“, so der ehemalige Immobilienverwalter, der seit ein paar Monaten im Ruhestand ist. Und er ist offensichtlich nicht der Einzige, den das umtreibt. „Ich werde täglich auf die Krone angesprochen, wie es weitergehen soll.“ Auch zum neuen Bürgermeister ist das Thema durchgedrungen.
Unkraut statt Terrasse
Dort, wo vor vielen Jahren einmal Gäste gegessen und getrunken haben, wächst nun Unkraut und Müll liegt herum. „Hier kommen auch viele Klinikgäste vorbei. Das gibt kein gutes Bild ab“, sagt Bayer. Der Eigentümer müsse wenigstens sauber machen und den Winterdienst befolgen. „Eigentum verpflichtet.“ Mit Asylbewerbern habe er schon öfter Unrat aufgesammelt. „So, wie es hier aussieht, müssen wir es wieder machen.“
Früher sei die Krone das erste Haus am Platz gewesen. „Die Küche war ausgezeichnet und ich habe auswärtigen Besuch dort immer einquartiert“, schwärmt der Schömberger. „Es ist schon schön gewesen damals. Schade, was daraus geworden ist.“
„Vielleicht hätte der Gemeinderat die Pläne 2018/2019 doch genehmigen sollen“, sagt Bayer heute. Auch, wenn das geplante Gebäude damals als „bullig“ empfunden worden sei. Er lobt Bürgermeister Stepan, dass er in der Sache aktiv geworden ist und Kontakt mit den Verantwortlichen aufgenommen hat. „Hoffentlich kommt jetzt Bewegung rein.“ Bayer selbst würde sich dort betreutes Wohnen und sozialen, bezahlbaren Wohnraum wünschen.
Ob aus den Gesprächen des Bürgermeisters tatsächlich konkrete Pläne entstehen, wird sich also in den kommenden Monaten zeigen.
