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Neuenbürg -  23.04.2026
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Amelie tanzt durch die Welt: Zwölfjährige aus Neuenbürg ist deutschlandweit erfolgreich

Wenn Amelie Enghofer durch die Gänge ihrer Schule läuft, bleibt sie selten einfach nur stehen. Dann wird auf dem Flur noch schnell eine Drehung eingebaut, im Sportunterricht ein Schritt aus der aktuellen Choreographie ausprobiert oder in der Pause kurz zur Musik im Kopf mitgetanzt. „Eigentlich tanze ich immer“, sagt die Zwölfjährige und lacht.

Stolz präsentiert Amelie ihre jüngste Errungenschaft, einen Pokal für den dritten Platz, der zudem ihre Fahrkarte für die Deutsche Meisterschaft ist. Am Samstag steht der nächste Contest in Karlsbad-Auerbach an.
Stolz präsentiert Amelie ihre jüngste Errungenschaft, einen Pokal für den dritten Platz, der zudem ihre Fahrkarte für die Deutsche Meisterschaft ist. Am Samstag steht der nächste Contest in Karlsbad-Auerbach an. Foto: Dast-Kunadt

Amelie lebt mit ihrer Familie in Neuenbürg, besucht die siebte Klasse eines Gymnasiums – und zählt die Tage bis zu diesem Samstag. Dann startet sie beim „Dance4Fans & Open Showcase Contest“ in der Talblickhalle in Karlsbad-Auerbach. Für die junge Tänzerin ist das der nächste Höhepunkt einer Entwicklung, die früh begann. Bereits mit drei Jahren stand sie erstmals im Mini-Ballett. Heute ist aus dem bewegungsfreudigen Kind eine ehrgeizige Wettkampftänzerin geworden.

Trainiert wird im Tanzwerk Karlsbad, das den Wettbewerb auch ausrichtet. Für Amelie ist die Tanzschule längst mehr als nur ein Trainingsort. „Es ist dieses Gewohnte, die Menschen, meine Freundinnen, mit denen ich trainiere“, sagt sie. Mehrmals in der Woche stehe sie dort im Studio: Montags trainiere sie zwei Stunden, mittwochs folge freies Training, dazu kämen weitere Einheiten und Technikarbeit. Viel Freizeit bleibe nicht.

„Man muss sich gut organisieren“,

sagt die Zwölfjährige fast selbstverständlich und zuckt mit den Schultern.

Nach der Schule wird gelernt, später geht es ins Training. Erst am Abend ist der Tag vorbei. Wenn andere entspannt auf dem Sofa sitzen oder mit Freunden am Computer spielen, hat Amelie oft schon Schule, Hausaufgaben und mehrere Stunden Sport hinter sich. Dass das funktioniert, liege auch an ihrer Disziplin – und daran, dass sie genau wisse, warum sie all das macht.

Bewegung, Musik, Konzentration – für Amelie gehört das zusammen. Tanzen ist für sie Ausgleich und Leidenschaft zugleich.

Auf der Bühne, erzählt Amelie, sei alles andere plötzlich weg:

„Wenn die Musik startet, blende ich alles aus.“

Dann nehme sie nur noch die Wertungsrichter und das Licht wahr. Dass hinter den glitzernden Auftritten harte Arbeit steckt, werde leicht übersehen. Bewertet werden Technik, Ausdruck, Bühnenpräsenz, Taktgefühl und das Gesamtbild. Zwei Minuten volle Intensität, kein zweiter Versuch, keine Pause. Fehler lassen sich nicht zurückholen. Wer stolpert, muss weitertanzen. Wer nervös ist, darf es sich nicht anmerken lassen. Amelie scheint genau das zu liegen. Und trotzdem: Lampenfieber kenne sie. „Die Aufregung kommt spätestens am Samstagmorgen“, sagt sie mit einem Grinsen. Sobald sie in die Halle komme, sei sie da – diese Mischung aus Nervosität, Vorfreude und Adrenalin.

Zuletzt gelang ihr im saarländischen Eppelborn ein besonderer Erfolg: Dort erreichte sie Platz drei in ihrer Kategorie – ihr bislang größter Wettkampfmoment. Als ihr Name bei der Siegerehrung fiel, habe sie gleichzeitig geweint und gelacht, erzählt Amelie. Mit dem Pokal in der Hand sei sie von allen Seiten umarmt und geherzt worden. Ein Augenblick, den sie so schnell nicht vergessen werde. Mit der Platzierung qualifizierte sie sich zugleich für die Deutsche Meisterschaft.

Im Tanzwerk Karlsbad freut man sich mit ihr. Konkurrenzdenken innerhalb des Teams spiele kaum eine Rolle, sagt Amelie. Man feuere sich gegenseitig an, tröste nach Enttäuschungen und freue sich über gute Ergebnisse der anderen. Auch das sei ein Grund, warum sie so gerne dorthin gehe.

Das große Ziel: Finale

In wenigen Tagen wird Amelie 13 Jahre alt. Noch aber richtet sich ihr Blick erst einmal auf Samstag und die Bühne in Karlsbad. Der Wettbewerb findet beinahe vor der eigenen Haustür statt. Ein kleiner Heimvorteil vielleicht – auch weil sie Halle und Umfeld kennt. Doch am Ende zählt nur der Moment, wenn die Musik einsetzt. Was sie sich wünscht? Wieder das Finale zu erreichen. Sicher ist im Tanzsport jedoch nichts. Nur das: Wenn Amelie die Bühne betritt, wird sie strahlen – und das tun, was sie am liebsten tut: Tanzen.