Gemeinden der Region
Wiernsheim -  02.01.2026
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Anwohner der „Kohlplatte“ in Serres schlagen Alarm: Angst vor Windkraft-Folgen wächst

Wiernsheim. Noch ist nicht im Detail klar, wo im Enzkreis neue Windräder entstehen sollen. Denn darüber, welche Vorranggebiete im Rahmen des Teilregionalplans Windenergie tatsächlich in Frage kommen, will der Regionalverband Nordschwarzwald erst in ein paar Wochen entscheiden. Doch je näher der Termin rückt, desto mehr Sorgen machen sich Anwohner, die vom Anlagenbau betroffen sind. Dazu zählt auch das Wohngebiet „Kohlplatte“ im Wiernsheimer Teilort Serres. Denn über Wege direkt neben der Wohnbebauung der „Kohlplatte III“ soll ein Gebiet mit zwei Windrädern durch die Stadtwerke Mühlacker und ihre Partner erschlossen werden.

Verunsichert sind Anwohner wie Hendric Reeb (links) und Benjamin Georgopoulos im Gebiet „Kohlplatte“. Die Familienväter zeigen, dass über diesen Weg die Windkraftflächen bei Serres erschlossen werden sollen. Auf der Skizze sind die zu erwartenden Windradpositionen und Abstände zu den Häusern zu sehen.
Verunsichert sind Anwohner wie Hendric Reeb (links) und Benjamin Georgopoulos im Gebiet „Kohlplatte“. Die Familienväter zeigen, dass über diesen Weg die Windkraftflächen bei Serres erschlossen werden sollen. Auf der Skizze sind die zu erwartenden Windradpositionen und Abstände zu den Häusern zu sehen. Foto: Peter Hepfer

„Uns ärgert besonders, dass wir immer nur indirekt solche Dinge erfahren. Wir werden bei den Planungen nicht mitgenommen, niemand informiert die Betroffenen. Man stellt uns einfach vor vollendete Tatsachen und wir haben kein Mitspracherecht“, schimpft Anwohnerin Lena Schäfer. „Das Schlimmste ist, wir Serremer Bürger sind den Mühlacker Planungen quasi ausgeliefert“, ergänzt sie. Das unterstreicht auch Benjamin Georgopoulos: „Wir alle sind keineswegs gegen Windkraft“, sagt er. „Der Punkt ist aber doch, dass wir hier in Serres massivster Belastung ausgesetzt sind. Und das kann meiner Meinung nach nicht angehen.“ Dabei führt der Anwohner ins Feld, wo wenige Hundert Meter entfernt schon seit geraumer Zeit der Photovoltaik-Park im Ortental betrieben wird und Hochspannungsleitungen unmittelbar am Wohngebiet vorbeiführen. „Wir tragen dadurch schon verstärkt zur Energiewende bei“, betont Georgopoulos.

Sein Nachbar Hendric Reeb macht geltend, dass durch den Anlagenbau eine Menge Wald zerstört werde und auch Wildtiere, wie etwa das streng geschützte und in der Region heimische Rebhuhn, der Rotmilan oder Fledermäuse bedroht seien. „Außerdem weht hier der Wind oft von Westen und damit würden wir voll in der Lärmschneise liegen“, glauben Reeb und Georgopoulos.

"Es gibt sinnvollere Standorte für Windkraftanlagen als auf der Kohlplatte",

ist sich Anwohnerin Julia Fiedler sicher, die mit ihren Kindern oft Spaziergänge oder Radtouren rund ums Wohngebiet unternimmt:

"Wenn die Windräder gebaut werden, ist damit aber erst mal Essig",

weiß sie.

Allerdings ist noch nicht geklärt, wie viele Windräder tatsächlich im Serremer Umfeld gebaut werden. Denn schon Ende September hatte der Wiernsheimer Gemeinderat einstimmig eine Stellungnahme hinsichtlich des Teilregionalplans Windenergie an den Regionalverband abgegeben. Darin wird gefordert, im Windvorranggebiet WE13 zwischen Iptingen und Mönsheim den nördlichen Zipfel zu streichen, um eine „Umzingelung“ der Iptinger Ortstieflage zu verhindern. Argumentiert wird dabei auch damit, dass das Areal an eine weitere Fläche Richtung Nussdorf (LB11) grenzt, auf der ebenfalls Windräder entstehen könnten.

Zudem soll der Regionalverband wegen des „Umzingelungsfaktors“ auf den östlichen Teil der Vorrangfläche W11, nordöstlich von Serres und nördlich von Iptingen, verzichten. „Das Hauptproblem bei der Zuwegung für den Anlagenbau sind die Laster, die dann kontinuierlich am Wohngebiet vorbeifahren“, erläutert der Wiernsheimer Bürgermeister Matthias Enz. Das habe schon der Bau der PV-Anlage im Ortental gezeigt. „Und das wird noch wesentlich heftiger“, prophezeit Enz, der sich allerdings als „klarer Befürworter“ von Windkraft outet. „Ich sehe die Zukunft in einer dezentralen Energieversorgung – weg von Atomstrom, Fracking-Gas oder Erdöl aus dem Osten. Dazu brauchen wir Windkraft und Photovoltaik.“

Die Verunsicherung in Serres könne er gut verstehen. Denn er teile die Sorge wegen der „Umzingelungsgefahr“ im Bereich Serres und Iptingen, sagt Enz. „Wir sehen das ähnlich. Auch weil enorm in die Waldflächen eingegriffen werden soll“, ergänzt Patrick Leicht, Sprecher der Bürgerinitiative „Vernunftenergie auf der Platte“. Mitte Januar trifft sich die BI mit Bürgermeister Matthias Enz, der dann im Planungsausschuss des Regionalverbands die vorgebrachten Argumente bekräftigen will. „Unser gemeinsames Ziel ist, die Umzingelung mit Windrädern in der Gemeinde zu verhindern“, betont Enz, der sich in der Sache vorbehält, notfalls auch einen Rechtsbeistand einzuschalten.