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Nordschwarzwald -  14.11.2021
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Arbeiten wie ein Pferd: Jahrhunderte altes Handwerk schützt die Natur

Man hört und sieht sie kaum. Lediglich ab und zu ist ein Knirschen, Knacken oder Schnauben zu vernehmen. Carsten Rempp zieht gemeinsam mit seinem Kollegen Ralf Rebmann und zwei Pferden im Althengstetter Forst Baumstämme durch das Unterholz. Ein Handwerk, dass es fast schon so lange gibt, wie die Menschen Pferde domestiziert haben. In den letzten Jahrzehnten ist es allerdings in Vergessenheit geraten.

Marcel Püls vom Landratsamt in Calw, Holzrücker Carsten Rempp, der Althengstetter Bürgermeister Clemens Götz, Inge Hormel vom Landratsamt in Calw, Holzrücker Rolf Rebmann und Revierleiter Jürgen Martinek (von links) freuen sich über die Unterstützung der Pferde Toni und Theo bei den Forstarbeiten.
Marcel Püls vom Landratsamt in Calw, Holzrücker Carsten Rempp, der Althengstetter Bürgermeister Clemens Götz, Inge Hormel vom Landratsamt in Calw, Holzrücker Rolf Rebmann und Revierleiter Jürgen Martinek (von links) freuen sich über die Unterstützung der Pferde Toni und Theo bei den Forstarbeiten.

Bis in die 1970-er Jahre sei das Pferd das Mittel der Wahl gewesen, so Revierförster Jürgen Martinek. Dann hätten Seilwinden und Kräne das Regiment übernommen. In Althengstett kommen jetzt aber wieder die Tiere zum Einsatz. Das habe mehrere Gründe, so Martinek. Zum einen sei da der Abstand der Rückegassen genannten Wege, auf denen die Forstmaschinen sonst den Wald befahren dürfen. 40 Meter seien diese auseinander – zu weit für einen Kran, so Martinek. Neue Rückegassen wolle man nicht anlegen, um den Forst zu schonen. So schleppen die Tiere das Holz zu günstiger gelegenen Plätzen. Zum anderen schonten die Pferde den Untergrund. Denn im Gegensatz zu großbereiften Geräten verdichteten Pferde den Untergrund nur kurz. Dieser könne sich so schneller wieder erholen.

Und deshalb kümmert sich Rempp nun um ausgewählte Flächen im Althengstetter Wald. Etwa ein Fünftel der 500 Hektar großen Waldfläche soll so bewirtschaftet werden. Rempp und Rebmann bearbeiten nun die ersten zehn Hektar. Zehn Tage bräuchten sie dafür, so der aus Horb stammende Rempp. Allerdings könne er nur zwei Mal die Woche Holzrücken, da er sonst als Angestellter arbeite. Von seinem Handwerk alleine könne er nicht leben. Ein Grund vermutlich, warum er einer von lediglich zwölf Holzrückern in Baden-Württemberg ist. Aber so arbeitet sich Rempp mit seinem Pferd Toni Stück für Stück durch das Unterholz. Toni ist ein süddeutsches Kaltblut und zehn Jahre alt. „Der war früher ein Brauereipferd beim Münchener Hofbräuhaus“, erzählt Rempp. Im Alter von zweieinhalb Jahren habe er ihn dann gekauft. Jetzt zieht Toni Baumstämme statt Bierfässern, allerdings erst seit er sechs Jahre alt ist. Denn davor sollten Pferde nicht zu schwer arbeiten, erklärt Rempp.

Die Tiere könnten zwar bis zu 1,2 Tonnen ziehen, allerdings ließe er sie dies nur in ganz besonderen Fällen tun. Sonst schaue er, dass die Belastung um die 200 Kilogramm bleibe. So könnten die Pferde trotz der Arbeit gesund bleiben und alt werden. „Den Tieren macht die Arbeit Spaß“, findet Rempp. Das sei wie bei Hunden, die für bestimmte Aufgaben gezüchtet seien.

Ein bisschen Übung braucht es dann aber trotzdem. Mit den sechs Kommandos der Fuhrmannssprache, wie „hott“ für rechts oder „hist“ für links, lotst er Toni durch den Wald. Geübt habe er das mit Hütchen, erzählt Rempp. Allerdings suchten sich die Pferde oft ihren eigenen Weg durch die Bäume. Sie fühlten mit ihren nicht beschlagenen Hufen den Untergrund und könnten so Unwegsamkeiten vorherahnen und umgehen.

Für Rempp steht das Wohl seiner Tiere an erster Stelle. Auch deshalb folgt für die Pferde nach drei Stunden Arbeit eine eineinhalbstündige Futterpause. „Ich bin abends fertiger als das Pferd“, scherzt Rempp. Aber er habe das Gefühl, etwas sinnvolles gemacht zu haben. „Holzrücken ist das Schönste, was es gibt“, ist er von seinem Handwerk begeistert.

Autor: Felix Biermayer