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Mühlacker -  31.03.2026
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Auf den Spuren Jesu in Mühlacker: Organisator Pasqualino Catalano im PZ-Interview

Mühlacker. Die Kreuzwegprozession an Karfreitag ist in Mühlacker seit vielen Jahren eine feste Tradition. Verantwortlich für Regie und Organisation ist Pasqualino Catalano, der diese Aufgabe seit mittlerweile zwei Jahrzehnten übernimmt.

Seit zwei Jahrzehnten übernimmt Pasqualino Catalano die Regie und Organisation der Kreuzwegprozession in Mühlacker. Diese findet an Karfreitag statt und umfasst 14 Stationen. Zentraler Bestandteil der Prozession ist das Gemeinschaftsgefühl unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Seit zwei Jahrzehnten übernimmt Pasqualino Catalano die Regie und Organisation der Kreuzwegprozession in Mühlacker. Diese findet an Karfreitag statt und umfasst 14 Stationen. Zentraler Bestandteil der Prozession ist das Gemeinschaftsgefühl unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Foto: Bastian

PZ: Kreuzwegprozessionen sind eine Tradition innerhalb der katholischen Kirche. Erklären Sie einem evangelischen Christen, warum diese Prozessionen durchgeführt werden?

Pasqualino Catalano: Die Kreuzwegprozession erinnert an den Leidensweg Jesu Christi bis zur Kreuzigung. Für katholische Christen ist sie eine Form des Gebets und der Meditation, bei der die einzelnen Stationen dieses Weges bewusst betrachtet werden. Dabei geht es weniger um ein „Nachspielen“, sondern vielmehr um ein inneres Mitgehen, ein Innehalten und ein Nachdenken über zentrale Themen wie Leid, Hoffnung, Opfer und Nächstenliebe. Gerade in der Öffentlichkeit wird dieser Glaube sichtbar gemacht und lädt auch andere Menschen zum Nachdenken ein – unabhängig von ihrer Konfession.

Wollen Sie – spirituell – mit Jesus den Weg des Leidens gehen?

Ja, in gewisser Weise kann man das so verstehen. Es geht jedoch nicht darum, das Leiden im wörtlichen Sinne nachzuempfinden, sondern sich geistlich damit auseinanderzusetzen. Die Prozession soll helfen, den Weg Jesu bewusst nachzuvollziehen und dessen Bedeutung für das eigene Leben zu reflektieren. Es ist also eine Form der spirituellen Annäherung und nicht der tatsächlichen Nachahmung.

Ist die Prozession auch ein Ausdruck von Reue und Buße?

Ja, für viele Teilnehmer spielt dieser Aspekt eine wichtige Rolle. Die Karwoche ist traditionell auch eine Zeit der Besinnung, der Umkehr und der inneren Reinigung. Gleichzeitig geht es aber ebenso um Hoffnung, Zusammenhalt und den Glauben an die Auferstehung. Es ist also ein Zusammenspiel aus Nachdenken über das eigene Leben und dem Vertrauen auf einen neuen Anfang.

Welche Rolle spielt das Gemeinschaftserleben bei den Proben davor und bei der Prozession an Karfreitag?

Das Gemeinschaftsgefühl ist ein zentraler Bestandteil – sowohl in der Vorbereitung als auch während der Prozession selbst. Bei den Proben kommen Menschen unterschiedlichen Alters und Hintergrunds zusammen, die ein gemeinsames Ziel verbindet. Dabei entsteht ein starkes Gefühl von Zusammengehörigkeit und gegenseitiger Unterstützung. Am Karfreitag selbst wird dieses Gemeinschaftsgefühl besonders spürbar, da viele Menschen gemeinsam diesen Weg gehen und den Glauben miteinander teilen.

Es sind 14 Stationen, die auch in jeder katholischen Kirche dargestellt sind. Kann eine Prozession auch von dieser Zahl 14 abweichen?

Die 14 Stationen des Kreuzwegs sind die traditionelle und weit verbreitete Form. Grundsätzlich kann es jedoch in der praktischen Umsetzung kleinere Anpassungen geben, zum Beispiel aus organisatorischen oder örtlichen Gründen. Wichtig ist dabei weniger die exakte Anzahl der Stationen als vielmehr die inhaltliche Bedeutung und die geistliche Auseinandersetzung mit dem Kreuzweg.

Wie reagiert die Gemeinde?

Die Rückmeldungen aus der Gemeinde sind überwiegend positiv. Viele Menschen schätzen die Prozession als festen Bestandteil der Karfreitagstradition und als besondere Möglichkeit, den Glauben gemeinsam und sichtbar zu leben. Gleichzeitig erleben wir auch Interesse und Offenheit von Menschen, die nicht aktiv zur Gemeinde gehören. Die Prozession wird oft als ein Moment der Ruhe und Besinnung wahrgenommen, der zum Innehalten im Alltag einlädt. Natürlich gibt es vereinzelt auch organisatorische Herausforderungen, etwa durch Straßensperrungen. Umso wichtiger ist uns ein respektvoller Umgang mit den Anwohnern und eine transparente Information im Vorfeld. Insgesamt überwiegen jedoch das Verständnis und die Unterstützung aus der Bevölkerung deutlich.

Pasqualino Catalano wurde am 4. Oktober 1988 in Mühlacker geboren, ist verheiratet, Vater von zwei Töchtern im Alter von vier und zwei Jahren und arbeitet als Teamleiter Logistik bei der Mühlacker Firma Bloom. Seit seiner frühen Kindheit ist er bei der Kreuzwegprozession dabei und hat im Laufe der Jahre nahezu alle Rollen verkörpert.