Aufschrei gegen Bildungspolitik: Werkreal- und Realschule in Niefern sollen nicht verschmelzen
Niefern-Öschelbronn. In der Bildungspolitik des Landes geht es zurzeit rund. Die grün-schwarze Regierungskoalition diskutiert über acht- und neunjährige Gymnasien, peilt Zusammenschlüsse von Haupt- und Realschulen an und will von 2026 an den umstrittenen Ganztagsbetrieb der Grundschulen einführen. Doch in Niefern-Öschelbronn sei die Schullandschaft noch in Ordnung, machten die Schulleitungen nun den Gemeinderäten deutlich.
„Ich explodiere, alle drei Monate ändern sich Bildungspläne“, platzte es voller Unmut aus Realschulrektorin Sylvia Schleifer-Dürr.
Das Land plane einen Kahlschlag, sagte Christina Bier als Rektorin der Grund- und Werkrealschule, die mit 270 Hauptschülern und der Mensa im Ganztagsgebäude auch im nächsten Schuljahr wieder stabil laufe. „Wir wollen in Niefern keinen Eintopf, wir bieten zwei tolle Menüs an“, sagte Schleifer-Dürr. Die Zusammenarbeit der beiden Bildungseinrichtungen mit dem gemeinsamen Campus sei richtig gut.
Einstimmige Resolution
Erik Schweickert, Chef der FW/FDP-Fraktion und bis zum Amtsantritt des neuen Rathauschefs Uwe Engelsberger am 1. Juli als stellvertretender Bürgermeister Leiter der Ratssitzungen sowie als Landtagsabgeordneter in der Opposition in einer Doppelrolle, stärkte den Schulleiterinnen den Rücken: „Die Werkrealschule in Niefern wird garantiert die letzte Schule in Baden-Württemberg sein, die das Land schließen wird.“
Über die Zukunft der Grundschule Öschelbronn mit fast 150 Kindern informierte Konrektorin Carmen Strohecker-Lauber die Ratsrunde – „für die Kernzeitbetreuung liegen uns jetzt bereits 16 Anmeldungen vor.“ Stefan Ermentraut, Geschäftsführer der TSG Niefern, stellte den Gemeinderäten vor, was der Sportverein schon seit Jahren für die vielgliedrige Betreuung der Schulkinder leistet und noch vorhat.
„Zu 98 Prozent sind wir mit unseren maßgeschneiderten Angeboten auf alles gut vorbereitet“, sagte Ermentraut.
Doch was können die Kommunalpolitiker gegen die Vorhaben der Landesregierung ausrichten? Einstimmig folgte der Gemeinderat einem Antrag, den Schweickert einbrachte. Zum einen entscheide nur die Gemeinde als Schulträger über die Umsetzung der Betreuungsform, so der erste Punkt. Zweitens: Die Gemeinde stehe zu ihren aufgefächerten Schularten, die Landesregierung wird aufgefordert, bei „allen Entscheidungen zu berücksichtigen, dass funktionierende Schulen erhalten werden können“. Und Niefern-Öschelbronn werde weiter für die bestehenden Schulen kämpfen – „mit diesem starken Signal an die Regierung“, so der FDP-Politiker.
Stabile Hauptschulzahlen
Vor zehn Jahren, als das Land die neuen Gemeinschaftsschulen einführte, hat sich der Gemeinderat schon einmal dafür starkgemacht, die Kirnbachschulen zu erhalten. „Zurecht, denn beide Schularten sind seit 2014 bis heute stabil geblieben“, sagte Schleifer-Dürr. Genauer gesagt: die Realschule mit 380 Kindern und drei Zügen pro Klassenstufe, so Dürr, die durchgehend zweizügige Werkrealschule mit 270 Anmeldungen fürs kommende Schuljahr. Die Nieferner Grundschule wird laut Bier von 310 auf 330 Abc-Schützen anwachsen. „Wir haben eine hohe Qualität, dieser Trend soll unbedingt bleiben“, sagte Rolf Härer (CDU).
„Alles bestens, die Schülerzahlen steigen, und die TSG Niefern arbeitet hervorragend“
Nicole Saam, zweite Bürgermeister-Stellvertreterin und im neuen Gemeinderat Mitglied der Freien Wählervereinigung (FWV)
Suche nach Räumen
Allerdings wiesen die drei Schulleiterinnen und Ermentraut auf Raumnöte hin, die zu schaffen machen. Die Grund- und Werkrealschule braucht mehr Platz für Kinder in der Kernzeitversorgung. Und der Schulhof der Nieferner Grundschule sei mittlerweile zu klein, so Bier. Die Realschule habe Probleme mit alten Räumen, so Schleifer-Dürr. Die TSG Niefern fasst Alternativen ins Auge, möglicherweise sei eine Wohnung nahe der Grundschule an der Friedenstraße geeignet. Zudem will Ermentraut bei der Evangelischen Kirchengemeinde ausloten, ob die TSG im Johann-Peter-Hebel-Haus in Niefern Zimmer nutzen kann.
