Aus für Neuenbürgs Klinik ist besiegelt - RKH informiert Belegschaft
Enzkreis. Enzkreis/Pforzheim. Nur zehn Kreisräte sind am Ende für Erhalt und Entwicklung des stationären Betriebs. Mühlackers Klinik winkt ein Ausbau – aber nicht um jedem Preis.
„Ja zum Krankenhaus“ steht auf den bunten Schildern, die Beschäftigte, Patienten und Unterstützer der RKH Enzkreis-Klinik in Neuenbürg im Sitzungssaal des Kreistags nach oben halten. Ein letzter verzweifelter Versuch, die Einrichtung zu erhalten. Über drei Stunden lang verfolgen sie zwischen Hoffen und Bangen, ob die Kreisräte für den Erhalt des Krankenhauses stimmen – trotz steigender Verluste und großem Sanierungsstau – oder ob die Entscheidung das Aus des stationären Betriebs bedeutet. Nach einer leidenschaftlichen Debatte hilft es den Betroffenen nicht, dass sie von Landrat Bastian Rosenau, von allen Kreistagsfraktionen und von der Unternehmensspitze der Muttergesellschaft RKH Gesundheit mit Lob für ihre Arbeit überhäuft werden. Der klaren Mehrheit sind die finanziellen Risiken zu groß. Damit steht die 80-Betten-Klinik vor einer Schließung schon Ende September.
Die Entscheidung ist Teil einer neuen Gesundheitsstrategie. Für Neuenbürg soll das künftig ein größeres ambulantes Versorgungszentrum am Klinik-Standort bedeuten. Das Schwesterkrankenhaus in Mühlacker soll dagegen gestärkt werden, wichtige Angebote aus Neuenbürg – möglichst samt Beschäftigten – übernehmen. Geprüft wird eine Vergrößerung, womöglich auch ein 250 Millionen Euro teurer Neubau. Allerdings auf Antrag der Freien Wähler ergebnisoffen. Man sei für die Stärkung von Mühlacker, so Jörg Michael Teply, „aber nicht um jeden Preis“.
Lange ist um einen Rettungsanker für Neuenbürg gerungen worden. Aber die wirtschaftlichen Perspektiven sind schlecht. Wenn auch nicht ganz so schlecht wie die RKH den Kreisräten vor Monaten erstmals prognostiziert hat. Neuenbürgs Bürgermeister und Freie-Wähler-Kreisrat Fabian Bader erneuert in der Sitzung seinen Vorwurf, die Muttergesellschaft habe die kleine Klinik mit hohen Risikoaufschlägen kaputtgerechnet. RKH-Chef Marc Nickel nennt die Zahlen auf PZ-Nachfrage ein „Worst-Case-Szenario“, das er als Geschäftsführer für eine vernünftige Strategie berechnen müsse.
Am Ende stimmen nur sechs Räte für die Fortführung des Betriebs in Neuenbürg, zehn Räte sind für den Erhalt verbunden mit einer Stärkung durch neue Angebote, deren Wirtschaftlichkeit die Mehrheit bezweifelt. Als damit klar ist, dass es für das Krankenhaus nicht weitergeht, erhält der Vorschlag der Kreisverwaltung für ein neues Gesundheitskonzept samt Neuenbürger MVZ und Mühlacker Klinik-Erweiterung einstimmig Rückendeckung.
Betroffen sind in Neuenbürg aktuell 210 Beschäftigte. Für viele soll es in Mühlacker weitergehen, aber nicht für alle. Am späten Donnerstagnachmittag informiert die RKH-Spitze die Belegschaft. An diesem Freitag gibt es auch in Mühlacker eine Mitarbeiterversammlung.
