Bald kein Linksabbiegen mehr möglich: So geht es mit der Zerrennerstraße in Pforzheim weiter
Pforzheim. Hat die Stadtverwaltung den großen Wurf im Köcher? Kann es ihr gelingen, sechs Anträge aus dem Gemeinderat für Korrekturen auf der Zerrennerstraße zu einem Kompromiss zusammenzuführen? Kehrt doch Ruhe ein in die schier endlose Debatte um die innerstädtische Verkehrsader? Mit diesen Fragen gingen Stadträte und Beobachter am Mittwochnachmittag in die Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses. Sie erhielten zur Antwort: Ja und Nein.
Denn eine große Baumaßnahme wird zu dem, was man neudeutsch Game-Changer nennt. Oder besser: Deal-Breaker. Sie erzwingt eine Denkpause, ermöglicht zugleich aber hoffentlich erkenntnisreiche Gedankenspiele.
Die Vorschläge der Gruppierungen und Fraktionen spannen einen weiten Bogen: Vom Total-Rückbau der unlängst aufwendig umgestalteten und für Radler wie Fußgänger aufgewerteten Passage zur früheren, rein aufs Auto fixierten „Zer-trennerstaße“ bis hin zu Eingriffen, etwa durch Kurzzeitparkplätze am Straßenrand oder im Mittelbereich. Die meisten Kritiker des Ist-Zustands eint der Ruf nach einer wieder separaten Linksabbiegespur stadtauswärts zum Sedanplatz. Die aktuelle Lösung einer gemeinsamen Spur für jene, die abbiegen und geradeaus fahren wollen, sorgt für verkürzte Grünphasen und gerade zu Hauptverkehrszeiten für erhebliche Rückstaus.
Wider die Fachplaner
Eben darauf, das machte Sandra Heitkamp, die Leiterin des Grünflächen- und Tiefbauamts, in ihrer Präsentation nochmals deutlich, hatte der Gemeinderat einst entgegen dem Rat der Fachplaner gedrungen, die einen Verzicht aufs Linksabbiegen zum Sedanplatz empfohlen hatten. Überhaupt hatte das Gremium mit seinem Beschluss vom Mai 2023 in die nach intensiver Beteiligung von Bürgern und Geschäftsleuten erarbeitete Konzeption eingegriffen, sich etwa gegen ein dauerhaftes Tempo 20 ausgesprochen.
Nun aber entfällt das Linksabbiegen zwangsläufig bis auf Weiteres. Denn wie Baubürgermeister Tobias Volle in der Sitzung ins Gedächtnis rief, naht an der Ecke Zerrenner-/Leopoldstraße die Großbaustelle der Stadtbau für ein Sozialrathaus am Standort des früheren Sinn-Leffers. Womöglich bereits Ende des ersten Quartals dieses Jahres könnte der Abbruch beginnen, im ersten Quartal 2026 der Neubau starten. Dafür muss ein Baufeld geschaffen werden – auf der aktuell den Bussen vorbehaltenen Rechtsabbiegespur zur Leopoldstraße. In dieser Fahrtrichtung wird dann also allen Verkehrsteilnehmern nur eine Spur zur Verfügung stehen.
Wie bei etlichen vorangegangenen Baustellen an dieser Stelle in den zurückliegenden Jahren – die Verkehrsführung ist bei solchen Maßnahmen einzig Aufgabe der Stadtverwaltung – muss deshalb das Linksabbiegen untersagt werden. Mit der Fertigstellung des Sozialrathauses ist frühestens im zweiten Quartal 2028 zu rechnen.
Und bis dahin? Werde man natürlich alles andere als untätig sein, versicherte Volle. Man könne die Verkehrsflüsse beobachten und analysieren. Man könne – am besten mit externer fachlicher Unterstützung – alternative Verkehrsführungen überprüfen. Es gelte, in Überlegungen einzubeziehen, wie sich die im Zuge des Projekts Schlossberghöfe erfolgende Sperrung des Schlossbergs auswirkt sowie die Fertigstellung des A8-Ausbaus. Und es bleibe Zeit, an Maßnahmen für einen leistungsfähigeren Innenstadtring zu arbeiten. Danach könne man dann diskutieren, wie mit den ursprünglichen Anträgen der Fraktionen zu verfahren ist. Aktuell bleibe nur die Verwaltungsempfehlung, diese zurückzustellen.
Volle benennt seine Ziele
Seine eigene Zielsetzung für die Zerrennerstraße fasste Volle so zusammen: Durchgangsverkehr raus und auf den ertüchtigten Innenstadtring verlagern, dennoch weiter die Zufahrt zu Parkhäusern, Laden und Lokalen ermöglichen und dafür Kurzzeitparkplätze vorhalten, die Zugänglichkeit zu den Flüssen verbessern, einen „verkehrsberuhigten Geschäftsbereich“ mit Tempo 20 ausweisen und dem Nahverkehr sowie natürlich Einsatzfahrzeugen weiter die Durchfahrt gewährleisten.
Sich den Fakten zu fügen, fiel den einen mehr, den anderen weniger schwer. Michael Baitinger (AfD) sah „die ganzen Anträge ad absurdum geführt“. Von einem „weisen“ und „sehr vernünftigen“ Verwaltungsvorschlag sprachen Kai Adam (SPD) beziehungsweise Sunita Vimal (Grüne). Andreas Sarow (SL/GP) fasste die kollektive Einsicht so zusammen: „Die Baustelle hebelt jeden Verbesserungsvorschlag aus.“ Langfristig bleiben die Erwartungen ans Baudezernat hoch. „Wir stehen vor einer Zeitenwende, die Innenstadt muss attraktiver werden“, betonte etwa Frank Johannes Lemke (CDU).
