Gemeinden der Region
Mühlacker -  22.04.2026
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Bauzaun am Mühlehof-Loch: Mühlacker Jugendliche sollen Street Art anbringen

Mühlacker. Seit Jahren ist es eine der markantesten Brachen der Stadt: das Mühlehof-Loch. Eine Fläche mitten in Mühlacker, umgeben von Bauzäunen – und immer wieder Thema im Gemeinderat. Jetzt soll ausgerechnet dieser Zaun zur Leinwand werden. Der Verwaltungsausschuss hat am Dienstagabend einstimmig beschlossen, ein Street-Art-Projekt umzusetzen. Jugendliche sollen den rund 80 Meter langen Bauzaun gestalten – angeleitet von professionellen Künstlern.

Mühlacker Mühlehof Loch Innenstadt
Noch grau, bald bunt: Der Bauzaun am Mühlehof-Loch soll von Jugendlichen künstlerisch gestaltet werden. Röhr Foto: Röhr

Der Projektname ist bewusst gewählt: „Mühlacker wird bunt“.

Neuer Bauzaun

Oberbürgermeister Stephan Retter erinnerte daran, dass die Idee nicht neu ist. Bereits vor zwei Jahren habe es einen entsprechenden Antrag aus der CDU gegeben, damals wurde er noch verworfen, weil der Zaun für eine Gestaltung nicht geeignet gewesen sei. Erst mit dem neuen, stabileren Bauzaun, den der Bauhof in der vergangenen Woche errichtet hat, seien die Voraussetzungen nun geschaffen. „Jetzt kann man ihn auch behängen“, sagte Retter und lobte die Arbeit des Bauhofs ausdrücklich.

Das Konzept kommt aus dem Stadtjugendreferat. Leiterin Nathalie Pavan skizzierte, wie das Projekt konkret ablaufen soll: In mehreren Workshops entwickeln Jugendliche eigene Motive, setzen sich zunächst inhaltlich mit der Frage auseinander, wie sie Mühlacker als „junge Stadt“ sichtbar machen wollen, und erarbeiten daraus Entwürfe. Diese werden anschließend auf Spanplatten gesprayt, professionell fotografiert und schließlich auf wetterfeste, luftdurchlässige Mesh-Planen gedruckt, die am Bauzaun angebracht werden. Der technische Zwischenschritt ist bewusst gewählt: Zum einen entstehen so qualitativ hochwertige Arbeiten, zum anderen bleibt das Projekt flexibel. Sollte es zu Vandalismus kommen, können einzelne Elemente problemlos ersetzt werden. „Das ist ein Vorteil der digitalen Lösung“, so Retter.

Workshops mit Profis

Begleitet werden die Workshops von zwei erfahrenen Street-Art-Künstlern: Scud78 aus dem Enzkreis, der seit rund 30 Jahren im öffentlichen Raum aktiv ist, sowie dem freischaffenden Künstler und Designer Giorgio Eazy. Neben künstlerischen Techniken gehe es dabei auch um den bewussten Umgang mit Material, um Sicherheitsaspekte und um die Unterscheidung zwischen illegalen Schmierereien und gestalteter Street Art, betonte Pavan. Das Projekt habe deshalb neben der kreativen auch eine klare pädagogische Komponente.

Die Zielgruppe ist breit gefasst: Jugendliche und junge Erwachsene ab zwölf Jahren aus allen Stadtteilen, Schularten und sozialen Hintergründen. Erreicht werden sollen sie über Schulen, Schulsozialarbeit und bestehende Angebote der Jugendarbeit. Ziel sei es auch, Hemmschwellen abzubauen und möglichst vielen eine Beteiligung zu ermöglichen.

Parallel bemüht sich die Stadt um Fördermittel. Nach Angaben Pavans wurden jeweils 5000 Euro aus zwei Programmen beantragt, Rückmeldungen stehen bislang jedoch noch aus. Insgesamt rechnet die Verwaltung mit Kosten zwischen 14.000 und 16.000 Euro.

Breite Zustimmung

Im Gremium stieß die Idee auf breite Zustimmung – allerdings nicht ohne leise Bedenken. Stefan Aßmus (Freie Wähler) sprach von einem „richtigen und wichtigen Impuls“, gab aber zu bedenken, dass eine optische Aufwertung auch dazu führen könne, dass das eigentliche Thema aus dem Blick gerät. Retter widersprach diesem Eindruck. Das Mühlehof-Loch solle weiterhin bewusst präsent bleiben – etwa durch inhaltliche Bezüge auf den Bauzäunen oder am noch stehenden Treppenhausturm.

„Es soll nicht in Vergessenheit geraten“, betonte der Oberbürgermeister.

Gleichzeitig machte er deutlich, dass der aktuelle Zustand keine Dauerlösung sein dürfe:

„Es soll kein ewiges Provisorium werden.“

Zustimmung kam unter anderem von CDU-Stadtrat Günter Bächle, der sich eine „zusätzliche positive Stimmung“ durch das Projekt erhofft. Auch Angelika Denzler (LMU) begrüßte die Idee ausdrücklich. SPD-Stadtrat Paul Renner hakte bei der konkreten Ansprache der Zielgruppe und den beantragten Förderprogrammen nach.

Die Workshops und die Umsetzungsphase sollen noch vor den Sommerferien stattfinden und sich über mehrere Wochen erstrecken. Zum Abschluss ist eine öffentliche Präsentation der gestalteten Flächen geplant – mit Einladung an Gemeinderat, Schulen und Bürgerschaft. Auch eine kleine Einweihungsfeier ist vorgesehen. Bis dahin bleibt das Mühlehof-Loch, was es ist: eine zentrale Brache in der Stadt – bald aber vielleicht eine etwas buntere.