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Calw -  20.09.2022
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Besucherzentrum in Calw soll KSK transparenter machen

Calw. Der 20. September ist für das Kommando Spezialkräfte (KSK) ein besonderer Tag. An diesem Datum wurde es vor 26 Jahren gegründet. Nun nutzte die Eliteeinheit ihn, um ihr neues Besucherzentrum in Calw einzuweihen. Die Eröffnung markiert Abschluss von Reformplan gegen Rechtsextremismus. Damit ist ein 60-Punkte-Reformplan zur Bekämpfung von Rechtsextremismus in der Einheit abgeschlossen. Das KSK kommt immer dann zum Einsatz, wenn es brenzlig ist – zuletzt bei Evakuierungen am Flughafen in Kabul nach der Machtübernahme der Taliban. Die Eliteeinheit machte in der Vergangenheit aber wegen rechtsextremen Vorfällen vermehrt negative Schlagzeilen. Verschwundene Munition, privat gehortete Waffen oder Hitlergrüße auf einer Abschiedsparty führten zu einer Überprüfung der Einheit. Die Auflösung der zweiten Kompanie war die Folge.

KSK-Kommandeur Ansgar Meyer (von links), der Generalinspekteur der Bundeswehr Eberhard Zorn, die Wehrbeauftragte des Bundestages Eva Högl und die Präsidentin des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr Ulrike Hauröder-Strüning eröffneten das Besucherzentrum des KSK bei der Graf-Zeppelin-Kaserne in Calw.
KSK-Kommandeur Ansgar Meyer (von links), der Generalinspekteur der Bundeswehr Eberhard Zorn, die Wehrbeauftragte des Bundestages Eva Högl und die Präsidentin des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr Ulrike Hauröder-Strüning eröffneten das Besucherzentrum des KSK bei der Graf-Zeppelin-Kaserne in Calw. Foto: Felix Biermayer

Kampf gegen Klischees und Mythen

Sogar die Auflösung des ganzen Kommandos stand zeitweise zur Debatte. Ein vor zwei Jahren vorgestellter 60-Punkte-Plan „zur Verhinderung rechtsextremistischer Tendenzen im KSK“ sollte Abhilfe schaffen. Dazu gehörten Maßnahmen in den Bereichen Struktur, Dienstaufsicht, Personalgewinnung, Werdegänge, im Umgang mit Verdachtsfällen oder in der Prävention. Unter den letzten Punkt fällt auch die Eröffnung des Besucherzentrums. So soll das KSK transparenter und Klischees sowie Mythen entkräftet werden.

Zur feierlichen Eröffnung am Dienstag kamen etwa 100 geladene Gäste aus Politik, Militär und Gesellschaft. Der 3,5 Millionen Euro teure Neubau vor dem Kasernengelände sei in nur elf Monaten freigestellt worden, war Kommandeur Ansgar Meyer stolz. „So viel Transparenz wie möglich und zulässig“, sei das Ziel des Besucherzentrums, fuhr er fort. Es solle sich als Ort der Begegnung in der Region etablieren. 

„Das ist ein Schlussstein am Ende eines langen Prozesses“, meinte der Generalinspekteur der Bundeswehr Eberhard Zorn.

„Ein Stückchen Transparenz tut in alle Richtungen gut“, so Zorn weiter.

Die Ausstellung solle Fragen zu den Einsätzen des KSK beantworten. Die Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) befürwortete, dass sich der Verband in die Gesellschaft hinein öffne und so Diskussionen ermögliche. Das KSK könne nun seine Geschichte, Einsätze und Erfolge präsentieren.

„Sie sind enorm gefordert und sie werden gebraucht“, wandte sie sich an die Soldaten.

Der angestoßene Reformprozess sei aber nicht beendet, sondern ein permanenter Auftrag. Die Ausstellung besteht aus drei Teilen. Im ersten wird auch auf die Vorwürfe der vergangenen Jahre eingegangen. Was passiert ist und was dagegen unternommen wurde, wird interaktiv erläutert. Im zweiten Teil wird die Ausrüstung der Soldaten vorgestellt. In einem ausrangierten Rumpfteil eines CH-53 Hubschraubers wird zum Beispiel ein Film über einen Einsatz in Afghanistan gezeigt. Im dritten Teil geht es um die Soldaten als Menschen und wie sie Ausbildung und Einsatz erleben.

Zügige Aufklärung

Was passiert jetzt aber, wenn es wieder rechtsextreme Verdachtsfälle im KSK gibt. Ist der Reformprozess dann gescheitert? Högl verneint das auf Nachfrage. Mögliche weitere Fälle müssten zügig aufgeklärt und sanktioniert werden. Ob und wie viele Verdachtsfälle es aktuell gebe – eine gleichlautende Anfrage der Bundestagsabgeordneten Martina Renner (Linke) an das Verteidigungsministerium war kürzlich unbeantwortet geblieben – konnte Högl nicht beantworten. Sie wolle sich aber darum kümmern, dass die Zahl öffentlich werde.

Autor: Felix Biermayer