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Unternehmen -  06.09.2019
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Betrugsvorwurf gegen Weber Automotive: Strafanzeige gegen Familie erstattet

Markdorf/Neuenbürg. Die Insolvenz von Weber Automotive entwickelt sich zum Wirtschaftskrimi am Bodensee: Es geht dabei um 1500 Arbeitsplätze und 21 Millionen Euro. Die französische Kapitalgesellschaft Ardian hat bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt Strafanzeige wegen des Verdachts des gemeinschaftlichen Betrugs in besonders schwerem Fall und Bilanzfälschung gestellt.

Beschuldigt wird die Familie des Firmengründers Albert Weber in Markdorf. Die damalige Geschäftsführung der Weber Automotive GmbH habe im Geschäftsjahr 2016 falsche Angaben gemacht, um den anstehenden Verkauf an Adrian nicht zu gefährden. Die Übernahme erfolgte 2017. Weber stellt mit 1500 Mitarbeitern, davon 140 im Breiten Tal in Neuenbürg, Motoren- und Getriebeteile wie Zylinderköpfe und Motorblöcke für Mercedes, BMW und Audi her. Die Markdorfer Firma hatte am 5. Juli Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt, nachdem sich die hochgesteckten Erwartungen in der Umsatz- und Ergebnisplanung nicht erfüllt hatten.

Die Altgesellschafter um Albert Weber wehren sich gegen die Anschuldigungen: „Wir haben Kenntnis von dem laufenden Ermittlungsverfahren. Die Strafanzeige ist nicht nachvollziehbar. Die darin erhobenen Vorwürfe weisen wir entschieden zurück“, heißt es in einem Schreiben an die PZ. „Wir werden diese Vorwürfe im Rahmen des Verfahrens unschwer widerlegen. Zu diesem Zweck arbeiten wir über unsere Rechtsanwälte eng mit den Ermittlungsbehörden zusammen.“

Man respektiere indes die Ermittlungshoheit der Staatsanwaltschaft. „Sie werden Verständnis dafür haben, dass wir mit Blick auf das laufende Verfahren sowie bestehende Verschwiegenheitsverpflichtungen eine solche Auseinandersetzung nicht über die Medien führen und daher nicht auf Detailfragen eingehen können.“

Im Rahmen der Erstellung des von Weber Automotive in Auftrag gegebenen Sanierungsgutachtens wurden laut Adrian Sachverhalte aufgedeckt, „die den Verdacht nahelegen, dass die Beschuldigten im Geschäftsjahr 2016 vorsätzlich nicht werthaltige Buchungen von bis zu 21 Millionen Euro erfolgswirksam bilanziert haben“, heißt es in einer Pressemitteilung. Diese umfassten angebliche Ausgleichszahlungen, die ein Kunde von Weber Automotive leisten sollte.

Die Beschuldigten behaupteten, diese Zahlungen seien in voller Höhe werthaltig sowie erfolgreich einzufordern und wiesen Mitarbeiter von Weber Automotive an, die Buchungen auszuführen. Tatsächlich habe der Kunde die mutmaßlich ohne Grundlage gestellten Rechnungen nie eingebucht und ihnen direkt nach Eingang widersprochen.

Letztlich zahlte der Kunde in Folge von Verhandlungen mit Weber Automotive wohl lediglich 800.000 Euro. „Nichtsdestotrotz wurde die Forderung über 21 Millionen nicht ausgebucht, sondern stattdessen verdeckt aus dem Vermögen der Familie Weber über eine Schweizer Holding-Gesellschaft an die Weber Automotive GmbH gezahlt und dort als Umsatz und sonstige betriebliche Erträge gebucht“, behauptet Adrian.

Autor: Lothar Neff