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Enzkreis -  07.03.2026
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Biber zurück im Enzkreis: Naturschutzverbände wollen das Tier vor Abschüssen retten

Enzkreis. Er ist vor allem nachts unterwegs, lebt an Flüssen und Bächen und hinterlässt deutliche Spuren: Der Biber gehört zu den größten Nagetieren Europas und hat jetzt auch wieder im Enzkreis seinen Platz gefunden. Typisch für ihn sind die angenagten Baumstämme, die wie eine Sanduhr geformt wirken. Genau solche Spuren sind nun auch in der Region entdeckt worden. NABU und BUND rufen Petition „Schützen statt Töten“ ins Leben, um die Tiere zu retten. Aber warum ist nicht jeder über die Rückkehr des Bibers erfreut? PZ-news hat die Antwort.

Auch eine Wildkamera hat den dämmerungs- und nachtaktiven Bewohner bereits festgehalten.
Auch eine Wildkamera hat den dämmerungs- und nachtaktiven Bewohner bereits festgehalten. Foto: Sofie Bloß

Entlang der Enz bei Niefern und Mühlacker wurden eindeutige Hinweise auf dieses Tier gefunden. Ein Zeichen dafür, dass der Biber seine alte Heimat wieder bewohnt — eine Tierart, die durch den Menschen einst nahezu ausgerottet worden ist, wie das Landratsamt Enzkreis mitteilte. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Nordschwarzwald erklärt, der Biber habe früher durch starke Bejagung, zerschnittene Lebensräume und den Verlust geeigneter Gewässer fast als ausgestorben gegolten.

„Aktuell befindet sich der Biber in Ausbreitung, was auch ein Erfolg des Naturschutzes ist“,

- heißt es vom Verband.

Man gehe davon aus, dass sich die Tiere künftig auch im Enzkreis weiter ausbreiten könnten. Der BUND konnte das im Landkreis Freudenstadt schon länger beobachten.

Ein richtig nützliches Tier 

Die Rückkehr der Tierart wird beim Landratsamt Enzkreis als Erfolg des Artenschutzes gewertet. Denn aus Sicht der Naturschutzbehörden spielt der Biber eine wichtige Rolle in Gewässerlandschaften. Er zählt als  „Schlüsselart“, denn er kann Lebensräume verändern und das kommt anderen Arten zugute — darunter Insekten, Fische und Wasservögel.

Die erste Landesbeamtin Hilde Neidhardt spricht deshalb von einem Gewinn für Natur- und Artenschutz im Enzkreis. Ähnlich bewertet es auch der Naturschutzbund Deutschland (NABU): Durch den Bau von Dämmen und das Schaffen neuer Feuchtgebiete entstünden Lebensräume. Biberdämme könnten außerdem die Wasserqualität verbessern, weil sie Sedimente und Nährstoffe filtern, sagt die Biberberaterin des NABU Katrin Fritzsch.

Den Verantwortlichen ist jedoch auch bewusst, dass die Tiere nicht überall auf Zustimmung stoßen dürften. Durch sie könnte es beispielsweise zu Vernässung auf landwirtschaftlich genutzten Flächen kommen. „Auch Unterhölungen von Wegen oder Uferbereichen sind möglich“, sagt Fritzsch.

Deshalb setzen Landratsamt und Kommunen nach eigenen Angaben von Beginn an auf Zusammenarbeit, um mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen. Dazu gehört auch ein regelmäßiges Monitoring. Außerdem stehen künftig vier ehrenamtliche Biberberater im Enzkreis bereit, die bei Fragen oder Konflikten vor Ort unterstützen sollen. Nach Angaben des Landratsamts sind bislang noch keine Konflikte in der Region bekanntgeworden.

Man hoffe aber, auf ein gutes Miteinander zwischen Mensch und Tier. Einer der Biberberater ist Frank Friedmann vom Angelverein Enzberg. Er rechnet damit, dass die Biber in der Region künftig häufiger vorkommen. „Ich denke, wir werden irgendwann einen deutlich höheren Bestand haben“, sagt er. Nebenbei ist er Jäger und sieht den Biber langfristig im Jagdrecht besser aufgehoben.

Da bei möglichen Wildunfällen, anders als jetzt kein Amtstierarzt benötigt wird, um das Tier von seinem Leiden zu erlösen.

Appell an die Landespolitik

Auch landesweit sorgt der Biber derzeit für Diskussionen. Die Petition „Schützen statt Töten“ von NABU und BUND gegen eine neue Biberverordnung der Landesregierung hat bereits nach knapp vier Wochen 10.000 Unterschriften gesammelt und damit die nötige Stimmzahl erreicht. Nun muss sich der Petitionsausschuss des Landtags damit befassen. Hintergrund ist eine Verordnung, mit der das Land bei Konflikten mit Bibern, etwa an Infrastruktur oder in der Land- und Forstwirtschaft, schneller eingreifen will.

Kritiker befürchten jedoch, dass dadurch auch Abschüsse der streng geschützten Tiere leichter möglich werden. Die Verbände fordern deshalb, die Verordnung zurück zunehmen. „Diese 10.000 Unterschriften in dem noch jungen landeseigenen Behördenportal statt auf einer der bekannten bundesweiten Plattformen sind ein starkes Zeichen an die Politik“, sagt die BUND-Landesvorsitzende Sylvia Pilarsky-Grosch und fügt hinzu:

„Aber wir wollen mehr und rufen alle auf, uns weiter zu unterstützen. Denn jede Stimme verdeutlicht, dass die Menschen im Land das gezielte Töten von Bibern ablehnen und bessere Lösungen von der Politik erwarten.“

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