Bildung mit Bibel als Fundament: Lomersheimer Blumhardt-Schule feiert 25. Geburtstag
Mühlacker-Lomersheim. In einem Stadtteil von Mühlacker gibt es eine Schule, die christliche Werte in den Mittelpunkt rückt und zugleich eher modern als angestaubt wird.
Ein Elterntaxi zur Johann-Christoph-Blumhardt-Schule (JCBS) würde sich lohnen, denn die hat ein großes Einzugsgebiet und liegt etwas abgelegen. Seit nun einem Vierteljahrhundert gibt es die JCBS – seit 22 Jahren in Mühlackers Stadtteil Lomersheim. In Wiernsheim-Pinache hatte alles 1997 mit 38 Schülern verteilt auf die Klassen eins bis vier begonnen. Diesen Freitag nun steht um 18.30 Uhr der Festakt zum 25. Geburtstag an.
Die JCBS hat inzwischen 660 Schüler und kümmert sich inklusive Tagesstätte um mehr als 700 Kinder, was zeigt, dass es in der Region doch viele Familien gibt, denen der christliche Glaube über den Gottesdienst sonntags hinaus wichtig ist. Die Lomersheimer Bildungseinrichtung zählt zu den nur etwa 100 freien evangelischen Bekenntnisschulen in Deutschland. Sogar aus Leonberg kommen Kinder und Jugendliche – und müssen anderthalb Stunden einfache Fahrt auf sich nehmen.
"Das sind hier keine schwebenden Engel, das sind ganz normale Bengel.Es kommt alles vor – aber die Frage ist eben: Wie geht man damit um?“
Reinhard Wurster, seit 22 Jahren Leiter der freien evangelischen Bekenntnisschule in Lomersheim
Die christliche Prägung ist für Außenstehende auf den ersten Blick kaum erkennbar. Viel mehr macht die JCBS durchweg einen modernen Eindruck – obwohl sie an einem alten Firmenstandort angesiedelt ist. Der Internet-Auftritt ist gut gepflegt und liefert als Inhalte auch Vorstellungsvideos.
Schulleiter Wurster lernte heutige Ehefrau im Dienst kennen
Reinhard Wurster als eloquenter Schulleiter gibt der JCBS Gesicht und Stimme. Der inzwischen 52-Jährige hat die Einrichtung schon 22 Jahre lang mitgeprägt. „Wir haben alle Schularten unter einem Dach“, verdeutlicht der gebürtige Mannheimer, der von Detmold aus an die JCBS wechselte, als die mit Beginn des Schuljahrs 2000/2001 nach Lomersheim zog. Hier lernte Wurster seine heutige Ehefrau Daniela kennen, die schon seit zwei Jahren zum Lehrer-Team gehörte. Mittlerweile sind auch die Wurster-Kinder Laetitia (15 Jahre), Adina (13) und Boas (9) an der Schule.
Zumindest als über die Maßen strengen Pädagogen kann man sich Wurster nicht vorstellen: Er lacht viel und scheint auch zu Diskussionen bereit zu sein. Dass er einen offenen und liberalen Eindruck vermittelt, bedeutet aber nicht, dass alles geht. Der Schultag beginnt mit einer Andacht und bringt es mit sich, dass die Schüler ihre Mobiltelefone abgeben müssen. Käme ein Mädchen „bauchfrei“ oder ein Junge mit dem „Playboy“ im Rucksack, würde Wurster jeweils den Schulseelsorger ins Spiel bringen.
„Wir machen ein Angebot“, sagt er ganz grundsätzlich, macht an anderer Stelle aber klar, dass er eine Art Erziehungskompass für nötig hält. „Ich bin der tiefsten Überzeugung, dass ein Mensch eine Grenze letztlich als Sicherheit erlebt“, sagt Wurster da. Wissenswert für Eltern ist auch, dass abhängig vom Einkommen „etwa zwischen 50 und 300 Euro“ im Monat zu zahlen und aufs Jahr gesehen 40 Arbeitsstunden zu leisten sind.
"Voice of Germany"-Kandidatin spielt bei Festakt
Bei der Frage nach mindestens regional bekannten JCBS-Absolventen braucht Wurster nicht zu überlegen und nennt etwa Stefanie Diemand, Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, und zwei Kirschbaum-Brüder aus der Geschäftsführung des Toom Baumarkts in Mühlacker. Noch an der Schule ist Helena Hein-Talmon, eine „Voice of Germany“-Kandidatin aus Knittlingen. Sie singt nun statt bei Sat.1 beim Festakt, bei dem unter anderem auch eine Theateraufführung und ein „Gäste-Talk“ auf dem Programm stehen.
