Bis zu 584 Lastwagen-Fahrten: Mühlacker will Panattoni-Pläne fürs Steuler-Areal stoppen
Mühlacker. Eine 34.000 Quadratmeter große Gewerbe- und Logistikhalle, 30 Andockstationen und viel Schwerlastverkehr: Warum die Stadtverwaltung bei einem der wichtigsten Gewerbeareale Mühlackers auf die Bremse tritt.
Gewerbeflächen sind in Mühlacker inzwischen Mangelware. Umso wertvoller ist das rund sechs Hektar große ehemalige Steuler-Areal an der Industriestraße. Doch bei der Frage, wie das Gelände künftig genutzt werden soll, zeichnet sich ein grundlegender Konflikt ab. Die Stadtverwaltung will die aktuellen Pläne des Projektentwicklers Panattoni nicht unterstützen. Zudem soll sie beauftragt werden, einen Beschluss über eine Veränderungssperre für das gesamte Grundstück vorzubereiten. Darüber berät am kommenden Dienstag der Ausschuss für Umwelt und Technik.
Panattoni plant dort eine flexibel nutzbare Gewerbe- und Logistikhalle mit rund 34.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche und etwa 30 Andockstationen für Lastwagen. Zwischenzeitlich war lediglich die westliche Hälfte mit einer 15.000 Quadratmeter großen Halle und 15 Andockstationen überplant werden. Nachdem der bisherige Nutzer der östlichen Hälfte seinen Mietvertrag kurzfristig gekündigt hatte, rückte wieder das komplette Areal in den Fokus. Noch im Juli hatte Panattoni gegenüber der PZ angekündigt, dort einen modernen Industrie- und Gewerbepark entwickeln zu wollen.
Verkehr als Knackpunkt
Zum Knackpunkt ist inzwischen der Verkehr geworden. Bis zur nächsten übergeordneten Straßenanbindung, der Osttangente, sind es im Mittel etwas mehr als einen Kilometer. Die Verwaltung hält den Standort deshalb nur bedingt für Logistik geeignet. Auf die Frage, ob Panattoni ganz oder zumindest teilweise auf eine solche Nutzung verzichten könne, gab es keine entsprechende Zusage. Auch ein langfristiger Mieter kann bislang nicht verbindlich benannt werden. Hinzu kommt der Zustand der Industriestraße: Die Verbindung ist seit Jahren in schlechtem Zustand, zahlreiche Schlaglöcher prägen die Fahrbahn. Als Grund für die ablehnende Haltung führt die Stadt diesen Umstand in der Sitzungsvorlage allerdings nicht an.
Entscheidend sind vielmehr die möglichen Zahlen im Schwerlastverkehr. Panattoni will sich einen Rahmen von bis zu 260 Lastwagen tagsüber und weiteren 32 nachts offenhalten. Da jeweils An- und Abfahrt gerechnet werden müssen, wären damit maximal 520 Fahrbewegungen am Tag und weitere 64 in der Nacht möglich. Rechnerisch entspräche das tagsüber einer Lkw-Fahrt alle 1,88 Minuten, nachts einer alle 7,5 Minuten. Die Stadt weist allerdings selbst darauf hin, dass sich das Aufkommen in der Realität nicht gleichmäßig verteilen dürfte.
Panattoni rechnet mit weniger
Panattoni hält dagegen, dass diese Obergrenzen nicht mit dem normalen Betrieb gleichzusetzen seien. Nach eigenen Auswertungen rechnet der Projektentwickler mit durchschnittlich rund 141 Lastwagenfahrten pro Tag. Den größeren Spielraum benötige man für betriebliche Schwankungen und künftige Entwicklungen. Nach Darstellung des Unternehmens wären auf Grundlage eines Gutachtens sogar bis zu 480 Laster tagsüber genehmigungsfachlich vertretbar. Man habe sich jedoch bereit erklärt, die Obergrenze auf 260 zu reduzieren.
Befürchtungen vor einem großen Paket- oder Versandzentrum versucht der Entwickler ebenfalls zu zerstreuen. Eine Nutzung durch großvolumige Logistikunternehmen wie DHL oder Amazon sei nicht vorgesehen. Weiterhin großes Interesse an dem Standort habe nach Angaben von Panattoni die Firma Nörpel. Einen Mietvertrag gibt es bislang nicht. Sollte dieser nicht zustande kommen, müsste das Vorhaben zunächst ohne konkreten Nutzer weiterentwickelt werden.
Für die Stadt überwiegen dennoch die Nachteile. Sie begründet ihre ablehnende Haltung nicht allein mit dem Verkehrsaufkommen, sondern mit einer Gesamtbetrachtung aus Flächenverbrauch, Zahl und Qualität der zu erwartenden Arbeitsplätze sowie Gewerbesteuereinnahmen. Konkrete Zahlen zu Jobs und möglichen Steuereffekten nennt die Vorlage nicht.
Flächen dringend gesucht
Brisant ist die Entscheidung auch deshalb, weil Mühlacker dringend Platz für neue Betriebe benötigt. Nach früheren Angaben der Stadt gibt es praktisch keine freien städtischen Gewerbebauplätze mehr, während jährlich zwischen 60 und 80 Anfragen von Unternehmen eingehen. Neue Gewerbegebiete im Außenbereich werden derzeit nicht planerisch vorbereitet. Das ehemalige Steuler-Areal gehört damit zu den wichtigsten Flächen, auf denen überhaupt noch eine größere gewerbliche Entwicklung möglich ist.
Planungsrechtlich hat die Stadt bereits reagiert. Für die zur Neubebauung vorgesehene westliche Grundstückshälfte beschloss der Ausschuss im März 2025 eine Veränderungssperre. Laut aktueller Vorlage wurde diese bislang jedoch nicht ortsüblich bekannt gemacht. Nun soll ein entsprechender Beschluss für das gesamte Gelände vorbereitet werden.
Damit steht am Dienstag mehr zur Debatte als ein einzelnes Bauprojekt. Es geht um die Frage, welche Unternehmen auf einer der wichtigsten noch verfügbaren Gewerbeflächen Mühlackers Platz finden sollen.
