Bitter für Badegäste: Nagoldfreibad in Pforzheim bleibt diese Saison zu
Pforzheim. Regelrecht mit der Zunge geschnalzt hatten im Herbst noch die Mitglieder des Fördervereins über den raschen Baufortschritt in ihrem Nagoldfreibad. Sogar von einer möglichen Wiedereröffnung bereits zum 1. Mai war damals die Rede. Um so bitterer schmeckt nun diese Pille, die alle Freunde der Freizeitanlage nahe der Bogenbrücke in Dillweißenstein zu schlucken haben. Der Neustart verzögert sich wohl bis weit in den Hochsommer hinein. Warum?
In einer Mitteilung verweist die Stadtverwaltung auf den enormen Umfang der Maßnahmen. Neben der Auskleidung des großen Schwimmbeckens mit einer Edelstahlwanne werde die gesamte Technik in einem neuen Gebäude installiert. Der Kiosk und die Aufenthaltsräume für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten eine Frischzellenkur. Zudem wird das Kinderbecken saniert.
Tiefer rein in den Fels
„Bedingt durch die mehrere Wochen andauernde Frostperiode zu Jahresbeginn konnten einige Gewerke nicht termingerecht fertiggestellt werden“, führt der städtische Sprecher Christian Schweizer den tatsächlich harten und zähen Winter ins Feld. Dies habe in der Folge zu Verzögerungen bei den nachfolgenden Gewerken geführt. Zum Verzug hätten „nicht vorhersehbare Zusatzarbeiten“ beigetragen, die unter anderem durch einen deutlich stärkeren Felsaufbruch notwendig geworden seien. Dessen Ausmaß sei vorher nicht bekannt gewesen, da das Bad bis Baubeginn noch in Betrieb war.
Insgesamt führe dies nun „leider zu mehrwöchigen Verzögerungen“, so Schweizer. Die Sanierung – bislang auf elf Millionen Euro taxiert – könne „voraussichtlich erst bis Mitte oder Ende August“ abgeschlossen werden: „Eine Öffnung des Familienbads zur Badesaison 2026 kann daher nicht stattfinden.“ Die verzögerten Arbeiten ließen sich „unter anderem aufgrund der besonderen topographischen Lage des Bads als langgezogenes, schmales Gelände“ auch nicht beschleunigt nachholen. Jedes Folgegewerk sei von der Fertigstellung des vorangehenden Gewerks abhängig.
„Die Verschiebung der Eröffnung des Nagoldbads ist natürlich für alle Badegäste sehr bedauerlich, aber unter den äußeren und unvorhergesehenen Umständen leider nicht anders möglich“, so der Erste Bürgermeister Dirk Büscher. Viel wichtiger sei aber, „dass die umfassende Sanierung dieses traditionsreichen Familienbads mit allen geplanten Maßnahmen umgesetzt wird. Dies garantiert eine zukunftsfähige Weiterentwicklung und die langfristige Sicherung des Nagoldbads.“
Auf ihrer Jahresversammlung seien die Mitglieder des Fördervereins Nagoldfreibad Pforzheim am Donnerstagabend über die Verzögerungen informiert worden. Büscher will auch am Montag im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen zu den aktuellen Entwicklungen berichten.
Als Ausweichmöglichkeit stehe Badegästen ab 16. Mai das Wartbergfreibad zur Verfügung. Dort könnten sie das 50-Meter-Becken, das Sprungbecken sowie das Nichtschwimmerbecken „wie gewohnt genießen“. Da im Freibad auf dem Wartberg umfangreiche Arbeiten für den Neubau des Panoramabads stattfinden, müssten die Gäste aber mit Einschränkungen rechnen. So werde das Kinderplanschbecken im Zuge des Hallenbad-Neubaus und der Sanierung des Freibads zurückgebaut und stehe in der Freibadsaison nicht zur Verfügung. Zudem würden zwei Drittel der Liegewiese für die Baustelleneinrichtung benötigt. Es könne während der Saison zu Beeinträchtigungen durch Baulärm kommen. Der Eingang zum Freibad werde an der Wartbergallee in Richtung Wasserturm versetzt.
Jörg Müller, der Vorsitzende des Fördervereins Nagoldfreibad Pforzheim, zeigt in einer ersten Reaktion gegenüber PZ-News Verständnis: „Wir müssen uns zunächst genauer informieren lassen. Aber ich bin vom Baufach und sehe ja selbst, was noch alles zu tun ist. Es waren wirklich extreme Witterungsbedingungen im Winter. Für unseren Verein ist es das Wichtigste, dass das Bad saniert wird. Darüber freuen wir uns. Wir werden das jetzt irgendwie gemeinsam ins Ziel bringen.“
