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Pforzheim -  11.03.2026
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Block-Prozess: Pforzheimer Landwirt erneut unter Verdacht

Pforzheim/Hamburg. Ein Pforzheimer Landwirt soll laut aktuellen Erkenntnissen stärker an der mutmaßlichen Entführung der Block-Kinder beteiligt gewesen sein als bisher angenommen. Er soll nicht nur das leere Wohnmobil vor der Entführung nach Hamburg gebracht haben, sondern auch die Mutter Christina Block und ihre entführten Kinder später von Pforzheim nach Hamburg gefahren haben, berichten Medien, die Einsicht in exklusive Protokolle hatten.

In diesem Wohnmobil wurden die beiden Kinder mit ihrer Mutter von Pforzheim nach Hamburg gefahren. Saß ein Pforzheimer am Steuer?
In diesem Wohnmobil wurden die beiden Kinder mit ihrer Mutter von Pforzheim nach Hamburg gefahren. Saß ein Pforzheimer am Steuer? Foto: Polizei Hamburg

Bisher bekannt war, dass die mutmaßlichen Block-Entführer auf einem Bauernhof in Pforzheim zeitweise unterkamen. Dorthin wurden in der Silvesternacht 2023/2024 auch die zehn und 13 Jahre alten Geschwister nach der Entführung gebracht. Anschließend wurden sie mit einem Wohnmobil, das auf eine Person mit Wurmberger Anschrift zugelassen war, nach Hamburg gefahren. Laut Medienberichten hatten der Landwirt und einer der mutmaßlichen Entführer, der Chef einer israelischen Sicherheitsfirma, bereits im März 2023 Kontakt. Dieser soll durch den früheren BND-Präsidenten August Hanning zustande gekommen sein. Hanning und der Landwirt bestreiten Medien gegenüber eine Beteiligung an der Entführung.

Der Landwirt und Mitglieder seiner Familie galten eigentlich schon als entlastet. Die Ermittlungen waren mangels Tatverdacht früh eingestellt worden. Davon, dass der Pforzheimer wenige Tage vor der Entführung das Wohnmobil nach Hamburg fuhr, das später bei der Tat zum Einsatz kam, ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. Doch zu keinem Zeitpunkt habe die Familie geahnt, an einer Straftat beteiligt gewesen zu sein – das glaubten die Ermittler zumindest bisher.

Auch die Tochter des Bauernhofbesitzers beteuerte im PZ-Gespräch im Juli 2025, dass ihre Familie unschuldig sei und unglücklicherweise in die Lage hineingeraten sei. Von einer Entführung hätten sie nichts gewusst.

Nun bestätigte aber die Staatsanwaltschaft Hamburg der PZ, dass derzeit geprüft werde, ob die Ermittlungen gegen drei Mitglieder einer Pforzheimer Familie wieder aufgenommen werden. Anlass für die Prüfung seien laut Oberstaatsanwältin Mia Sperling-Karstens „Erkenntnisse aus einem bei der Staatsanwaltschaft Hamburg geführten gesonderten Ermittlungsverfahren, das weitere mutmaßlich Beteiligte an den Geschehnissen in der Silvesternacht 2023/24 in Dänemark betrifft“.

Genaueres wollte die Oberstaatsanwältin mit Blick auf die noch nicht abgeschlossene Zeugenvernehmung und die in dem gesonderten Verfahren laufenden Ermittlungen nicht sagen. Eine endgültige Entscheidung über die Wiederaufnahme der Ermittlungen werde frühestens nach Abschluss der Aussage des aktuell in der laufenden Hauptverhandlung gehörten Zeugen und mutmaßlichen Entführers erfolgen, so Sperling-Karstens.