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Schömberg -  01.04.2025
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Charlottenhöhe: Neuer Eigentümer zahlt nicht – der Dauerärger geht weiter

Schömberg/Calw. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Doch als die Charlottenhöhe im Januar das bereits dritte Mal in ihrer jüngeren Geschichte zur Zwangsversteigerung stand, da gab es schon Vorzeichen, dass der Dauerärger um das mittlerweile mystische Areal mit seinen historischen Gebäuden nicht enden wird: Ein Teil von einem Feuer so zerstört, dass Lebensgefahr besteht und schon über einen Abriss diskutiert wurde, und der Rest der Häuser in einem kaum besseren Zustand.

Brand Charlottenhöhe
Eines der Hauptgebäude der Charlottenhöhe ist bei einem Feuer 2023 massiv zerstört worden. Foto: Meyer (Archivfoto)

Dazu die Forderungen der Gemeinde Schömberg von rund 365.000 Euro und ein Höchstbietender aus Bielefeld, der sich bei der Zwangsversteigerung vertreten und nur widerwillig die notwendige halbe Million Euro in den Raum werfen ließ. Als das Geld vom neuen Eigentümer auch zwei Monate später immer noch fehlte, da schwand die Hoffnung weiter, dass bis zum neu angesetzten zweiten Verteiltermin an diesem Dienstag eine Überweisung aus Norddeutschland eingehen wird. Und so ist es nun auch. Die 500.000 Euro fehlen. Wie geht es weiter?

So kurios es klingen mag: Der Mann aus Bielefeld bleibt der Eigentümer der ehemaligen Lungenheilanstalt – auch wenn er nicht gezahlt hat. So war das auch schon bei der zweiten Zwangsversteigerung am Amtsgericht Calw im Sommer 2021 als ein Mannheimer ebenfalls als Mittelsmann die Charlottenhöhe für rund 1,3 Millionen Euro ersteigert und von dem Geld ebenfalls nie jemand etwas gesehen hatte.

Der Bielefelder bleibt so lange Eigentümer, bis das Areal mit seinen vielen Gebäuden wieder unter den Hammer kommt. „Dies wäre noch ein weiteres Mal möglich“, erklärte Kerstin Müller, Direktorin des Amtsgerichts Calw, vor einiger Zeit.

Bisher kam der Wunsch nach einer Zwangsversteigerung immer von der Gemeinde Schömberg. Schließlich hofft die Kommune seit Jahren auf die Begleichung von Schulden des Vor-Vor-Besitzers in Höhe von rund 325.000 Euro. Und das Rathaus will darüber hinaus 40 000 Euro für einen Feuerwehreinsatz im Oktober 2023, bei dem eines der Hauptgebäude massiv zerstört wurde.

Es geht also um viel Geld, das die Gemeinde besonders jetzt in Zeiten der finanziellen Notlage dringend braucht. Kein Wunder, dass Kämmerer Ralf Busse beim nicht-öffentlichen Verteilungstermin im Amtsgericht Calw am Dienstagnachmittag persönlich anwesend ist. Dort erfährt er auch final, dass das Geld nicht eingegangen ist. Wie Schömberg nun damit umgeht, bleibt unklar. Rathaussprecherin Stefanie Stocker gibt dazu keine weiteren Infos. Die Verwaltung werde nun gemeinsam mit dem Gemeinderat beraten, wie es in der Sache Charlottenhöhe weitergeht.

Schömberg wird wohl ein weiteres Mal in den sauren Apfel beißen und eine vierte Zwangsversteigerung beantragen müssen, um endlich an die 365 000 Euro zu kommen. Mit einem Abriss der Gebäude, den viele fordern, der aber rechtlich nicht möglich ist, würde das langersehnte Geld sicher mit verschwinden. Die Gemeinde müsste für die Arbeiten sogar noch draufzahlen.

Da beim jetzigen Verteilungstermin kein Geld eingegangen ist, werden die 500.000 Euro nun als Zwangshypothek im Grundbuch eingetragen. Ein weiteres Kapitel in der schier unendlichen Geschichte der Charlottenhöhe.