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Bahn -  22.07.2026
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Das steht im Bericht zum tödlichen Zugunglück von Riedlingen

Wetter, Zugtyp, Mitarbeiter: Ein Ermittlerteam hat sich die Umstände des Zugunglücks von Riedlingen ganz genau angeschaut. Zu welchen Ergebnissen es gekommen ist - und wie es jetzt weitergeht.

Zugunglück in Oberschwaben
Bei dem Unglück in Oberschwaben starben drei Menschen. (Archivbild) Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Drei Menschen sterben, 36 werden teils schwer verletzt, darunter auch Kinder. Das tödliche Zugunglück von Riedlingen vor knapp einem Jahr ist bundesweit eines der schwersten der vergangenen Jahre. Fast ein Jahr lang untersuchten Experten der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) den Fall. Nun haben sie ihren Bericht vorgelegt, in dem sie auf 57 Seiten minuziös auflisten, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Ein Überblick über die wichtigsten Erkenntnisse des Berichts: 

Die Rolle des Wetters

Ausgelöst wurde das Unglück den Experten zufolge letztlich durch das Wetter am Unglückstag. Dem Bericht zufolge zog kurz vor dem Vorfall eine Gewitterfront über Oberschwaben. Am Unglücksort fielen demnach innerhalb einer Stunde rund 28 Liter Regen. Laut dem Bericht stufte der Deutsche Wetterdienst das Regenwetter nicht als außergewöhnlich ein. Vergleichbare Starkregen seien seit 2001 in der Region mehrfach registriert worden.

Weil der Boden bereits durch vorherigen Regen gesättigt gewesen sei, habe er das zusätzliche Wasser nur noch begrenzt aufnehmen können. Wegen des vielen Wassers habe sich an der Unglücksstelle ein Hangrutsch gebildet, Schlamm und Erdreich landeten auf und neben dem Gleis.

In diesen Hangrutsch fuhr die Regionalbahn aus Richtung Sigmaringen dann mit einer Geschwindigkeit von etwa 150 Kilometern pro Stunde hinein, schreiben die Autoren des Untersuchungsberichts. Dadurch sei der vordere Triebwagen entgleist und wegen der hohen Geschwindigkeit den Hang hinauf geschoben worden. Auch die anderen Triebwagen entgleisten. Der Kontakt zum Zug brach ab. Neun Minuten später wurde die Strecke gesperrt. 

Die Rolle des Lokführers

Der 32 Jahre alte Lokführer, der bei dem Unglück starb, konnte nach Einschätzung des Untersuchungsberichts den Zusammenprall mit dem Erdrutsch nicht verhindern. Er habe die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 150 Kilometern pro Stunde eingehalten. Eine Schnellbremsung habe der Lokführer nicht mehr eingeleitet. Er habe den Hangrutsch wegen des Streckenverlaufs nur 60 Meter vorher sehen können, heißt es im Bericht. Ein rechtzeitiges Erkennen des Hindernisses sei dem Mann nicht möglich gewesen. 

Zudem sei das Unwetter zum Zeitpunkt der Abfahrt in Riedlingen bereits weitergezogen gewesen. Der Lokführer sei deswegen, und auch weil ihm keine Anweisungen etwa zur Reduzierung der Geschwindigkeit vorlagen, davon ausgegangen, dass er die Strecke mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit befahren konnte. 

Die Rolle der Fahrdienstleiter

Die Fahrdienstleiter, die in Riedlingen und Rechtenstein für den Streckenabschnitt zuständig waren, waren dem Bericht zufolge von der Wetterlage vor dem Unglück beunruhigt. In Telefonaten sprachen sie demnach von «Weltuntergangsstimmung» und davon, dass das Wetter «beschissen» sei. Die Fahrdienstleiter hätten aber keinen Anlass gesehen, Maßnahmen zu ergreifen, schreiben die Autoren des Berichts. 

Vorwürfe machen die Autoren den Mitarbeitern aber nicht. Eine Handlungsanweisung, wie sie mit dem angekündigten Starkregen hätten umgehen müssen, habe nicht vorgelegen. 

Die Rolle der Bahn

Der Bericht geht davon aus, dass die Fahrdienstleiter wegen sich teils widersprechender Vorgaben unter einem Zielkonflikt standen. Einer Vorschrift zufolge hätten sie immer erst für Sicherheit und dann für Pünktlichkeit sorgen müssen. Eine andere Vorschrift habe dagegen eine maximale Betriebsqualität - also eine hohe Pünktlichkeit - vorgesehen.

«Beiden Anforderungen können Fahrdienstleiter nicht immer konfliktfrei gerecht werden», heißt es im Bericht. Ordneten sie Maßnahmen an, die die Pünktlichkeit beeinträchtigten, entstehe ein gewisser Rechtfertigungsdruck ihren Vorgesetzten gegenüber.

Die Rolle des Zugtyps

Die Ermittler prüften auch den verunglückten Zug. Hinweise auf Mängel, die zum Unfall hätten beitragen können, hätten nicht vorgelegen, schreiben die Autoren des Untersuchungsberichts. Die Triebwagen des Zuges hatten demnach einen sogenannten Bahnräumer verbaut. Dieser habe die Räder des Zuges gegen Schäden durch kleinere Gegenstände auf den Gleisen schützen sollen. Schlamm oder Erdreich hätten die Räumer aber nicht abhalten können. Das sei auch nicht vorgesehen gewesen, heißt es. 

Inzwischen seien die Anforderungen an die Bahnräumer weiterentwickelt worden. Diese sollen nun eine kontinuierliche Barriere darstellen, die auch als Schneepflug fungieren kann. Ob ein Bahnräumer neuerer Bauart die Entgleisung des Zuges verhindert hätte, könne nicht abschließend bewertet werden. 

Die Rolle der Behörden

Neben der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung befasst sich auch die Staatsanwaltschaft Ravensburg mit dem Zugunglück. Sie hatte direkt nach dem Vorfall ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Das ist bei nicht natürlichen Todesfällen üblich. Laut einem Sprecher der Behörde dauern die Ermittlungen noch an. Man warte immer noch auf ein geologisches Gutachten. Den Untersuchungsbericht der Bundesstelle werde man prüfen, sagte der Sprecher.

© dpa-infocom, dpa:260722-930-420164/4

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