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Eutingen -  11.03.2026
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Der Fußball kehrt nach Eutingen zurück: Neuer Verein setzt erstmal auf den Nachwuchs

Pforzheim. Der Fußball lebt wieder in Eutingen: Am 29. Juli 2025 wurde der FC Eutingen ohne größere öffentliche Aufmerksamkeit offiziell neu gegründet. Hinter dem Neustart steht ein engagiertes Team aus ehemaligen Fußballern und Unterstützern des damaligen 1. FC Eutingen 1909, die vor allem eines im Blick haben – den Nachwuchs.

Der Vorstand des neugegründeten FC Eutingen: obere Reihe von links Robin Uhlig, Thomas Bossert, Joachim Boob, Ilya Kocamahhul, Salvatore Tusa, Rovin Riegsinger. Untere Reihe von links Michael Ullmann und Roberto Azzaro.
Der Vorstand des neugegründeten FC Eutingen: obere Reihe von links Robin Uhlig, Thomas Bossert, Joachim Boob, Ilya Kocamahhul, Salvatore Tusa, Rovin Riegsinger. Untere Reihe von links Michael Ullmann und Roberto Azzaro. Foto: FC Eutingen

Kurzer Rückblick: Der 1. FC Eutingen wurde 1909 gegründet und spielte bis zur Saison 2010/11 in der Kreisklasse Pforzheim. Zur Spielzeit 2011/12 fusionierte der Verein mit Germania Brötzingen zum neuen Club SV Kickers Pforzheim. Einige Eutinger Kinder hörten daraufhin auf Fußball zu spielen.

Der Vorstand

Zum Vorstand des neugegründeten FC Eutingen gehören nun Joachim „Bobby“ Boob als Vorstandsvorsitzender, Michael Ullmann (Schatzmeister) und Salvatore Tusa (Schriftführer). Stellvertretende Vorsitzende sind Ilyas Kocamahhul sowie Thomas „ThomBo“ Bossert als zweiter Stellvertreter. Zu den weiteren Gründungsmitgliedern zählen Roberto Azzaro, Robin Uhlig und Rovin Riegsinger. Eine genau Mitgliederzahl gibt es nicht. Aber rund 90 Leute gehören einer WhatsApp-Gruppe des FC Eutingen an.

Wenige Monate nach der Gründung – Mitte Oktober 2025 – fand das erste Training für Kinder der Jahrgänge 2016 bis 2021 statt – und zwar auf dem Gelände der Eisenbahner in Eutingen. Die Wetterbedingungen hätten kaum schlechter sein können. Nach vier Tagen Dauerregen war im Vorfeld unklar, ob die Einheit auf dem Platz, den so mancher auch liebevoll als „Acker“ bezeichnet, überhaupt stattfinden kann.

Doch siehe da, rund 20 Kinder kamen gemeinsam mit ihren Eltern.

„Da haben wir nicht schlecht gestaunt“, blickt Salvatore Tusa zurück. Für die Verantwortlichen sei das ein starkes Signal gewesen. „Das hat uns gezeigt, dass es ein großes Bedürfnis für einen eigenen Fußballclub in Eutingen gibt“, so Tusa weiter.

Der neue Verein verfolgt eine klare Philosophie. Jedes Kind soll willkommen sein. Dabei geht es nicht um Leistung, sondern um Freude am Spiel. Ziel sei es, die Kinder zu fördern – nicht um besser als andere zu sein, sondern um sich selbst weiterzuentwickeln. Das soll im Training geschehen wie auch durch die Teilnahme an Turnieren. Vor organisatorische Herausforderungen stellte den Verein aber der Trainingsplatz: Auf dem Eisenbahner-Sportplatz gibt es kein Flutlicht. Mit der Zeitumstellung und der früheren Einsetzung der Dunkelheit musste daher eine Alternative gefunden werden. Für die Wintermonate wurde schließlich eine Lösung gefunden: Die Trainingseinheiten fanden in der Halle der Waldorfschule statt, die der Verein angemietet hat.

Langfristig bleibt aber der Wunsch nach einer eigenen Heimat. Ein eigener Platz für die Jugendmannschaften ist eines der großen Ziele des Vereins. Erste Gespräche dazu hätten bereits in eine positive Richtung geführt, heißt es aus dem Vorstand.

Für viele der Verantwortlichen ist das Engagement auch eine persönliche Herzensangelegenheit.

„Wir vom Vorstand hatten das Privileg, in einer Zeit jung gewesen zu sein, in der es in Pforzheim genügend Fußballplätze gab. Damals gab es Trainer und Betreuer, die sich für uns eingesetzt haben. Heute möchten wir uns für die Kinder einsetzen und eine Stimme für sie sein“, sagt Tusa.

Ein erstes sportliches Lebenszeichen will der gegründete Verein nun am 25. März setzen. An dem Mittwochabend tritt nämlich die FCE-AH-Revivalmannschaft zu einem Freundschaftsspiel beim 1. FC Engelsbrand an. Für die Beteiligten ist es mehr als nur ein Spaßkick.

Das Spiel soll zeigen:

„Wir sind noch da – oder besser gesagt: Wir sind wieder da“, lautet die Botschaft des Vereins.

Ein erstes Freundschaftsspiel gab es schon 2024. Damals gegen den FV Göbrichen, den man mit 7:6 besiegte. Das war der Auftakt zum neuen FC Eutingen.

Das Spiel gegen Engelsbrand soll nun erneut Aufmerksamkeit schaffen – für den Verein, insbesondere für die Jugendabteilung, die man ausbauen möchte.

Wie sehr die ehemaligen Mitglieder mit ihrem 1. FC Eutingen noch verbunden sind, zeigt, dass Ali Kalkan, der aktuell noch in einer Stuttgarter Liga aktiv ist, extra für diesen Abend gegen Engelsbrand im Trikot seines Jugendvereins auflaufen möchte. Für ihn sei es „das Größte“, noch einmal für den FC Eutingen spielen zu dürfen, teilt Tusa mit.

Der neu gegründete FC Eutingen hofft jedenfalls, Schritt für Schritt weiter zu wachsen – und vielen Kindern aus Eutingen eine sportliche Heimat zu bieten.

Hintergrund: Der 1. FC Eutingen wurde am 8. April 1909 im Eutinger Gasthaus „Adler“ aus der Taufe gehoben. Sportlich sorgte der Verein vor allem in der Nachkriegszeit für Aufsehen: In der Saison 1948/49 gelang dem FCE der Aufstieg in die badische Landesliga, die spätere 1. Amateurliga. Ein Jahr später folgte mit dem Gewinn des badischen Pokals der Amateure gegen den ASV Durlach der wohl größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Zu den bekanntesten Spielern zählt Marc Rapp, der später unter anderem auch für den Karlsruher SC (1990 bis 1992), den VfR Pforzheim (1992 bis 1995), den 1. FC Pforzheim (1995 bis 1997) sowie für die TSG 1899 Hoffenheim (1998 bis 2002) auflief.