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Pforzheim -  11.09.2026
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Desaströse Pisa-Studie: Schulleiter aus der Region sagen, was sich ändern muss

Pforzheim. Es sind alarmierende Ergebnisse, die Deutschlands Schulen zum Start ins neue Schuljahr begleiten: Die Leistungen der 15-Jährigen sind laut der neuen Pisa-Studie in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften so schlecht wie noch nie seit Beginn der Erhebungen vor 25 Jahren. Jeder dritte Jugendliche erreicht beim Lesen und in Mathematik nicht einmal das grundlegende Kompetenzniveau, in den Naturwissenschaften gilt das für etwa jeden Vierten. Die PZ hat mit Schulleitern und Lehrern darüber gesprochen, was sich jetzt ändern muss.

Pisa-Studie
Deutschland schneidet bei der neuesten Pisa-Studie so schlecht ab wie nie. Jens Büttner/dpa Foto: picture alliance/dpa

Es sind alarmierende Ergebnisse, die Deutschlands Schulen zum Start ins neue Schuljahr begleiten: Die Leistungen der 15-Jährigen sind laut der neuen Pisa-Studie in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften so schlecht wie noch nie seit Beginn der Erhebungen vor 25 Jahren. Jeder dritte Jugendliche erreicht beim Lesen und in Mathematik nicht einmal das grundlegende Kompetenzniveau, in den Naturwissenschaften gilt das für etwa jeden Vierten.

Für Rebecca Stralendorff (Foto: Meyer), Geschäftsführende Schulleiterin aller Grund-, Werkreal-, Gemeinschafts- und Realschulen sowie der sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren, zeigen die Ergebnisse vor allem eines: Es benötigt Reformen. Vielleicht sogar eine gesellschaftliche Revolution, sagt sie. Programme wie „Startchancen BW“, bei dem seit 2024 über den Zeitraum von zehn Jahren rund 2,6 Milliarden Euro in die Bildung in Baden-Württemberg gesteckt werden sollen, oder das Sprachförderkonzept „SprachFit“ sieht Stralendorff dabei als einen guten Anfang. Dass die Reformen allerdings nicht innerhalb von einem Jahr wirken, dessen ist sie sich bewusst. Doch sie hofft, dass bald die ersten Effekte zu spüren sind. Das Geld werde jedenfalls dringend benötigt, auch um neues Personal zu rekrutieren. Ohne dieses sei eine adäquate Wissensvermittlung nicht möglich. „Die individuelle Förderstunde wird als Erstes gestrichen“, sagt die Schulleiterin. Doch nur mit solchen Angeboten könne man die Chancengerechtigkeit vorantreiben.

Immer wieder betont Stralendorff, dass Bildung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei. Sie fange nicht in der Schule an, sondern schon ab dem ersten Tag. Und: „Reformen alleine helfen nicht.“ Viele Menschen hätten ihren Fokus nicht auf Bildung ausgerichtet. Das fange schon bei Kleinigkeiten wie dem Vorlesen zu Hause an, das immer weniger stattfände. Für die Schulleiterin unverständlich. „Kinder sind das Potenzial der Gesellschaft.“ Nur durch Bildung könne dieses Potenzial aktiviert werden. Doch sie sieht auch die Situation der Familien. „Viele Eltern müssen zwei Einkommen erwirtschaften. Sie versuchen ihr Bestmögliches.“ Vom Fingerzeigen auf Einzelne halte sie nichts. Denn nur wenn es eine gesamtgesellschaftliche Fokuswende Richtung Bildung gebe, würden sich auch die Pisa-Ergebnisse wieder verbessern. Das Potenzial dazu sieht Stralendorff jedenfalls in den Kindern.

Rektor mahnt Konzentration an

Für Andreas Enderle (Foto: Enderle), Schulleiter des Enztal-Gymnasiums in Bad Wildbad, ist das Ergebnis der aktuellen Pisa-Studie überraschend. Schon seit 30 Jahren ist er im Dienst und verfolgt daher auch die Pisa-Entwicklung schon über viele Jahre. „Im Gegensatz zu anderen Ländern hat Deutschland das Problem, nicht kontinuierlich an Reformen zu arbeiten, sondern immer nur dann, wenn es wieder einen großen Wumms gibt“, sagt er. In der aktuellen Bildungsplanreform sind seiner Meinung nach aber bereits viele wichtige Dinge angelegt, die zu Verbesserungen führen können. Vor allem das schlechte Abschneiden in den Naturwissenschaften hat ihn überrascht, denn die guten Abi-Ergebnisse in diesem Bereich zeichneten eigentlich ein anderes Bild.

Für Enderle gibt es vor allem einen Schwerpunkt, an dem gearbeitet werden müsse: „Wie lernen die Kinder wieder, sich zu konzentrieren?“ Denn viele hätten, vor allem aufgrund des großen Medienkonsums in der Freizeit, Schwierigkeiten, lange und vertieft an einer Aufgabe dran zu bleiben. Und auch die Bereitschaft, den Nachmittag zu nutzen, um zu lernen, ist seiner Meinung nach zu gering. „Wir hatten da schon viele Förderangebote, die aber kaum nachgefragt wurden“, berichtet er. Auch spricht er sich dafür aus, in einer Art Schülerportfolio alle Lerndaten rund um jeden Schüler zu erfassen, damit Schwierigkeiten individuell im Blick behalten werden können.

Zudem hält Enderle es für wichtig, dass Schüler an der Schule leichter Hilfe finden, wenn sie eine Schwäche erkennen und daran arbeiten wollen. Hier müssten die Schulen besser ausgestattet werden.

Kleinere Klassen gefordert

Die studierte Gymnasiallehrerin und SPD-Landtagsabgeordnete Annkathrin Wulff (Foto: Röhr) sagt aus ihrer Berufserfahrung: Kleinere Klassen würden zu einer besseren Förderung einzelner Schüler sorgen. Sowohl für die mit deutlichen Defiziten, aber auch für die, bei denen etwaige Hochbegabungen bestehen. Multiprofessionelle Teams aus Lehrern, Sozialarbeitern und eventuell Sonderpädagogen könnte bei sozial benachteiligten Schülern ebenso Erfolge bringen. Auch wenn kostenlose Kitas und eine frühzeitige Sprachförderung helfen würden, wie sie die SPD schon lange forderten: „Man kann das Problem nicht auf Migration reduzieren“, sagt Wulff. Stattdessen lobt sie, wie schon Rebecca Stralendorff und auch der Schulleiter des Lise-Meitner-Gymnasiums, Hartmut Westje-Bachmann, das Startchancenprogramm im Land. Nur durch solche Investitionen – die laut Wulff in Bildung nie falsch investiert sind – seien dauerhafte Verbesserungen im Bildungssystem möglich.

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