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Pforzheim -  30.07.2026
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Die Hitze kehrt zurück nach Pforzheim: Wer dabei besonders gefährdet ist

Pforzheim. Es wird wieder heiß in Pforzheim. Dann wächst nicht nur die Belastung für Mensch und Natur, sondern auch für Rettungsdienste und Kliniken. Bereits während der vergangenen Hitzewelle mussten sie deutlich mehr Patienten versorgen – vor allem eine Altersgruppe gerät oft in akute Not.

Vor allem Senioren leiden unter der Wärme. Viele musste der Rettungsdienst aus ihren überhitzten Wohnungen holen.
Vor allem Senioren leiden unter der Wärme. Viele musste der Rettungsdienst aus ihren überhitzten Wohnungen holen. Foto: Symbolbild: Sebastian Kahnert/picture alliance /dpa

„Insbesondere an den heißen Wochenenden suchten täglich rund zehn Patientinnen und Patienten ausschließlich aufgrund hitzebedingter Beschwerden Hilfe“, erklärt Dr. Cornelius Ehmann, Chefarzt der Klinik für Akut- und Notfallmedizin und Leiter der Zentralen Notaufnahme (ZNA) im Siloah St. Trudpert Klinikum. Ihm zufolge erreichte die ZNA mit 970 behandelten Patienten in der letzten Juniwoche einen Höchstwert. Zusätzlich seien etwa 600 Patienten in der Notfallpraxis akutmedizinisch versorgt worden. Ihren Höchststand hatte die Belastung am 6. Juli – mit insgesamt 250 behandelten Patienten an einem einzigen Tag.

Mehr stationäre Aufnahmen

Auch das Helios Klinikum hat beobachtet, dass deutlich mehr hitzeerkrankte Menschen behandelt werden müssen als früher. Laut Sprecherin Christina Ihle gab es im Juni ein spürbar erhöhtes Aufkommen an Patienten, die aufgrund eines Hitzeschlags, Dehydration oder gefährlichem Hitzestau stationär aufgenommen werden mussten.

Vor allem für ältere Menschen ist große Hitze grundsätzlich lebensgefährlich. Das bestätigt Dr. Peter Engeser, Hausarzt und Vorsitzender der Notfallpraxis der Pforzheimer Ärzteschaft, der viele noch zuhause wohnende Patienten mit einem Alter von über 80 Jahren betreut. Ab 80 lässt das Empfinden für Durst und für die Notwendigkeit zu trinken deutlich nach, rasch sinkt dann auch das Konzentrationsvermögen, eine gewisse Verwirrtheit des zunehmend dehydrierten Patienten tritt ein.

„Die Zeitspanne, in der ein halber Liter sie wieder auf die Beine bringt, ist relativ knapp, bevor es kippt.“

Dr. Peter Engeser, Hausarzt und Vorsitzender der Notfallpraxis der Pforzheimer Ärzteschaft

In einigen Fällen helfe es dann laut Engeser, über Nacht per Infusion einen Liter Flüssigkeit zuzuführen – aber nicht immer. Dies dürfe zudem nur unter Aufsicht erfolgen.

Überhitzte Wohnungen

Gerade, weil das Gefühl für Durst oft nicht mehr gegeben sei, reiche es nicht, ältere Menschen nur kurz zum Trinken aufzufordern, man müsste im Prinzip längere Zeit daneben sitzen, bis sie getrunken haben. „Unter normalen Umständen 1,5 bis zwei Liter, bei Hitze noch einen Liter mehr“, rät Engeser. Diese Zeit, beim älteren Menschen zu sitzen und sein Trinkverhalten zu kontrollieren, gebe es vielfach für die Mitarbeiter in Pflegeeinrichtungen nicht. Auch Angehörigen sei es oft nicht möglich, ständig bei noch alleine lebenden Senioren zu gewährleisten, dass sie genügend trinken.

Sehr häufig musste daher der Rettungsdienst des DRK-Kreisverbands Pforzheim-Enzkreis während der Hitzewelle zu alleinstehenden Älteren in überhitzte Wohnungen ausrücken.

„Ältere, alleinstehende Menschen, die zudem nicht mehr mobil sind, hatten nicht die Möglichkeit, sich an kühleren Orten Entlastung zu verschaffen.“

Anna Brenner, Sprecherin des DRK-Kreisverbands Pforzheim-Enzkreis.

Da es sich nachts nicht erheblich abgekühlt habe, habe sich die Wärme in den Wohnungen zusätzlich gestaut, sagt Brenner. Der Rettungsdienst traf dann auf dehydrierte Senioren, die an Hitzeerschöpfung oder Hitzschlägen litten. Auch chronische Erkrankungen hätten vermehrt zu Verschlechterungen des Gesundheitszustandes geführt.

Regelmäßige Ruhepausen

Während der heißesten Tage lag das Einsatzaufkommen laut Brenner etwa ein Viertel bis ein Drittel über dem üblichen Niveau. Die Lage sei zwar überproportional hoch, aber noch zu managen gewesen. Allerdings bedeutet Hitze auch für die Einsatzkräfte eine zusätzliche Belastung. Das DRK reagierte unter anderem mit gelockerten Kleidervorschriften, einer gesicherten Getränkeversorgung, möglichst gekühlten Rettungswachen und klimatisierten Einsatzfahrzeugen.

Vorausschauend empfiehlt das Helios besonders älteren Menschen, Schwangeren, Kindern sowie Personen, die körperlich im Freien arbeiten, auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr, regelmäßige Ruhepausen und moderate Abkühlung zu achten. Generell wird geraten, die direkte Sonne zu meiden, körperliche Aktivitäten möglichst auf die kühleren Morgen- und Abendstunden zu verlegen und leichte Mahlzeiten einzunehmen. 

Autor: ola/kli