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Pforzheim -  25.06.2026
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Die PZ wagt den „SpielMich“-Selbsttest in Pforzheim: 19-Jährige verzaubert Passanten am Straßenklavier

Pforzheim. Die Sonne knallt auf das Klavier, das einsam an der Blumenstraße vor dem Feinkostgeschäft „Vom Fass“ steht. Heiß sind die schwarzen Tasten, der schwarze Lederhocker ist ebenfalls gefühlt am Brennen, und Schatten sucht man hier vergeblich. In den Eiscafés rechts und links des Instruments sitzen vereinzelt Menschen, die versuchen, mit einem Eis oder Milchshake gegen die pralle Mittagshitze anzukämpfen. Doch plötzlich tut sich was. Eine junge Frau, gerade einmal 19 Jahre alt, nimmt an dem Klavier Platz. Die Passanten schauen neugierig von ihren Eisbechern auf und warten gespannt darauf, dass sie zu spielen beginnt.

Ein Glanzlicht im Probenalltag von „Why Not“ aus Göbrichen: der Auftritt an einem „Spiel mich!“-Klavier.
Ein Glanzlicht im Probenalltag von „Why Not“ aus Göbrichen: der Auftritt an einem „Spiel mich!“-Klavier. Foto: Why not choir

Dann erklingt der erste Ton. Musikexperten erkennen vermutlich schnell: Hier erklingt Franz Liszts „Ständchen (Serenade)“, eine Reminiszenz an ein Kunstlied von Franz Schubert. Geübt gleiten die Finger der jungen Musikerin Julide Yazici über die Tasten des Instruments. Klavier spielt sie, seit sie fünf Jahre alt ist. Für die 19-Jährige ist es deshalb nicht das erste Mal, dass sie dabei ein Publikum hat. Nur der Ort, an dem sie spielt, ist für sie neu.

Eigentlich kommt Julide aus Rutesheim. 2024 ist sie dann mit ihrer Familie in die Vereinigten Staaten gezogen und studiert in New York Journalismus und Politikwissenschaften. Für ein mehrwöchiges Praktikum bei der „Pforzheimer Zeitung“ hat es sie nun in die Goldstadt verschlagen. Und sie wagt direkt den Selbsttest im Rahmen der Musikaktion „Spiel mich!“.

Junges Talent

Seit Julide sechs Jahre alt war, nimmt sie zudem am Musikwettbewerb „Jugend musiziert“ teil. Den ganz großen Erfolg kann sie 2024 verzeichnen. Denn zunächst schafft sie es auf regionaler Ebene mit 25 Punkten auf den ersten Platz. Weiter geht es für sie zum Wettbewerb auf Landesebene. Und auch da kann sie den Sieg für sich entscheiden. Um die Erfolgssträhne zu komplettieren, schafft sie es dann auf Bundesebene mit 21 Punkten auf den dritten Platz.

Kein Wunder also, dass kein Ton daneben geht. Für ihre Performance erntet sie viel Applaus von den Zuhörern. Aber genug hat sie scheinbar noch nicht. Vom Klavier an der Blumenstraße geht sie weiter zu jenem, das vor der Buchhandlung Thalia steht. Auch dort nimmt sie – diesmal im Schatten – auf dem schwarzen Hocker Platz und beginnt zu spielen. Und auch hier bleiben immer wieder Menschen stehen und lauschen ihrer Musik. „Sehr schön“, sagt ein Mann, der einige Minuten vor ihr selbst noch am Klavier saß und sein Talent unter Beweis gestellt hat. Während Julide erneut das Stück interpretiert, zückt er sein Handy und beginnt zu filmen. Nicht nur ihm scheint die Musik gut zu gefallen.

Passanten, die die Buchhandlung verlassen, verweilen einen Moment und lauschen den Klaviertönen. Ein Fahrradfahrer bremst vor dem Laden in der Fußgängerzone ab und hört sich das „Ständchen“ an, bevor er weiterfährt. „Zugabe“, fordert ein Zuhörer, als Julide das „Ständchen“ beendet. Sie überlegt kurz, dann hat sie eine Idee. Sie beginnt, Robert Schumanns „Aufschwung“ (op. 12, Nr. 2) zu spielen. Und auch dabei sitzt jeder Ton. Von den Passanten um sie herum erntet sie Applaus und viel Lob für ihre Darbietung.

Nicht nur Julide nutzt die mobilen Klaviere in der Innenstadt. Auch für den Chor „Why Not“ aus Göbrichen wird das Klavier vor dem Thalia zur offenen Bühne. Gemeinsam begeistern die Sängerinnen und Sänger über eine Stunde lang die vorbeieilenden Passanten mit verschiedenen Liedern. Eine echte Abwechslung zum normalen Probealltag des 18-köpfigen Chors.

Als Julide schließlich aufsteht und ihren Weg fortsetzt, scheint ihre Musik noch einen Moment durch die Fußgängerzone zu schweben. Genau das ist die Idee hinter der Aktion „Spiel mich!“: An mehreren Standorten in der Stadt laden frei zugängliche Klaviere dazu ein, selbst in die Tasten zu greifen oder einfach zu lauschen. So wird die Innenstadt zur offenen Bühne – und Menschen wie Julide Yazici zeigen, wie aus einem gewöhnlichen Sommertag ein kleines Konzert werden kann.

Die Aktion läuft noch bis zum 11. Juli. Mehr Informationen gibt es auf www.ws-pforzheim.de/stadtmarketing/ events-und-aktionen/spiel-mich

Gefühl von Gemeinsamkeit: Ein PZ-Persönlich von PZ-Redaktionsmitglied Julide Yazici

„Wenn Klaviere auf offener Straße auftauchen, dann wird Pforzheim zu einem Konzerthaus und ein jeder von uns wird eingeladen, selbst zum Musiker oder zur Musikerin zu werden. Ich habe mich auf eine solch ungewöhnliche Bühne gewagt und anstatt vor einem ausgewählten Publikum in der Pforzheimer Fußgängerzone musiziert. Statt angehaltenem Atem oder einem hinter der Hand verdeckten Husten wurde ich begleitet von lärmenden Autos und vorbeieilenden Passanten.

Umgeben von den Geräuschen der Stadt, schuf das Treiben ein Gefühl von Gemeinsamkeit immer dann, wenn mir einer der Umstehenden ein Lob zurief oder um Zugabe bat. Mein Publikum bestand aus all jenen, die beschlossen hatten, einige Minuten ihres Alltags zu opfern, um der Musik zu lauschen – ein Kompliment, das lauter klingt als jeder Applaus.“

Eine richtig tolle Aktion: Ein PZ-Persönlich von PZ-Redakteurin Elisa Hazeldine

„Eine Chorprobe an den Klavieren der ‚Spiel-mich!‘-Aktion in der Pforzheimer Innenstadt ist für mich als Sängerin des Göbricher Chors ‚WhyNot’ immer wieder etwas ganz Besonderes. Sonst finden unsere Stimmen in einem Mehrzweckraum zusammen, nun füllt unser Gesang die Fußgängerzone mit Leben. Das gemeinsame Singen schafft sofort ein Gefühl von Verbundenheit: Freude, Mut, vielleicht auch ein bisschen Respekt vor der ungewohnten ‚Bühne’. Gleichzeitig bringt der besondere Ort eine wunderbare Abwechslung. Zwischen vorbeigehenden Menschen und Straßengeräuschen bekommt die Probe einen ganz eigener Flair. Musik wird hier nicht hinter geschlossenen Türen gemacht, sondern mitten im Alltag der Stadt. So wird Chorgesang, wie in unserem Fall, für alle erlebbar: Menschen können stehenbleiben, zuhören, mitsummen oder einfach einen Moment innehalten. Ohne Eintritt, ohne Anmeldung und ohne Hemmschwelle erreichen wir ganz unterschiedliche Menschen – barrierefrei, offen und unmittelbar. Die Chorprobe wird dadurch nicht nur zu einem besonderen Erlebnis für uns als Sängerinnen und Sänger, sondern auch zu einer Einladung: Denn Musik gehört allen.“