Die Pforzheim-Optimierer: Das möchte der Jugendgemeinderat noch erreichen
Pforzheim. Sie wollen Pforzheim verändern, die Mitglieder des Jugendgemeinderats. Das einzige Problem: Das Gremium aus Jugendlichen hat keine Entscheidungskompetenz, sondern nur beratende Funktion. Abhalten lassen sie sich davon nicht. „Wir sehen uns in der Rolle als Pforzheim-Optimierer“, sagt der Präsidiumsvorsitzende des Jugendgemeinderats Leon Meyer. Und das Gremium scheint seine Rolle zu erfüllen.
Als Beweis dafür tragen Meyer und seine Jugendgemeinderatskollegen Cosmin-Petrus Ghiran, Cihad Elmas und Emma Jürß eine lange Liste voller Errungenschaften und Veranstaltungen vor. Darunter ein Holzpavillon, das Open-Air-Kino, verschiedene Abendveranstaltungen – von denen es noch mehr geben soll – und „Pudding & Politics“, als Pudding an Jugendliche verteilt und über Politik geredet wurde. Alles nur möglich mit Hilfe von anderen, betont Meyer.
Da dem Gremium die Schüler wichtig sind, organisierte es den „Tag der SMVen“. Schülersprecher der Pforzheimer Schulen seien dabei zusammengekommen, um Erfahrungen auszutauschen. Ein Ersatz für den Gesamtschülerrat, der eigentlich diese Aufgabe übernehmen sollte. Doch mit wechselnden Schülersprechern und dem damit verbundenen hohen Aufwand sei es fast unmöglich, einen Gesamtschülerrat auf die Beine zu stellen, sagt Meyer. Daher versuche der Jugendgemeinderat, eine Stelle zu schaffen, die sich um die Organisation kümmere. Die Stadt habe dafür zwar kein Geld, aber eventuell ein anderer Träger. Es gebe schon Gespräche.
Sieben Jahre Einsatz
Das größte Projekt bisher sei der Skatepark im Enzauenpark. Ohne das Gremium und seinen Einsatz über sieben Jahre, würde es den vermutlich nicht geben, sagt Meyer. Er ist davon überzeugt, dass die Stimme der Jugend mit den Jahren immer mehr Gehör finde bei der Stadt. „Inzwischen will man wissen, was die Jugend dazu denkt.“
Doch die Grenzen des Jugendgemeinderats werden bei der Frage nach besserer Fahrradinfrastruktur sichtbar. Ihr Gegenspieler: der Gemeinderat. Dessen Mitglieder bremsen die Fahrrad-Vorschläge der Jugend aus, sagt Meyer. Vereinzelt gebe es Befürworter. „Die, die Fahrrad fahren, denen ist es wichtig.“ Dabei sei es für jüngere Menschen „ganz häufig lebensgefährlich“, auf Pforzheims Straßen mit E-Scootern oder Fahrrädern unterwegs zu sein – trotzdem bleibe es für viele die einzige Möglichkeit des Individualverkehrs. Eine bessere Infrastruktur sei daher unerlässlich.
Und da sich der Jugendgemeinderat nicht nur um eine Sache gleichzeitig kümmern kann, setzt er sich unter anderem noch für eine Graffitiwand, Sportturniere, einen Musikerplatz in der östlichen Unterführung, mehr Himmelsliegen, eine Handyladesäule, eine Tischtennisplatte und Calisthenics-Geräte ein. Und natürlich auch für bessere Bolzplätze. Fußballspielen bringe die Menschen zusammen, sagt Cosmin-Petrus Ghiran. Der gemeinsame Kick sei dann „als würde man sich seit Jahren kennen“.
Etwas erstaunt waren die Mitglieder, als sie von der Pforzheim-App erfuhren, die bald kommen soll – allen voran Meyer, der sich bereits vor vielen Jahren dafür eher erfolglos eingesetzt habe. Die App bündle alle Apps der Stadt Pforzheim und soll unter anderem Events und Locations anzeigen, sagt Cihad Elmas. Ein wichtiger Schritt Richtung „Smart City“. Ganz anders beurteilt er die smarten Mülleimer in der Innenstadt: „Unnötig“. Und die digitalen Busanzeigetafeln an den Haltestellen? „Peinlich für die Stadt Pforzheim.“ Sie würden nie funktionieren, ganz zu schweigen von den oft auf dem Kopf stehenden Anzeigetafeln im Bus. „Wir müssen erstmal eine Smart City werden, bevor wir eine Unistadt werden“, fordert er und der gesamte Jugendgemeinderat.
Ein kontroverser Punkt im Gremium: Videoaufnahmen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz in der Innenstadt. Darüber gebe es eine uneinheitliche Meinung, sagt Meyer. Bei mehr Fassadenbegrünung seien sie sich wieder einig. Es soll einen Katalog für die Stadt und private Haushalte geben, in dem Vorschläge stehen, samt Fördermöglichkeiten. Vor allem der Messplatz sei „nicht tragbar in seiner jetzigen Form“, sagt Meyer und versichert sofort, dass die Pforzemer Mess so bleiben soll, wie sie ist. Aber der Boden müsste durch Gittersteine ausgetauscht werden, die den extremen Hitzestau im Sommer verhindern könnten.
Der Jugendgemeinderat fordert viel, aber das hat einen Grund: „Laut sein ist wichtig“, sagt Meyer. Das habe er gelernt. Und daher macht das Gremium auch keinen Hehl daraus, dass drei Frauen im zwanzigköpfigen Jugendgemeinderat zu wenig seien. Auch das wollen sie ändern, die Pforzheim-Optimierer.
