Die Spielzeit 2026 ist vorbei: Das plant das Kurtheater in Bad Wildbad für 2027
Bad Wildbad. Der Bühnenvorhang ist zu, die Technik eingepackt, das Foyer menschenleer. Für Thomas Käppler beginnt damit keine Pause. Seit elf Jahren ist der Allgemeinmediziner nebenberuflich Intendant des historischen Hauses. Ein Nebenjob? Käppler schmunzelt. Er habe das ganze Jahr zu tun. Neben dem Vorsitz des Fördervereins mit seinen 200 Mitgliedern verantwortet er das Programm, sucht Künstler, hält sie bei Laune, schließt Verträge ab, verwaltet Gelder und organisiert den Kartenverkauf. „Da stecken pro Tag mindestens zwei Stunden Arbeit drin“, sagt er. Dazu kommt die Praxis.
Ein Bauzaun und eine D-Mark
Vor fast 40 Jahren kam Käppler als junger Arzt in die Kurstadt an der Enz. Beim Spaziergang stand er am Eingang des Kurparks plötzlich vor einem hässlichen Bauzaun. Dahinter lag ein verfallenes Gebäude, dem man die vergangene Pracht noch ansah. „Ich bin ein Freund von historischen Gebäuden und liebe Theater“, sagt er. Der Förderverein entwickelte ein Konzept zur Belebung des Hauses, das bis heute von rund 20 Aktiven getragen wird. Das Land Baden-Württemberg überließ es ihnen für den symbolischen Preis von einer D-Mark.
Der damaligen Vereinsvorsitzenden Margarete Bott kam der Geistesblitz, das kleine Opernhaus über Gioachino Rossini bekannt zu machen. Der italienische Komponist war nachweislich mehrmals zur Kur in Bad Wildbad, aufgetreten ist er hier nie. Das Festival „Rossini in Wildbad“ zählt bis heute zu den bedeutendsten Musikfestspielen Europas. Käppler und sein Förderverein wollten das neobarocke Theater aber nicht nur an zwei Sommerwochen für Rossini-Opern nutzen. Sie bespielen es daher als Vaudeville-Theater von Mai bis Oktober, mit Kabarett und Mundart, Coverbands und Operette, Kammermusik und Big Bands. Über 2000 Besucherinnen und Besucher locken sie damit pro Saison aus Nah und Fern.
Bei einem Thema wird Käppler leise: Die Stadt schmücke sich mit dem Belcanto-Festival und unterstütze dieses auch finanziell, trage aber keinen Cent zum Erhalt des Gebäudes und zur Arbeit des Vereins bei. Er könne sich auch nicht erinnern, je einen Stadtrat bei einer Vorstellung gesehen zu haben.
Prominenz und ein Zauberer
Für 2027 stehen die meisten Engagements fest. Im Mai eröffnen Joe Cocker und Tina Turnerfeeling die Saison. Wieder dabei sind Publikumsmagneten wie „Hillu’s Herzdropfa“ und ABBAlution, außerdem die „Palastperlen“ und Jörg Hegemann mit Boogie Woogie. Für Liebhaber klassischer Klaviermusik kommt ein Weltstar: Justus Frantz spielt Ende August mit seinem Sohn Konstantin einen Abend auf zwei Flügeln. Aleksandra Mikulska holt das 2026 verschobene Chopin-Klavierkonzert im Mai nach.
„Wir müssen auch mal was Neues ausprobieren“, sagt der Hausherr verschmitzt. Er hat einen Zauberer engagiert, Kabarettikone Mathias Richling kommt. Ende Juni dann der Benefizabend „Zeitlos im Frack“ im Stil der Comedian Harmonists zugunsten des Hauses. Zum 50. Todestag von Elvis treten Duke Elvis und Joe Hurricane mit Band auf, dazu kommt ein Stummfilmabend mit Jens Schlichting live am Klavier.
Wie lange er noch Intendant bleiben wolle, lautet die letzte Frage an den 71-Jährigen. Käppler antwortet spontan: „Ich könnte ewig weitermachen. Das macht ja Spaß.“
Das Programm ist vorläufig, Karten gibt es unter www.kurtheater.com.
