Ein Dauerbrenner an der Platte: Adam Schmalz aus Wössingen ist ältester Tischtennisspieler im Land
Pfinztal-Wössingen. 90 Jahre und kein bisschen müde – so wirkt Adam Schmalz, wenn man ihm zuhört, zusieht oder ihn in Gänze erlebt. Nach wie vor steht er regelmäßig an der Tischtennis-Platte und ist damit der älteste aktive Tischtennisspieler Baden-Württembergs.
Begonnen hat die Geschichte im Jahre 1966 mit der Gründung der TTG Wössingen. Natürlich zählte der rastlose Schmalz schon damals zu den treibenden Kräften. Momentan spielt er seine 59. Saison – ununterbrochen und für denselben Verein, versteht sich. Höchste Zeit also für eine Auszeichnung. Im Rahmen des Verbandsspiels seiner TTG gegen den TTC Eisingen wurde er für diese außergewöhnliche Leistung vom Badischen Tischtennisverband geehrt.
Dass er seinen Schläger mittlerweile in der Kreisklasse B schwingt, liegt in der Natur der Sache. Während Schmalz zu seinen Glanzzeiten in der Bezirksliga Süd Meriten sammelte, war er sich in all den Jahren auch nie zu schade, in der Mannschaft aufzulaufen, bei der es gerade klemmte. Sein unorthodoxer Spielstil brachte schon manch einen Kontrahenten schier zur Verzweiflung. Gefürchtet war er außerdem im Doppel an der Seite seines kongenialen Partners Harald Tschanz. Bewundern konnte man dies in den letzten sechs Jahrzehnten bei fast jeder Bezirksmeisterschaft, fehlte „Urgestein“ Schmalz doch nahezu nie. Einen Namen machte sich der unverwüstliche Recke mit dem großen Kämpferherzen dann insbesondere bei den Senioren. Erst jüngst, im Oktober 2025, gewann er mit Horst Schulz (Viernheim) im Doppel der über 80-Jährigen bei den badischen Einzelmeisterschaften Silber.
Sein absolutes Steckenpferd waren freilich die Teilnahmen bei Welt- und Europameisterschaften.
„Durch das Tischtennis habe ich die halbe Welt kennengelernt“,
erzählt Schmalz voller Begeisterung.
Neben vielen europäischen Destinationen wie Lillehammer, Kopenhagen, Bratislava, Porec, Rotterdam oder Rimini – dort holte er mit oben erwähntem Schulz im Doppel der über 85-Jährigen übrigens Bronze – weilte er auch in Vancouver, Yokohama, Peking und Melbourne.
Gerade Australien hat es ihm sehr angetan, verband er doch das im Jahr 1994 ausgetragene WM-Turnier mit einem dreiwöchigen Urlaub vor Ort, inklusive eines Tauchgangs im Great Barrier Reef zwischen den Haien, einer Besteigung des Ayers Rock und eines Besuchs in Sydney.
Aber nicht nur seine Tischtenniskarriere war bewegt, sondern auch sein Leben an sich. Mit neun Jahren kam Schmalz als vertriebener Donauschwabe in den kleinen Ort Wössingen. Er wuchs dort in ärmlichen Verhältnissen auf. Durch Kriegswirren und die Flucht war es ihm nicht möglich, einen Schulabschluss zu machen. Dennoch gelang ihm der Aufstieg vom Hilfsarbeiter bis in Führungspositionen verschiedener Unternehmen. Getreu seinem Lebensmotto „Arbeite und strebe, aber lebe“ handelt der Tausendsassa auch in seiner Freizeit.
Dass Tischtennis nicht seine einzige Passion ist, daran lässt der Vereinsmensch Schmalz keinen Zweifel, war er doch in jungen Jahren sowohl in der Leichtathletik als auch im Handball aktiv. Außerdem ist er im Musikverein Wössingen tief verwurzelt. Neben seiner 20-jährigen Tätigkeit als Vorsitzender spielte er früher Trompete und Flügelhorn.
Nicht unerwähnt lassen möchte er sein Faible für Outdooraktivitäten wie Wandern und Skifahren, welche er häufig zusammen mit seiner in der Pandemie verstorbenen Frau Sieglinde ausübte.
Ein Highlight der besonderen Art war für ihn die Besteigung des Matterhorns mit seinem Sohn Thomas, einem Freund sowie drei Bergführern.
„Ich bin ein sehr gläubiger Mensch und dankbar für alles, was ich schon erleben durfte“,
weiß Schmalz um die Tatsache, dass vieles auch ganz anders hätte laufen können.
Bekommt er seine derzeitigen Hüftprobleme in den Griff, will er bei den Anfang Juni im thüringischen Erfurt stattfindenden deutschen Seniorenmeisterschaften, für die er nominiert wurde, in der Konkurrenz der über 90-Jährigen an den Start gehen. Bleibt ihm zu wünschen, dass dieser Plan glückt. Und wer weiß – vielleicht wartet auf das Wössinger Original dann ja eine neuerliche Würdigung.
