Ein Rückblick: Bewegende Mühlenhistorie in Bad Wildbad
Bad Wildbad-Calmbach. Das Jahr 1973 leitete für Calmbach Veränderungen ein. Die Kreisreform war ohne ganz große Auswirkungen auf „Otto Normalverbraucher“ gerade abgeschlossen. Aber die im Land anstehende Gemeindereform beschäftigte die Bürger in den Dörfern.
In der Fünftälergemeinde kam da noch mancherlei hinzu, wie etwa der Bau der Enztalhalle, der Großbrand beim Sägewerk Kappler neben der B 294 oder der Abbruch der Dorfsägemühle an der Hauptstraße, des Sägewerks Locher. Es stand dort, wo sich heute neben der Hauptstraße eine kleine Parkanlage befindet. Aufgabe und Abbruch bedeuteten für viele das Vergehen eines Stücks Ortsgeschichte. Damit verschwinde eines von bisher noch vier Sägewerken, war über den geplanten Abbau im April 1973 in den Tageszeitungen zu lesen. Was heute viel scheint, mag damals eher als wenig betrachtet worden sein. Denn Alfred Kiefer aus Calmbach schreibt im historischen Jahrbuch „Einst & Heute“ des Kreisgeschichtsvereins Calw von 13 Calmbacher Sägewerken. Diese klapperten zeitweise zu einem großen Teil gleichzeitig. Das Baujahr der Dorfsägemühle ist nicht bekannt, aber sie ist schon 1594 und 1597 als „ym Dorf“ gelegen genannt. In einer Ruggerichts-Entscheidung wird das Sägewerk neben der Kleinenz 1782 urkundlich belegt.
Festgehalten ist, dass die Dorfsägemühle 1864 von Christian Barth abgerissen und ganz neu erbaut wurde. Im Jahr 1907 erwarb sie die letzte Privatbesitzer-Familie von der Vereinsbank Wildbad. Zeitweilig war das Werk auch Gemeinschaftssäge, von der bekannt ist, dass sich 1778 die 1200 Schnitte auf 21 Teilhaber verteilten. 200 Schnitte davon gehörten Calmbachs superreichem Floßherrn und Mäzen des Dorfes, Johann Friedrich Goßweiler. Nach einem Brand 1743 hatten die Sägemühle „Friedrich Kappler, Michel Locher et Cons.“ wieder aufgebaut, darunter also dem Namen nach vielleicht ein Vorfahre der letzten Besitzerfamilie.
Als im April 1973 eine Zeitung titelte „Alte Dorfsägemühle fällt“ dachte noch niemand daran, dass bald auch am Schicksal der Zimmersägemühle an der Kleinenz neben der B 294 gerüttelt würde. Um 5.30 Uhr rissen am 16. Juni 1973, einem Samstagmorgen, in Calmbach die Sirenen die Menschen aus dem Schlaf. Die rasch an der Zimmersägemühle eingetroffene Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf die Lagerhalle verhindern. Kesselhaus, Sägewerk und Wohnung der Eigentümerfamilie Kappler gingen jedoch im Flammenmeer in Schutt und Asche unter. Der damals 47-jährige Fritz Kappler und seine Frau Margarete machten sich zusammen mit dem 20-jährigen Sohn Friedrich, der beißenden Rauch registriert hatte, auf die Suche nach der Ursache. Sie entdeckten den Brand, der schon reichlich Nahrung gefunden hatte, und konnten spärlich bekleidet lediglich ihr nacktes Leben retten, verloren Hab und Gut.
Dennoch baute die Familie das Werk wieder auf, das heute noch als einziges nicht nur in Calmbach, sondern von mehreren Dutzend im ganzen Enztal übrig ist. Nochmals in den Mittelpunkt rückte die Zimmersägemühle im September 1973, als eine Pforzheimer Firma zusammen mit dem THW den etwa 90 Jahre alten Kamin sprengte. Gleichermaßen langsam wie präzise fiel das Bauwerk von 35 Metern Höhe und 1,70 Durchmesser wie vorausberechnet auf den Holzlagerplatz.
