Einwohnerversammlung in der Klosterstadt: Vier Baustellen halten Maulbronn auf Trab
Maulbronn. Maulbronn. Wer in Maulbronn Aktuelles aus dem Rathaus erfahren wollte, musste am Mittwochabend der Einladung von Bürgermeister Aaron Treut zur Einwohnerversammlung in die Stadthalle in Maulbronn folgen. Bürgernähe hatte er bei seiner Wahl versprochen, nun stellte er sich bereits zum sechsten Mal den Fragen der Einwohner und „Themen, die momentan brennend sind“, so Treut.
Besonders brennend ist derzeit der Brückenbau an der B35 bei Maulbronn. Die marode Brücke auf Höhe des Bahnhofs Maulbronn West muss abgerissen werden, nachdem sich ihr Zustand seit der letzten Prüfung 2015 deutlich verschlechtert hat.
Eine Ersatzbrücke soll den Lkw-Verkehr ab 2027 aus dem Ortskern wieder auf die B35 aufnehmen. Bis dahin müssen sich die Bürger auf erhebliche Einschränkungen einstellen: „erforderliche Sperrungen werden nicht zu vermeiden sein“, kündigte Serdal Ulupinar vom Regierungspräsidium Karlsruhe an. In den Phasen drei und vier des Projekts wird die Straße unterhalb der Brücke von Maulbronn in Richtung Ötisheim mehrmals für jeweils voraussichtlich eine Woche gesperrt werden. Ebenso kündigte Lukas Boser vom RP Karlsruhe eine Sperrung des östlichen Knotenpunktes der B35 zu Beginn und Ende der Bauzeit an. Bis Herbst 2028 soll die neue Brücke stehen.
Die Folgen sind schon jetzt spürbar: Lastwagen werden durch den Ortskern umgeleitet, Lärm und Verkehrsbelastung nehmen zu. Aufgrund dieser besonderen Belastung wird aktuell ein Kreisverkehr in Richtung Heilbronner Straße umgebaut. Entsprechend brannte das Thema vielen Bürgern unter den Nägeln.
Manfred Pfeil wollte wissen, ob ein kompletter Brückenneubau tatsächlich nötig wäre und wies auf Schäden an einer anderen B35-Brücke in Richtung Schmie hin. Treut sprang dem Bürger zur Seite und bemerkte in Richtung der Verantwortlichen, die Brücke bei Schmie frühzeitig anzugehen und „nicht so lang anstehen [zu] lassen wie diese Brücke“. Fragen zur Notwendigkeit des Neubaus und zur Belastung der Infrastruktur bestimmten die Diskussion. Auch Sorgen über Schäden durch den Lkw-Verkehr, etwa an Wasserleitungen, wurden geäußert – hier verwies Treut auf die Zuständigkeit des Landes.
Weitere Projekte geplant
Neben dem Verkehr gibt es weitere Themen, die in Maulbronn aktuell „heiß laufen“. Dazu zählt die Sanierung des Tiefen Sees. Das rund sechs Millionen Euro teure Projekt steht unter Zeitdruck: Nur wenn die Arbeiten 2027 abgeschlossen sind, kann die Stadt von einer Förderung in Höhe von 80 Prozent profitieren. Geplant sind unter anderem die Entschlammung des Sees mithilfe eines Saugboots sowie die Sicherung der Hänge. Im November soll damit begonnen werden. Ob in diesem Jahr noch gebadet werden kann, ließ der Bürgermeister offen. Im gleichen Zuge soll der Kiosk am See erneuert werden.
Auch die Umgebung soll aufgewertet werden: Mit Mitteln aus dem Welterbefond wird die sogenannte Mahlrinne saniert und der Hang oberhalb des Klosters als historische Streuobstwiese rekonstruiert. „Seit 60 Jahren wurde hier nichts gemacht“, betonte Treut.
Alte Mauern, neue Nutzung
Weniger dringlich, aber dennoch von Interesse, sind die Pläne für die Klosterschmiede. Investor Wolfgang Scheidtweiler kündigte dort ein Hotel mit Brauerei an, bat jedoch um Geduld.
„Das Haus steht seit 800 Jahren, da kommt es auf zwei Jahre nicht an“, sagte er mit einem Augenzwinkern und verwies zugleich auf bürokratische Hürden.
Konkrete Nachfragen, etwa zu Denkmalschutz oder Finanzierung, beantwortete er dabei nur ausweichend. Zugleich rief er die Maulbronner dazu auf, stolz auf ihr kulturelles Erbe zu sein. In der Stadthalle stieß das Projekt dennoch auf viel Begeisterung. Die Gastronomie solle in den nächsten zwei Monaten innerhalb der historischen Mauern auf Vordermann gebracht werden, so Scheidtweiler, und zum Sommer schon wieder Gäste empfangen können. Ein weiteres Thema des Abends war die baldige Entfernung der derzeit leerstehenden Containerunterkünfte.
